Die zehn goldenen Regeln der dapd

Publishing Die dapd-Chefredakteure Melanie Ahlemeier und Dirk von Borstel haben "zehn goldene Regeln" verfasst, wie künftig Journalismus "made by dapd" aussehen soll. Das Ziel von Ahlemeier und Borstel: Mehr Qualität, mehr Exklusivität, mehr Formate, mehr Online-Denke. Einige der Leitlinien sind banal, im Kern steckt aber die Erkenntnis, dass es für dapd nicht reichen wird, einen Investor zu finden. Die Agentur muss sich deutlicher positionieren, um eine Existenzberechtigung zu haben. Erst recht ohne AP-Lizenz.

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Grundregel Nummer eins von Ahlemeier und Borstel lautet: "Qualität statt Quantität. Wir schrubben keine Menge mehr!" Dies verkündete die dapd-Führung bereits, nachdem klar war, dass die bisherige Redaktionsstärke nicht mehr aufrecht zu erhalten ist. Mit nun 200 statt bisher 300 Redakteuren wird es schwieriger sein, das Nachrichtengeschehen komplett abzubilden. Galt noch unter Führung der Investoren Löw und Vorderwülbecke die Maximierung der Meldungszahl – so wurden "Studien" in Auftrag gegeben, die u.a. die Menge der Meldungen von dapd und dpa verglich – heißt es jetzt: Zurück zur Substanz.
Auch Punkt 4 ist wichtig: "Wir brauchen endlich eine eigene Identität! Haltung im Sinne von Meinung in längeren Texten steht uns darum gut!" Während vorher auch mit Menge – siehe Punkt 1 – der Konkurrenzkampf mit dpa gewonnen werden sollte, ist nun die Einsicht gereift, dass dapd nur eine Chance bei Kunden hat, wenn der Absender klar erkennbar ist. Ob mit dem Anspruch, in längeren Stücken Haltung zu demonstrieren, den eigentlich bei Nachrichtenagenturen ehernen Grundsatz der Trennung von Nachricht und Meinung obsolet macht, dürfte Ansichtssache sein. Auch Agenturjournalismus hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert.
In Punkt 6 fordern die Chefredakteure, ein "onlinigeres" Arbeiten: "Twitter sollte als Informationsradar für alle Kollegen Pflicht sein". Texte müssten "zielgenauer" eingesteuert werden, um den Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden, lautet eine Forderung in Regel 5. Unter Punkt 9 heißt es: "Wir müssen mehr an den Texten arbeiten!"
Insgesamt 18 Ausrufezeichen finden sich in den Leitlinien der dapd-Chefs. Auch ein Ausdruck der Tatsache, dass es großen Handlungsbedarf gibt. Die Redaktion sortiert sich derzeit neu, eine Positionierung muss gefunden, neue Abläufe müssen festgezurrt werden. Selbst mit einem neuen Geldgeber muss glasklar sein, wofür dapd steht und welche Dienste die Agentur anbietet, die andere in dieser Form nicht können. Allein der Verweis auf das Argument, eine Alternative zu Marktführer dpa sei wichtig und notwendig, ist nicht ausreichend für eine Existenzberechtigung.
MEEDIA dokumentiert die dapd-Regeln:
1) Grundregel Nummer eins: Qualität statt Quantität. Wir schrubben keine Menge mehr! 

2) Geschichten immer auch mit Bild denken! Oder besser formuliert: Keine Lesegeschichte ohne Foto! 

3) Wir wollen exklusive Stücke! Und mehr vorausschauende Texte zu Themen/Terminen hin. So machen wir uns unverwechselbar und unersetzlich.

4) Wir brauchen endlich eine eigene Identität! Haltung im Sinne von Meinung in längeren Texten steht uns darum gut!
5) Wir müssen mehr auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen. Das heißt, dass wir Texte zeitlich betrachtet zielgenauer einsteuern müssen. Online tickt anders als Print! Auch die Formate müssen sich mehr auf die Bedürfnisse unserer Kunden hin ausrichten. Die Leserverbraucherbrille! Hintergründe! 

6) Um attraktiver für Online zu werden, sollten wir selbst onliniger arbeiten. Twitter sollte als Informationsradar für alle Kollegen Pflicht sein! Und: Unser Twitterkanal muss gefüttert werden. Hier haben die Ressortleiter den Hut auf. 

7) Mehr Mut beim Austesten neuer Formate! Das Nachrichten-Feature wird reaktiviert, weil es Schreibern gute Möglichkeiten bietet und bei den Kunden gut ankam. 

8) Mehr Sprachgewalt! Mehr Mut zum Formulieren! Schwache Verben haben keine Chance! Auch die Zeilen müssen Lust aufs Lesen machen! Schlagzeilen müssen sitzen! 

9) Qualitätskontrolle muss sein! Wir müssen mehr an den Texten arbeiten!
10) Wir wollen mehr miteinander kommunizieren. Auch mit dem Vertrieb. Kundeninfos sollten wechselseitig zwischen Redaktion und Vertrieb kommuniziert werden – nur so werden wir noch besser!

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