Die 7 Zeichen für den TV-Weltuntergang

Fernsehen Geht es nach den Mayas, ist unser Drops gelutscht. Weltuntergang 2012 – alles weg: Menschen, Medien und Moral. Selbst, und damit hatte kaum jemand gerechnet, das ZDF. Selbst Gottschalk, der Unsterbliche, der Untote. Und während Journalisten aufgeregt Details zum Niedergang von Print kommentieren, während Twitter-Facebook-Instagram- Regeln von Datenschützern bekämpft werden, als gäbe es am 22.12. noch ein Privatleben, haben wir verstanden: Feierabend. Alles weg. Selbst Google. Schicht.

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Obwohl wir beim Mediendienst vom richtigen Leben nun wirklich gar nichts verstehen und sich unsere Welt ausschließlich auf Datenbahnen, TV-Schirmen und in Gedrucktem abspielt, haben wir eine wesentliche Fähigkeit nie verloren. Die Fähigkeit, anderen einfach einmal etwas glauben zu können. In diesem Fall den Mayas. So gehen wir fest davon aus, dass es keinen Sinn macht, die GEZ-Gebühren über den Monat Dezember hinaus entrichtet zu haben. Aus anderen Gründen als den üblichen zwar, aber immerhin. Wir gehen aber auch davon aus, dass die Einsparung der Gebühren genauso wenig Sinn macht. Wie ausgeben die Kohle? Schicht ist Schicht.
Weise Mahner haben im Sektor TV lange schon erkennen können, dass die Mayas sich mit dem deutschen TV-Markt ausgekannt haben mussten. Früh waren untrügliche Zeichen für den Untergang der TV-Welt zu erkennen. Die sieben deutlichsten Zeichen dafür, dass die TV-Welt untergehen wird, haben wir hier kurz zusammenstellt:

1. Geißeln: “Die Geissens“:
Dass Lukas und Matthäus im Evangelium den sicher alten Maya-Begriff des Heulens und Zähneklapperns aufnahmen, beweist, die Mayas verstanden viel vom deutschen TV-Markt. Eine seiner zentralen Geißeln bestand in dem außerordentlich erfolgreichen RTL II – Format “Die Geissens“. Viele Zuschauer verfolgten treu die Sendung und schlossen Protagonisten und Sender in ihr Herz.  Der Inhalt der Randruppen-Migrations-Saga ist schnell erzählt: Es gibt keinen.
Zwei in unterschiedlicher Art und Weise retardierte Millionäre, ein paar Kinder mit Ochsenknecht-Vornamen und ein Opa, der in jedem Kreisklassen-Frauengefängnis als Faktotum durchgehen würde, lümmeln in Hubschraubern, Restaurants und Edel-Boutiquen herum. Während  Carmen Geiss als intellektuell unauffälliges Blondchen sich darum bemüht, die erbarmungslosen Spuren fortschreitenden, körperlichen Zerfalls äußerlichen Korrekturen zu unterziehen, ekelt Gatte Robert sozial unterirdisch in der Gegend herum, anstatt zum Friseur zu gehen oder einfach mal das Maul zu halten. Sicher besteht ein Reiz des Formates darin, ganz arme Menschen mit ganz viel Geld betrachten zu können.
Wir haben keine Zweifel daran, dass “Die Geissens“ primär jene suizidalen Zuschauer anspricht, die mit ihrem Leben lange schon abgeschlossen haben und das Format als Baustein ihres persönlichen Weltunterganges zielsicher etablieren wollten.

2. Udo Walz wird Talkmaster
Udo Walz ist Friseur. Man weiß das. Doch der Mann, der so aussieht, als habe er selbst nie einen Friseur von hinten gesehen, macht lange schon…irgendwas mit Medien.  Was genau, weiß man nicht. Walz wahrscheinlich auch nicht. Muss man ja auch nicht:
Nicht jede Lücke, die man betrachtet, birgt sofort die Information, womit genau sie gefüllt werden könnte.
Und Walz ist Lücke genug. Dass nun der Udo beim phantastischen Powersender tv.berlin eine monatliche Talkshow verantwortet, in der er “Freunden und Bekannten auf den Zahn fühlt“ (“Udo Walz – der Talk aus dem andel’s“), kann nur bedeuten: Walz  ist  Friseur, Fernsehmann und nun auch irgendwie Zahnarzt.  Der alte Satz: “Hast Du keinen Friseur, dem Du das erzählen kannst“ ist endlich von tv.berlin verwirklicht. Und jene, die bislang kostenintensiv auf Udos Friseurstühlen einschliefen, können dies nun auf dem Fernsehsessel tun. Das ist vielleicht besser für die Frisur und sicher nicht ganz so teuer.
Die zunehmend optimistischere Auslegung der alten Weisheit, Fernsehen lebe von Quereinsteigern, bildet mit der leichtsinnigen Inanspruchnahme des rüstigen Friseurs aus unserer Sicht einen deutlichen Meilenstein des nahenden TV-Untergangs.
Hauptsache, die Frisur sitzt.
3. Roche und Böhmermann docken beim Mutterschiff an
Mensch, was waren die aber echt modern. So hip. So ganz anders. Vor kleinem Kreis und von der Kritik weitgehend gefeiert, belästigten Charlotte Roche (die mit den Schweinebüchern) und Jan Böhmermann in ihrer Talk-Show mit dem innovativem Namen “Roche & Böhmermann“ seit März 2012 auf dem Digitalsender ZDFkultur Zuschauer mit bindungslosem Gehacke.  SPON beschrieb die Sendung als “umjubeltste Sendung,“ die taz als "post-modernen Presseclub", faz.net als “unbestreitbar beste Talkshow, die es derzeit im deutschen Fernsehen gibt".
Liebe faz.net, obwohl uns Formulierungen wie “unbestreitbar“ tief beeindrucken und auch ein wenig ängstigen: “Roche & Böhmermann“ scheint uns eher ein TV-Format, in der so angepasst und angestrengt vieles ganz anders gemacht wurde, dass die Qualität von Gespräch, Kontakt und Beziehung in Vergessenheit geriet. Vieles im Format ist wirklich unterirdisch. Einfach alles ganz anders zu machen, so scheint es, ist noch lange nichts Eigenes. Es ist halt nur: anders. Ganz anders.
Immerhin: Verblendete, die im Gegensatz zu uns ignorant davon ausgehen, die Mayas hätten kalendarisch unsauber gearbeitet, dürfen sich nun darüber freuen, dass das ZDF sich dazu entschlossen hat, beiden Moderatoren-Klonen den Weg ins Portfolio des Mutterschiffes ZDF zu ebnen.
Ein aus unserer Sicht untrügliches Zeichen, dafür, dass selbst dem ZDF alles schon egal ist.
4. Gottschalk will ins Radio:
Thomas Gottschalk ist ein ganz Großer. Nun: nicht immer ganz, aber ein Großer. Dass Thommy, der Unsterbliche, Thommy die Legende schon früh die Frohlockungen des  Maya-Kalenders präzise in seine diesjährige Planung einbezog, war schon zu Jahresbeginn sichtbar.
 Dem Ende von “Wetten, dass…?“ folgten das “Gottschalk live“-Desaster, in dem Thommy schon einmal üben konnte, ohne Zuschauer ganz mit sich selbst zu sein. Tief in sich selbst zu ruhen,  im Zentrum des Nichts mit sich selbst über sich zu sprechen: Ganz frei zu sein von lästigem Kontakt, von Quote und Erfolg, hatte etwas Meditatives und schien der perfekte Dry-Run für den prognostizierten Dezember-Untergang der Welt. 
Danach wurde alles leicht und alles möglich: Wer wie Thommy bei “Gottschalk live“i n die Schlund der Hölle blicken durfte, den schreckte nichts mehr. Nicht einmal die Jury-Mitgliedschaft bei RTL´s “Supertalent“.
Kurz vor dem Untergang der TV-Welt dann die Nachricht: 2013, so hörte man, findet man Gottschalk nun dort, wo alles begann: im Radio. All jene, die behaupteten Thommy sei als Untoter irgendwie unsterblich, erkennen: Der Mann hat geplant. Realistisch und konsequent. Und er steht wenige Tage vor dem Maya-Ende der TV-Welt in  seiner Phantasie wieder an den Wurzeln: Radio. Back to the roots, Asche zu Asche, und damit ist nicht Thommys Kohle gemeint.
Viele mochte es schon immer gewusst haben: Im Kern seines Herzens war der gelockte stets ein Maya-Priester. Wenn Große wie Gottschalk derart planen, ist dies ein untrügliches Zeichen für unser aller TV-Ende.
5. Raab rettet den Polit-Talk.
Zeichen fünf ist er. Der Meister: Stefan Raab. Der Hero. Der Pate. Der Retter großer Abend-Unterhaltung und  Retter des "European Song Contest". Herrscher des TV-Schwarzmarktes.
Stefans Planung 2012: Er – der Retter des Polit-Talks. Stefan Raab: einer der alles will. Und einer, der denkt, er könne alles. Auch Politik. 
Schließlich, ganz im Ernst: Was genau ist das denn schon, dieses Politik-Ding? Irgendwie total Eighties, irgendwelche Pappnasen sitzen in Anzügen in Ausschüssen und Wahlveranstaltungen und verbrennen Steuergelder. Geile Idee, denen mal eine Möglichkeit zu geben, die Kohle von ProSieben zu verbrennen. Geht denen doch sowieso nur ums Geld, und ins Fernsehen wollen sie auch alle. Wie der Stefan. Könnte er sich gedacht haben, der Stefan. Die alte Zocker- und Pokernase. Und alle im Markt wissen: Wenn der Stefan sich etwas ausdenkt, dann wird es auch so gemacht. Da kennt der Stefan keine Verwandten mehr. Selbst wenn: Verwandtschaft ist kein Beziehungsgrund. Nicht für den Stefan. Da kennt der nix.
So, das Konzept stand also. Nun noch die Staffage: die Gäste. Da hakte es ein wenig. Und später hakte Stefan auch, in der Sendung. Egal. Ist sowieso bald Weltuntergang. Macht Stefan halt was anderes. Adventsbasteln in Afghanistan: “TV-Total“-Töpfern, mit der Saalfrank. Und danach mit den Soldaten da unten Tontaubenschießen auf die Töpferei-Exponate. Saalfrank schmeißt die Dinger in die Luft und Stefan schießt. Geht ja nicht um Inhalte. Geht um Stefan. Und, wenn die Mayas sich geirrt haben sollten, geht vielleicht doch noch was mit diesem Ding da: dem Politik-Ding. Die werden schon kommen, die Politiker. Die werden noch Schlange stehen, wenn die Gewinnsumme erst erhöht wird.
Mit Geld, da kann er. Der Stefan.
6. Die Inflation der Koch-Shows
Gefressen wird immer. Sagt nicht nur der Calmund. Und, wo gegessen wird, wird auch gekocht. Zwar haben wir  im zur Neige gehenden Jahr vergeblich darauf warten müssen,  dass im “heute-journal“, der “Tagesschau“ oder den n-tv-Börsensendungen zu Löffel, Herd und Topf gegriffen wurde, und auch das „Wort zum Sonntag“ bereitete letztlich die Produktion des Abendmahls medial nie auf. Dennoch sah das TV-Jahr 2012 senderübergreifend vom -ZDF über VOX bis hin zu RTL II – Männer in weißen Mützen, Koch- und Küchen-Krisenprofis, Jurys und Gourmets.
Man mochte denken, es könne gar nicht so viel gegessen werden wie gekocht wurde, und wenn, könne man gar nicht so schnell kotzen, wie senderseitig tv-technisch nachgerüstet wurde.  Die Fans jedoch blieben als Küchenschabenden Formaten treu. Mehr noch: Der Markt schien lange noch nicht abgegrast, bedächte  man formatübergreifende Ansätze: Tine Wittler könnte mit Rainer Calmund zusammen über Kochshows auf Baustellen nachdenken.  “Kachelmann kocht“ wäre ebenso denkbar wie  ein Messie-Kochformat mit Beckmann oder Fliege an der Spüle. Und irgendwo innerhalb dieses Feldes würde man Dieter Nuhr oder Barbara Schöneberger auch noch unterbekommen, falls nicht Galas oder Preisverleihungen ihre Energie bänden.
Mit Blick auf die präzise Maya-Timeline allerdings muss man die Inflation der Kochshows vielleicht als tiefes Bedürfnis werten, sich flächendeckend  noch einmal die Bäuche voll zu schlagen, bevor die Lichter ganz ausgehen.  So ist für uns die Invasion der Koch-Formate als letztes Glied der Kette Kochen-Fressen-Platzen ein Indiz für Untergang.
7. Harald Schmidt ist schon im Himmel
Teuflisch und von langer Hand geplante Quoten-Zerbröselung, das logische Ende des erneuten Engagements bei SAT.1 und ein neues Zuhause im Himmel:
Nicht zufällig ist Harald Schmidt, der graumelierte Faselfürst, bei Sky.  Er kennt sich aus mit Prophezeiungen. Schmidt war als Messdiener vertraut mit apokalyptischen Texten und Trost. Und manche schienen Harald quasi auf den Leib geschrieben:


“Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme….… und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert,“ heißt es in der Offenbarung Johannes.
Ob man als TV-Zuschauer weder Dürers Apokalypse oder die apokalyptischen Reiter kennt, ob man die Offenbarung Johannes` für ein Beleg des Trostes oder ein Szenario des unausweichlichen, irdischen Endes halten mag:
Die Parallelen des  Bibel-Textes  zur visuellen Erscheinung des scharfzüngigen Ex-Messdieners Harald Schmidt scheinen keinesfalls zufällig. Folgt man ihnen, scheint klar: Schmidt hat im Kerngeschäft seine Apokalypse erlebt und ist bei Sky im Himmel gelandet. Als erfahrener Stratege hat er diesen Weg selbst gewählt. Der alte TV-Zosse hat vorweg genommen, was weit vor Johannes die Mayas  in Aussicht stellten. Schluss mit lustig. Für Harald. Für uns alle: Am 21.12. wird zusammen brechen, was zusammen gehört. Und Harald hat für sich von langer Hand an eben dieser Uhr gedreht. Der Tausendsassa!
Schluss
Sieben Zeichen also für den Untergang. Das achte Zeichen haben wir uns und Ihnen erspart: Die “Tagesschau“, die den Weltuntergang einfach verschlafen hat. Die Abzweigung zu den  sieben TV-Todsünden wollten wir Ihnen ebenso ersparen. Auch, weil wir die Befürchtung hatten, das mit den sieben Sünden hätten die Jungs damals zu unterdimensioniert berechnet. Es hätte  zweistellig werden können.
Und nun?
Ein bisschen schade wäre es schon: Kein Fernsehen mehr. Irrten sich die Mayas und bräche etwa nur Fernsehwelt zusammen, linear und auf Plattformen der Zukunft: Wir wären irgendwie traurig und erleichtert zugleich.
Tage, Abende und Nächte ohne Fernsehen – eine skurrile Vorstellung:
Wir alle müssten wieder damit beginnen, richtig zu leben.

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