Fecht legt Chefposten bei dapd nieder

Publishing Wolf-Rüdiger von der Fecht ist nicht mehr Geschäftsführer der Nachrichtenagentur dapd. Der Rechtsanwalt hat am Donnerstag die Leitung der zahlungsunfähigen Unternehmen an den Insolvenzverwalter Christian Köhler-Ma übergeben. Damit einher geht der Wechsel von einer Insolvenz in Eigenverwaltung zu einer Regelinsolvenz. Fecht führte die Agentur knapp drei Monate. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass ihm am Ende das Heft aus der Hand genommen wurde.

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In einer Pressemitteilung heißt es, Fecht, der selber Insolvenzexperte ist, übergebe die Leitung der dapd "nach erfolgreicher Umsetzung des Restrukturierungskonzepts". In der Tat hat Fecht seit Anfang Oktober, als dapd Insolvenz anmeldete und er von den bisherigen Eigentümern Peter Löw und Martin Vorderwülbecke zum Geschäftsführer ernannt worden war, ein neues Konzept für die Agentur erarbeitet. Das sieht 200 statt der bisher 300 festen Redakteure vor, weniger Sport, weniger Video und eine Bündelung bei den Landesdiensten. Mit diesem Personalkonzept sollte die bisher sehr zuschussbedürftige Agenturgruppe auf eine schwarze Null kommen und für Investoren attraktiv werden.
Bis dahin hatte Fecht das Heft in der Hand bei der dapd. Doch dann kam die Kündigung der Lizenz der US-Agentur AP, die lieber gemeinsame Sache mit Konkurrent dpa machen will. Wegen der Insolvenz des deutschen Partners sah AP die Gelegenheit gekommen, die Kooperation aufzukündigen. Fecht, über dessen Wirken es bei dapd ganz unterschiedliche Ansichten gibt, sah in der AP-Lizenz einen wichtigen Baustein für die Zukunftsfähigkeit der Agentur. Er widersprach der Kündigung und stellte in seiner Stellungnahme für ein New Yorker Gericht fest, dapd sei ohne AP-Lizenz nicht überlebensfähig.
Ganz anders sah das offenbar Sachwalter Christian Köhler-Ma. Der war bisher als Sachwalter in Erscheinung getreten, kontrollierte Fecht formal, hielt sich aber im Hintergrund. Köhler-Ma kennt die Vorgängeragentur ddp gut – er war ihr Insolvenzverwalter bei einer früheren Pleite. Köhler-Ma verhandelte mit AP einen Vergleich und gab damit die Lizenz für dpa frei. Einen Tag später präsentierte er den Mitarbeitern der Agentur den Medienmanager Ulrich Ende als neuen Investor.
Seither war von Fecht nichts mehr zu sehen oder zu hören. Dass er die Leitung der dapd abgeben würde, war zwar ohnehin nur eine Frage der Zeit. Der Rechtsanwalt ist schließlich Insolvenzexperte und kein Medienkenner. Unklar ist aber, ob er früher als geplant die Leitung abgibt. Theoretisch hätte er bis zum endgültigen Einstieg Endes warten können. Für Freitag, den 21. Dezember, hat dapd eine Pressekonferenz angesetzt, auf der diese Fragen zu beantworten sein werden. 
Währenddessen bestätigte dapd gegenüber w&v die nicht ganz taufrische Spekulation, dass zwischen der Agentur und dem US-Wirtschaftsnachrichtenanbieter Dow Jones Gespräche laufen. Vermutlich soll Dow Jones die Belieferung der dapd-Kunden mit Auslandsnachrichten sicherstellen. Das Themenspektrum ist gegenüber dem von dapd aber enger, zudem ist Dow Jones kein adäquater Ersatz für die AP-Fotos, die dapd ebenfalls in Deutschland verbreiten durfte.

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