Scraping: Killt Google die SEO-Tool-Anbieter?

Publishing Woher wissen SEO-Tool-Anbieter wie Sistrix, SEOlytics oder Searchmetrics eigentlich, was bei Google funktioniert? Und was nicht? Zum einen basiert dieses Wissen auf jahrelanger Expertise. Einen immensen Anteil am Wissensvorsprung hat allerdings das sogenannte Scraping, ein millionenfaches Abfragen und Auswerten von Suchergebnissen. Der Haken: Google verbietet seit langem dieses Vorgehen und will allem Anschein nach die Geschäfte der Anbieter erheblich erschweren.

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Wer als Betreiber einer großen News-Seite nicht google-optimiert, ist nicht konkurrenzfähig. Um im schnelllebigen Online-Geschäft den Anschluss zu den Mitbewerbern nicht zu verlieren, setzen Verlage gerade im News-Geschäft auf SEO-Tools. Google macht immerhin bis zu einem Drittel des Traffics aus – ein Anteil, an den selbst Social Networks wie Facebook noch lange nicht heranreichen. Die Daten für die Auswertung von SEO-Tools stammen von Unternehmen wie Sistrix, SEOlytics und Searchmetrics. Um zu verstehen, wie wichtig SEO-Tools geworden sind, muss man sich nur anschauen, wie stark in diese Branche investiert wird. Über mehrere Finanzierungsrunden konnte sich Searchmetrics schon über acht Millionen Euro an Kapital sichern.

Diese Unternehmen wiederum gewinnen zu großen Teilen wiederum ihre Daten aus der Überwachung von Millionen von Suchbegriffen, sogenannten Keywords.
Um diese zu gewinnen, stellen die Server der Betreiber täglich tausendfach Suchanfragen auf den Servern von Google. Gegen dieses "Scraping" hat der Suchmaschinenriese etwas. Warum? Ganz einfach: Der Konzern verdient Geld mit den Suchanfragen von Nutzern, den wiederum passende Werbung ausgepielt wird, für die Werbekunden Geld bezahlen. Der Haken: Mit den computergenerierten Anfragen der SEO-Firmen verdient Google keinen Cent. Während die Anbieter von SEO-Tools mit den Daten von den Google-Servern Umsatz machen, geht Google wiederum viel Geld verloren.

Die Scraping-Debatte neu angestoßen hat Vincent Schmalbach, der selbst Suchmaschinen-Optimierung betreibt und einmal vorgerechnet hat, wie viel Einnahmen Google theoretisch durch das Vorgehen der Tool-Anbieter entgeht. Bei der Microsoftsuche Bing wird für das automatische Abfragen von Begriffen mindestens ein Betrag von 0,0015306 Euro pro Abfrage fällig. Unternehmen wie Sistrix werten laut Schmalbach im Monat zehn Millionen Longtail-Suchbegriffe aus, pro Woche sind es rund eine Million. 

Gemessen an den Bing-Preisen würde das bedeuten: “Würde Sistrix einen ähnlichen Preis für das Abgreifen der Google-Daten bezahlen, entstünden dadurch jährliche Kosten von etwa 2,6 Mio. Euro ((1.000.000 * 10 * 52 + 10.000.000 * 10 * 12) * 0,0015306 € = 2.632.632 €)." 

Tatsächlich hat Google begonnen, einige Unternehmen “darauf hinzuweisen”, Dienste auf Basis von Scraping zu unterbinden. In den Nutzungsbedingungen heißt es mittlerweile: “Verwenden Sie unsere Dienste nicht in missbräuchlicher Art und Weise. (…) Sie dürfen Inhalte aus unseren Diensten nicht nutzen, es sei denn, Sie verfügen über die Einwilligung des Rechteinhabers oder sind anderweitig zu dieser Nutzung berechtigt.” Und weiter: “Wir können die Bereitstellung unserer Dienste an Sie aussetzen oder einstellen, wenn Sie gegen unsere Nutzungsbedingungen oder Richtlinien verstoßen oder wenn wir ein mutmaßliches Fehlverhalten untersuchen.”

Wie Schmalbach erklärt, sei Google in dieser Richtung schon aktiv geworden. Die Tool-Anbieter Raven, SEOmoz und Ahrefs mussten innerhalb kürzester Zeit entsprechende Dienste einstellen. Für viele Dienstleister könnte das das vorschnelle Aus bedeuten. Ohne Scraping sind viele Tools nutzlos, auf die sich auch wiederum viele SEO-Agenturen berufen, die ihre Kunden beraten. Raven kündigte bereits an, keine Services mehr auf Basis von Scraping anzubieten. Ähnlich will auch Ahrefs vorgehen und derlei Dienste zum Januar hin abstellen. SEOmoz erklärte hingegen, weiterhin Scraping anzuwenden. Doch Google sperrte kurzerhand den Zugriff. Searchmetrics erklärte hingegen, keine Daten über die Google-API zu generieren.  Vielmehr gewinne man die Datensätze aus einer Vielzahl von Quellen.

Was das auf lange Sicht für die SEO-Branche bedeutet, lässt sich derzeit noch nicht in vollem Umfang absehen. "Unsere Nutzungsbedingungen legen klar fest, dass unsere Dienste nur über die von uns bereitgestellte Benutzeroberfläche und gemäß unseren Vorgaben genutzt werden dürfen", erklärt Google gegenüber MEEDIA. Das bedeutet: Google hat natürlich ein Interesse daran, dass Unternehmen die Google-eigenen Webmaster-Tools nutzen. Dass Google auf ein Bezahlmodell wie im Fall von Bing setzen wird, kann man nach jetzigem Kenntnisstand ausschließen.

Vielmehr dürfte der Suchmaschinenriese seine Anstrengungen in Zukunft intensivieren. Mit seinen letzten Panda- und Penguin-SEO-Updates trieb der Konzern schon vielen SEO-Unternehmen die Sorgenfalten auf die Stirn und stufte ebenso viele Webseiten, die sich allzu trickreich in den Rankings nach vorne gearbeitet hatten, ab. Für die SEO-Branche dürfte es in Zukunft schwieriger werden, ein etabliertes Geschäftsmodell fortzuführen, wenn Google ihnen die Grundlage für ihr Geschäft entzieht – und damit lediglich seine Nutzungsbedingungen umsetzt.

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