Winfried Hassemer ist „mit Friede Springer nicht bekannt“

Publishing Der Verfassungsrechtler Professor Winfried Hassemer ist "mit Friede Springer nicht bekannt". So steht es heute in der Korrekturspalte der Süddeutschen Zeitung. SZ-Rechercheur Hans Leyendecker hatte in einem Text über den Prozess Ottfried Fischer gegen die Bild-Zeitung geschrieben, Hassemer sei mit der Verlegerin "gut bekannt".

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Wie Leyendecker richtig schrieb, hat Hassemer ein Rechtsgutachten über den Fall Fischer verfasst. Der Schauspieler geht gegen die Boulevardzeitung und einen ihrer Mitarbeiter vor, weil dieser – so der Vorwurf – ihn mit einem Sexvideo erpresst habe. Die Verteidigung beruft sich auf die Recherche- und Pressefreiheit, weist den Vorwurf der Erpressung von sich und sagt, der Journalist habe "sorgfaltsgemäß" gehandelt.
Zum gleichen Urteil kommt auch Hassemer, ein ehemaliger Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, in seinem Gutachten. Der Ankauf des Videos, dessen Existenz Fischer zu einem für ihn eher peinlichen Interview mit Bild bewegt haben soll, sei im Rahmen der Recherche über Fischer journalistisch sauber gewesen.
Ob das Gutachten das Landgericht München, vor dem der Fall verhandelt wird, beeindruckt hat, ist unklar. Am Dienstag wurde die Verhandlung auf den 24. Januar vertagt. Der Richter hat indes bereits durchblicken lassen, dass er den Fall perspektivisch vor dem Bundesverfassungsgericht sieht.   
Spielt es nun eine Rolle, ob Friede Springer, in deren Verlag die Bild-Zeitung erscheint, mit Winfried Hassemer gut bekannt ist? Wäre sie es, läge der Verdacht nahe, es handele sich um ein Gefälligkeitsgutachten, das der Professor erstellt hat. Auch darum ist Hassemer vermutlich die Feststellung wichtig, dass er eben nicht mit Frau Springer bekannt ist. Während die Korrektur in der gedruckten Ausgabe vom Donnerstag zu lesen ist, ist auf Sueddeutsche.de weiter die ursprüngliche Fassung zu lesen (Stand: Donnerstag, 20. Dezember, 12:30 Uhr). Die angebliche Bekanntschaft wurde in einem weiteren Artikel über den Prozess veröffentlicht.
Winfrieds Bruder Volker Hassemer kennt Friede Springer übrigens sehr wohl. Im Buch "Friede Springer. Eine Biographie" erzählt die FAZ-Journalistin Inge Kloepfer, wie der ehemalige Berliner Senator für Stadtentwicklung die Verlegerin in die Vorbereitungen für Berlin als Kulturhauptstadt Europas einbezog. Gemeinsam hätten sie die "Frühstücksgespräche" in iher Villa auf der Insel Schwanenwerder organisiert. Volker Hassemer war auch Gast der Feier zum 70. Geburtstag der Verlegerin im vergangenen August. 

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