Die Kaputt-Kandidaten vom Dschungelcamp

Fernsehen Der Spiegel sorgte sich Anfang der Woche um die Eignung von Helmut Berger als Kandidat für die kommende siebte Staffel der RTL-Dschungelshow “Ich bin ein Star - holt mich hier raus!”. “Die Dschungelprüfungen dürfte er kaum schaffen”, diagnostizierte das Nachrichtenmagazin und fragte besorgt, wie der Sender wohl mit Bergers Alkoholbedarf umgehen wird. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein potenzieller Kaputt-Kandidat ins Dschungelcamp von RTL einzieht und am Ende gestärkt aus der Show kommt.

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Am Anfang lief im RTL-Dschungel noch alles relativ glatt. Medienprofi Costa Cordalis holte in der Premierenstaffel souverän die Dschungel-Krone. In der zweiten Staffel war eisenhartes Personal wie Désirée Nick oder Willi Herren am Start. Lediglich Ex-Porno-Darstellerin Dolly Buster schwächelte und schied recht schnell freiwillig aus.

Los ging es mit den problematischen Kandidaten eigentlich erst in der dritten Staffel. Da sah sich RTL gezwungen, DJ Tomekk als aus der Show zu nehmen. Allerdings nicht, weil der psychisch oder körperlich zu labil gewesen wäre. Es war ein Video bekannt geworden, in dem DJ Tomekk den Hitlergruß gezeigt und die erste Strophe des Deutschlandliedes gesungen hatte. Der Musiker hatte dies später als Witz deklariert und sich entschuldigt – vom Camp blieb er aber ausgeschlossen.

In der fünften Staffel von “Ich bin ein Star – holt ich hier raus!” entwickelte das Dschungelcamp zum Psychocamp. Das lag zum einen an der schwierigen Persönlichkeit von Ex-”Topmodel”-Kandidatin Sarah Knappik. Durch ihr Verhalten polarisierte sie das Camp derart, dass sie von den übrigen Insassen aufgefordert wurde, die Show zu verlassen, was sie schließlich auch tat. Ein bisher einmaliger Fall in der Sendung. Damit waren die Psychospielchen aber nicht vorbei. Zwischen dem Schauspieler Mathieu Carrière und dem späteren Sieger Peer Kusmagk schwelte bis zum Ende ein ernster Konflikt, der erst nach der Show aufgelöst wurde.

In Staffel 6 schließlich verpflichtete RTL die frühere Hollywood-Schauspielerin Brigitte Nielsen als Promi-Zugpferd. Die hatte bereits zahlreiche Reality-TV-Formate, u.a. in einer Entzugsklinik und bei Schönheitsoperationen, hinter sich. Wegen ihrer Alkoholsucht galt Brigitte Nielsen im Vorfeld als möglicherweise schwierige Kandidatin. In der Show selbst erwies sie sich dann aber als hoch professionell und sehr stabil. Als problematisch stellte sich eher die frühere TV-Moderatorin Ramona Leiß heraus. Sie litt in der Vergangenheit u.a. an Depressionen und zeigte während der Show ein eher auffälliges Verhalten. Letztlich ging alles gut, nichts eskalierte dramatisch. Ein weitaus größeres Problem war in der sechsten Staffel der Dauerregen in Australien, der die Produktion teilweise von der Außenwelt abschnitt. Sogar der Abbruch der Show stand kurzzeitig zur Debatte.

Für die siebte Staffel hat RTL nun also Helmut Berger als Top-Promi verpflichtet. Der früher einmal gefragte Schauspieler galt einst als schönster Mann der Welt. Auf dem Papier ist er der ideale Dschungel-Kandidat: einst ein Weltstar, heute tief gefallen. Auf dem Papier ist er aber auch der bislang problematischste Fall, den die Show je hatte: gesundheitlich angeschlagen, verhaltensauffällig, psychisch anscheinend äußerst labil. Ein insgesamt bedenklicher Zustand mit vielen Fragezeichen. Im Interview mit dem Spiegel pöbelte er bereits gegen RTL, gegen seine Mit-Kandidaten, gegen den Interviewer. Berger, wie man ihn kennt. Wegen dieser Unberechenbarkeit dürfte er auch von RTL ausgewählt worden sein. Provokationen und Unflätigkeiten im Camp sind programmiert.

Aber geht RTL mit der Verpflichtung von Berger zu weit? Wird hier eine Grenze überschritten? Das ist, wenn überhaupt, mal wieder erst nach der Show zu beantworten. Dann, wenn alle wieder schlauer sind als vorher. Wahrscheinlich ist, dass überhaupt nichts Schlimmes geschieht. Seine Würde kann Helmut Berger in der Dschungel-Show wohl keiner mehr nehmen – das hat er in diversen TV-Auftritten schon gründlich selbst besorgt. Im Gegenteil: Ein faszinierender Effekt der vergangenen Dschungelshows war es, dass gerade die Gefallenen im australischen Dschungel etwas von ihrer Würde zurückgewinnen können.

Ist die Teilnahme von Helmut Berger aus gesundheitlichen Gründen zu verurteilen? Das müssen Ärzte entscheiden. Bei einem bedenklichen Zustand eines Kandidaten dürfte RTL auch keine Lust haben, das Risiko eines ernsthaften Zwischenfalls einzugehen. Sollte etwas Unvorhergesehenes geschehen, kann ein Kandidat bei Problemen aber auch jederzeit kurzfristig aus der Show genommen werden. Und so ist die zur Schau getragene Sorge des Spiegel um den Dschungel-Kandidaten Helmut Berger in letzter Konsequenz vor allem eines: Der Beweis, dass die Besatzung Bergers schon vor dem Start der Show die gewünschten Medien-Effekte erzielt.

Die neue Staffel der RTL-Dschungelshow “Ich bin ein Star – holt mich hier raus!” startet am 11. Januar um 21.15 Uhr.

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