„Das Ernste“, die lahme „Switch“-Kopie

Fernsehen Digital first: Das Erste traut sich und stellte am Montag eine erste Version seiner geplanten Comedysendung "Das Ernste" zuerst in der hauseigenen Mediathek als Stream zur Verfügung. Lange wurde hinter den Kulissen am Konzept gewerkelt. Doch auf den ersten Blick hat man wenig Hoffnung auf ein neues Comedyformat aus der ARD. Der Teaser auf die Sendung wirkt wie ein halbgarer Abklatsch von “Switch reloaded”. Die Gags sind minder lustig, die Masken teilweise grauenhaft.

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So wird das nichts mit Comedy à la ARD: Bundeskanzlerin Angela Merkel leidet an Hamsterbacken, SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück wirkt aufgedunsen und Bundespräsident Joachim Gauck sah auch schon mal besser aus. Mit dem Persiflieren will es im Ersten auf Anhieb nicht klappen. Mit dem ersten längeren Teaser für “Das Ernste” zum sechzigjährigen Jubiläum der “Tagesschau” beweist das Erste zwar eine gute Portion Selbstironie. Über die mag man aber wohl eher auf der Jubiläumsfeier der "Tagesschau" lachen.

Während Jo Braun als Aufziehmännchen noch für einen anfänglichen Lacher sorgt, fühlt man sich die restliche Zeit höchstens wegen der unrealistischen Masken und schlecht sitzenden Fat Suits der Schauspieler mäßig unterhalten. Anstatt einen eigenen Ansatz für eine neue Comedyshow zu finden, nutzt der Sender lieber die Klaviatur von "Switch reloaded".

Nur: Das Comedy-Team von ProSieben bewältigt seine Aufgabe deutlich besser. Während man sich bei "Switch reloaded" oftmals fragt, ob da nicht doch die echten “Geissens” mitspielen und sich die Börsen-Expertin Anja Kohl da gerade selbst persifliert, präsentieren die Maskenbildner bei "Das Ernste" Figuren, die nur mit viel Fantasie an die Originale erinnern.
Wohl wissend fügte Das Erste dem Video folgenden Zeilen bei: “An der 30 Minuten langen ersten Folge wird derzeit noch gearbeitet. Wir wollen Ihnen aber bereits jetzt einen Einblick geben. Bitte beachten Sie: Hier handelt es sich um Ideen und Entwürfe. Noch ist nicht entschieden, welche Elemente wirklich am Ende in der fertigen Pilotfolge zu sehen sein werden.”

Und dennoch scheint man in Sachen Comedy keine Experimente wagen zu wollen, lässt der Teaser erahnen. Gedreht wird übrigens im "Tagesthemen"-Studio. Ex-"Tagesschau"-Sprecher Jo Brauner präsentiert zwei Nachrichtenblöcke mit kuriosen und lustigen Kurzmeldungen. Das Team um Anchorman Florian Schroeder und seine Kollegen Thomas Nicolai, Marti Fischer, Sara Kelly-Husain und Antonia von Romatowski nehme "das Fernsehen, Stars und Sternchen und vor allem Politiker" aufs Korn, hieß es bei einer ersten Bekanntmachung.

Der erste richtige Pilot soll am 20. Dezember nach dem satirischen Jahresrückblick von Dieter Nuhr um Mitternacht ausgestrahlt werden. Da dürfte die ARD mit dem vierminütigen Clip wohl mehr Zuschauer erreichen. Darüber hinaus dürfte Das Erste es schwer haben, mit diesem Ansatz gegen die erfolgreiche "heute-show" vom ZDF anzutreten, die nicht nur mit dem Deutschen Comedypreis und dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, sondern 2012 auch mit dem renommierten Hans-Joachim-Friedrichs-Preis prämiert wurde.

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