Geo Saison: Buddy der Smartphone-Traveler

Publishing Unter den vielen Extensions von Gruner + Jahrs Traditionsmarke Geo ist Geo Saison ein Klassiker: Seit 1989 erscheint die Reisezeitschrift, die das Fernweh in der Zielgruppe inspirieren soll. Die allgemeine Printkrise blieb auch hier nicht folgenlos und führte zu einem spürbaren Rückgang der Abozahlen. Aber: Im Einzelverkauf legte Geo Saison zuletzt deutlich zu und bewies damit, dass das Heftkonzept nach wie vor intakt ist. Mit der Januarausgabe erscheint das Magazin komplett überarbeitet.

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Man könnte auch sagen, der Verlag habe dem Titel einen Relaunch "spendiert", denn die erste fühlbare Veränderung ist das 75 Gramm-Papier, das die Haptik aufwertet und das 148 Seiten-Heft voluminöser erscheinen lässt. Das ist aber nur Teil eines ganzen Maßnahmenbündels, mit dem sich das Magazin an gewandelte Lesebedürfnisse anpassen will. "Ich fand", sagt Chefredakteur Lars Nielsen, „dass der Titel, so wirksam er am Kiosk ist, nicht mehr hundertprozentig das gespiegelt hat, weswegen wir die Hefte gemacht haben.“
Eine schon am Kiosk sichtbare Neuerung ist das filigranere und jetzt weiße Logo, das ohne Geo-Grün daherkommt. Der gelbe Rahmen – gedruckte CI bei Geo Saison – ist dagegen geblieben, obwohl auch dieser beinahe ausgemustert worden wäre. Dass der Titel nun nicht aus dem Rahmen fällt, hat eine eigene Geschichte. Eigentlich, erzählt Blattmacher Nielsen, sei er entschlossen gewesen, auf das markante, aber auch sperrige Balkenwerk zu verzichten. Nach einem Urlaub im Herbst besann er sich anders – er hatte an den freien Tagen sein Magazin immer wieder am Kiosk in der Umfeldplatzierung gesehen. Nielsen wurde klar: Inmitten der anderen Geo-Titel hätte seine Reisezeitschrift wie ein Fremdkörper gewirkt. So blieb in diesem Punkt alles wie gehabt und die Erkenntnis, dass alle Veränderungen dann am erfolgversprechendsten sind, wenn man die Wirkung mit den Augen der Leser abschätzt und nicht am grünen Tisch entscheidet.
So ist das optische und inhaltliche Innovationspaket, das seit dieser Woche mit der Januarausgabe von Geo Saison im Handel ist, in allen Punkten auf eine Medienwelt zugeschnitten, in der Print aus Sicht der Magazinmacher zwar einen unverzichtbaren, aber längst nicht mehr unangreifbaren Platz einnimmt. Gerade das Thema Reise wird von ungezählten Online- und Mobil-Angeboten geradezu überschwemmt – für Lars Nielsen zugleich ein Problem wie eine Chance: "Offensichtlich scheint es unter unseren Lesern genügend Menschen zu geben, die lieber fünf Euro für ein kompetentes Reisemagazin ausgeben als sich drei Abende vor den Computer zu setzen und sich ungeprüfte Informationen herauszusuchen."
Was aber keineswegs bedeutet, dass Geo Saison-Leser unempfänglich für digitale Zusatzangebote wären. Ganz im Gegenteil. Deshalb gibt es diese nun auch via Heft. Neben einer klareren Gliederung und einer übersichtlicheren Darstellung der Service-Elemente findet sich jetzt in jedem Info-Kasten eine Google-Karte, mit der die Leser ihre Touren interaktiv planen können. Dazu müssen sie lediglich mit dem Smartphone den sogenannten QR-Code (optisch schwarz-weiße Muster mit einem Link-Code), der sich unter der jeweiligen Karte befindet, einscannen; damit ist die Karte nebst den dort hinterlegten Informationen gespeichert. Noch mehr praktische Informationen zeigen sich, wenn der angegebene Link auf dem Computer geöffnet wird – dann erscheint die Karte interaktiv, und die Leser können zum Beispiel auch Routenberechnungen vornehmen. 
"Aus den Gruppendiskussionen haben wir gelernt, dass die Leser Landkarten überaus schätzen“, sagt Nielsen, „die haben wir zu den Stars auf den Serviceseiten gemacht." Denn intelligenter und zielgruppengerechter Service ist gerade für einen Premium-Nutzwerttitel wie Geo Saison der Dreh- und Angelpunkt des Magazinkonzepts. Auch hier lotete die Redaktion im Vorfeld des Relaunches die Leserbedürfnisse aus. Lars Nielsen dazu: "Der Titel zu den ’20 besten Stränden Europas‘ war für uns ein richtiges Experiment: einmal auszuprobieren, ob ein Listing bei uns auch als Titel funktionieren würde. Das war auch ein Schuss ins Ungewisse. Das Ergebnis war, dass dieses Heft die best verkauften Sommerausgabe seit 2007 wurde. Wir haben gesehen, dass die Leser Tipps, Tipps, Tipps und Infos, Infos, Infos haben wollen – und das in einer Zeit, wo sie sich vermeintlich alles im Internet zusammen wühlen können." 
Damit stand die Richtung, aber auch die Form wollten Nielsen und sein Team reformieren: "Bei der Überarbeitung des Heftes war ein wichtiger Punkt die Leseransprache. Mir war das in der Vergangenheit oft zu sehr nach Art eines Reiseführers. Wir haben hervorragende Autoren, die bei ihren Themen total fit sind. Sie sollen jetzt einen Ton in die Service-Teile bringen, der den Lesern das Gefühl vermittelt, die Experten säßen neben ihnen auf dem Sofa und geben Tipps auf Augenhöhe – quasi persönlicher Reiseberater: der Kumpel, der für sie um die Welt reist und dadurch viel greifbarer wird."
Ein insgesamt durchoptimiertes Magazin, das aber auf den bei manchen Relaunch-Projekten üblichen Paukenschlag bewusst verzichtet, ist das Ergebnis einer mehrmonatigen Arbeit an allen Heftteilen. Am Ende kommt dem Chefredakteur entgegen, dass er angesichts der erfreulichen Auflagenentwicklung nicht unter Druck steht, sondern Veränderungen rund um das "Geo-Gen" aus einer selbstbewussten Position der Stärke heraus vornehmen konnte. "Use the momentum", habe er in seiner frühen Redakteurszeit von FTD-Blattmacher Andrew Gowers gelernt, sagt Nielsen: "Wenn Du Schwung hast, dann nutze ihn aus. Und Schwung haben wir gerade durch die erfolgreiche Heftentwicklung." 
Einer der ursprünglich geplanten neuen Services allerdings scheiterte am Widerstand der Testleser. Chefredakteur Nielsen wollte seiner Zielgruppe auch regelmäßig Produktempfehlungen mit auf den Weg geben, denn schließlich seien seine Autoren nicht nur Reise-, sondern auch Ausrüstungsprofis. Entsprechende Probeseiten wurden von Lesern in der Marktforschung jedoch trotz aller redaktionellen Anstrengungen einfach überblättert. Nielsen erkannte: "Viele Leser werden mit der Zeit medienzynisch: Sie glauben ohne hinzusehen, dass solche Inhalte einfach zusammengewürfelt werden oder Produktempfehlungen gekaufte Werbung sind." Die Rubrik wurde ersatzlos gestrichen, das Heft blieb für die Leser attraktiv. Der Blattmacher deutet das positiv: "Unsere Marke lebt von der totalen Glaubwürdigkeit." Er weiß, dass eine solche Heft-DNA auch im Digitalzeitalter gute Überlebenschancen hat. 

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