Rabe über G+J: Zu wenig in Umbau investiert

Publishing Bertelsmann-Chef Thomas Rabe hat sich im Manager Magazin zur geplatzen Komplettübernahme von Gruner+Jahr geäußert. Der Zeitschriftenverlag sei derzeit schwer zu bewerten. Es sei vielleicht ein Fehler gewesen, "dass wir zu lange in den Ausbau traditioneller Printgeschäfte und zu wenig in den digitalen Umbau investiert haben". Einen Sitz im Bertelsmann-Vorstand kann sich G+J zumindest zeitnah abschminken. Es sei nicht "zwingend", dass jede Division im Vorstand vertreten sei.

Werbeanzeige

In dem langen Interview, das Klaus Boldt von Manager Magazin mit Rabe geführt hat, ist dieser Punkt eine der relevantesten Aussagen des Managers. Bisher war es selbstverständlich, dass Gruner + Jahr einen Sitz im Vorstand des Gütersloher Medienkonzerns hat. Beim Übergang von Bernd Kundrun auf Bernd Buchholz gab es mal ein kurze Zeit, in der der Platz vakant war, doch Buchholz wurde dann schnell in den Vorstand berufen.
Darauf kann sich nun keiner der drei G+J-Vorstände Hoffnungen machen. Vermutlich auch, weil G+J gar keinen Vorstandsvorsitzenden mehr hat. Julia Jäkel ist zwar Deutschlandchefin und damit Nachfolgerin von Buchholz, doch sie übernahm nicht auch den Vorsitz im Vorstand. Dazu gibt es zwei Lesarten: Entweder soll sie Vorstandschefin werden, hat aber noch etwas Bewährungszeit. Oder Rabe hat gar nicht vor, einen Vorstandschef zu benennen. Die Folge: G+J ist gegenüber anderen Bertelsmann-Beteiligungen wie RTL, Arvato oder Random House deutlich im Nachteil. Wer nicht in Gütersloh mitreden darf, hat faktisch weniger Einfluss.
Ist das die Retourkutsche von Rabe in Richtung Familie Jahr, die nun doch nicht wie eigentlich vorgesehen ihre Sperrminorität an G+J aufgeben wollte, um im Gegenzug Anteile von Bertelsmann (oder auch "nur" RTL-Anteile) zu bekommen? Die geplatzte Komplettübernahme sei gescheitert, erzählt Rabe im MM, weil man nicht wisse, ob der Ergebnisrückgang bei G+J "temporär oder von Dauer sei". Der Verlag sei derzeit schwer zu bewerten. Mit anderen Worten: Rabe wurde sich nicht mit den Jahrs einig, was den Kaufpreis bzw. den Anteilstausch angeht.
Die Vorveröffentlichungen und Indiskretionen über die Verhandlungen zwischen Bertelsmann und der jahr-Holding hätten den Deal zusätzlich erschwert. "Solche Indiskretionen stellen einen Bruch von Vereinbarungen und von Vertrauen dar", sagt Rabe. Ironischerweise verbreitete just das Manager Magazin eben diese "Indiskretionen", die dann u.a. zum Wechsel an der Spitze von G+J führten. Despektierliche Äußerungen über Ex-Manager Buchholz wurden genüsslich aufgeführt, versehen mit der Absenderadresse Gütersloh. Ein Schelm ist, wer nun Böses über Rabes Rüge an Boldts Informanten denkt.
Rabe äußert auch Kritik an der G+J-Strategie: "Vielleicht war es ein Fehler, dass wir zu lange in den Ausbau traditioneller Printgeschäfte und zu wenig in den digitalen Umbau investiert haben. Vielleicht haben wir auch das Portfoliomanagement nicht intensiv genug betrieben." Zwar sagt Rabe "vielleicht" und "wir", aber gemeint sind vermutlich andere Manager als er selber. Die wirtschaftliche Entwicklung von Bertelmann verlaufe "recht gut", was den Umsatz angeht. Die Umsatzmarge liege bei 10 Prozent. "Aber wir können uns von der wirtschaftlichen Entwicklung, vor allem in der Euro-Zone, leider nicht abkoppeln." Er müsse auf Risiken hinweisen.

Ob der Konzern den Vorjahresüberschuss von 621 Millionen Euro erreichen könne, sei nicht sicher. Klar sei, dass für den beschlossenen Umbau des Konzerns eine Eigenkapitalzufuhr in Milliardenhöhe von außen nötig sei.  

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige