Burda-CEO verkauft ToFo-Aktien für 1,78 Mio.

Publishing 2012 wird nicht als das Jahr in die Annalen eingehen, in dem die Tomorrow Focus AG an der Börse groß von sich Reden machte. Obwohl die Münchner zumindest beim Umsatz solide wachsen, ist die Aktie seit über einem Jahrzehnt in einer engen Trading-Range gefangen. Burda-Vorstand Paul-Bernhard Kallen machte dieses Jahr von den Medien weitgehend unbeachtet Kasse: Im Sommer verkaufte der ToFo-Aufsichtsratschef über seine Beteiligungsgesellschaften für knapp zwei Millionen Euro Aktien.

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Zu dem Warum des Anteils-Exodus‘ von Kallen, der seit 2004 auch Aufsichtsratschef der Tomorrow Focus ist, möchte man bei Hubert Burda Media offenbar nichts Erhellendes beitragen. Auf MEEDIA-Anfrage erklärte eine Sprecherin: "Zu privaten Anlageentscheidungen, wie Kauf oder Verkauf von Aktien, macht Dr. Kallen keine Aussage."
So bleibt nur der Blick auf den Gesamtzusammenhang: Knapp drei Wochen sind es noch, dann ist das Börsenjahr 2012 Geschichte. Schon jetzt ist klar, wo die Gewinner der deutschen Medienbranche sitzen: in München – und zwar in geballter Form. Sky und ProSiebenSat.1, das steht schon jetzt schon fest, haben ihre Aktionäre mit exorbitanten Kurszuwächsen verwöhnt. 
Nur im hippen Berg am Laim, wo die Tomorrow Focus seit dem Umzug 2010 nun residiert, dürfte die Freude etwas verkniffen ausfallen. Bei 3,37 Euro ins Jahr gestartet, notiert die ToFo-Aktie elfeinhalb Monate später nur um einen Zahlendreher besser. Bei 3,73 Euro liegt das Papier zwar immerhin 10 Prozent höher als am 1. Januar, doch der Vergleichsindex TecDax hat sich mit 21 Prozent doppelt so gut entwickelt.
Tomorrow Focus will in den TecDax

Vor allem jedoch dürfte es Deutschlands größten börsengelisteten Content-Provider  wurmen, dass er auch im 13. Jahr seines Börsenlistings immer noch ein Schattendasein an den deutschen Aktienmärkten führt. "Unser Ziel ist mittelfristig ein Aufstieg in den TecDax", bekräftigte Finanzvorstand Dirk Schmelzer unlängst noch einmal gegenüber der Börsenzeitung die eigenen Ambitionen.

Trotz eines Börsenwerts von knapp 200 Millionen Euro haben es die Münchner immer noch nicht in die Liga der 30 größten deutschen Tech-Werte geschafft – und das, obwohl inzwischen sechs Unternehmen aus dem TecDax – inklusive dem früheren Anlegerliebling Solarworld – weniger wert als sind als die Tomorrow Focus AG.

ToFo-Aktie wie gefangen

Mindestens ebenso frustrierend für die sendungsbewussten Münchner: Die Xing AG, die sich ToFo-Mehrheitseigner Burda einverleiben will, wurde vor dem Pflichtangebot an der Börse ähnlich bewertet wie die Tomorrow Focus AG. Allerdings ist das Hamburger Online-Business-Netzwerk im Gegensatz zu dem deutlich älteren  Münchner Internet-Pionier seit Jahren Dauergast im TecDax und erhält damit eine ungleich höhere mediale Beachtung.

Die ToFo-Aktie jedoch befindet sich seit Jahren wie gefangen in einer engen Trading-Range zwischen zwei und vier Euro. Im vergangenen Jahr sah es zumindest für einige Monate einmal so aus, als ob die ToFo nach oben ausbrechen brechen – der Ausflug über die 5-Euro-Marke markierte ein Mehrjahreshoch, das jedoch schnell wieder aufgegeben wurde. Seitdem verläuft das Chartbild für Aktionäre eher frustrierend.

Barcare und Famcare: Über Beteiligungsgesellschaften knapp zwei Millionen Euro erlöst

Ist das der Grund, warum Burda-Vorstand Paul-Bernhard Kallen dieses Jahr weitgehend unbeachtet einen erklecklichen Teil seiner ToFo-Aktien abstieß? Kallen, der 2009 Konzernpatriarch Hubert Burda im Vorstand des Traditionsverlags beerbte, bereits aber seit 2004 den Aufsichtsratsvorsitz der Tomorrow Focus AG bekleidet, veräußerte über seine Beteiligungsgesellschaften Barcare und Famcare GmbH 281.250 bzw. 200.000 Aktien, die jeweils 1,04 Millionen bzw. 740.000 Euro erlösten.

Das war, wie aus der Meldepflicht hervorgeht, am 18. Juli dieses Jahres zu einem Kurs von 3,70 Euro der Fall. Knapp zwei Monate zuvor hatte Kallen weitere 74.550 Euro mit Veräußerungen in seinem Namen erlöst. Nach Ausweis der Tomorrow Focus AG besitzt Kallen als Privatperson weiter 453.199 Aktien, die 0,95 Prozent am Unternehmen wert sind.
ToFo-Aktien im Wert von ein Prozent des Unternehmens verkauft

Das Aktienpaket, das Kallen über seine Beteiligungsgesellschaften Barcare und Famcare veräußerte, übersteigt in der Summe damit sogar die verbliebenen Bestände als Einzelaktionär. Bleibt die Frage, warum der langjährige Aufsichtsratschef und heutige Burda-Vorstand Positionen in diesem ungewöhnlich großen Umfang veräußerte?

Keine Frage: Diese sogenannten Insiderverkäufe sind an den Aktienmärkten Alltag, wie sie auch bei anderen börsengelisteten Konzernen gang und gäbe sind. Nur die Dimensionen werfen Fragen auf: Kallen veräußerte über seine eigenen Beteiligungsgesellschaften Barcare und Famcare immerhin ein Prozent des gesamten Unternehmenswertes?

An der Börse werden Insiderverkäufe nie gerne gesehen: Die ToFo-Aktie stürzte im Sommer nach Bekanntwerden des Exits am 20. Juli sofort um zehn Prozent ab – und hat das Halbjahreshoch, das wenige Tage zuvor bei 3,95 Euro erzielt wurde, seitdem nicht mehr gesehen. 

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