Bietet Bloomberg für die FT oder LinkedIn?

Es wäre der größte Übernahmecoup in der darbenden Medienbranche seit Jahren: Nach einem Bericht der New York Times könnte Bloomberg ein Gebot für die Financial Times abgeben. Aber ist der Deal, den Experten mit rund einer Milliarde Dollar beziffern, realistisch? Wohl nicht, denn der nicht börsennotierte Finanzdienstleister könnte nach Berichten aus Kreisen nach einem Aufsteiger aus den sozialen Medien greifen – LinkedIn. Dafür müsste Bloomberg aber für das Online-Business-Netzwerk einen exorbitanten Preis zahlen.

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Es wäre der größte Übernahmecoup in der darbenden Medienbranche seit Jahren: Nach einem Bericht der New York Times könnte Bloomberg ein Gebot für die Financial Times abgeben. Aber ist der Deal, den Experten mit rund einer Milliarde Dollar beziffern, realistisch? Wohl nicht, denn der nicht börsennotierte Finanzdienstleister könnte nach Berichten aus Kreisen nach einem Aufsteiger aus den sozialen Medien greifen – LinkedIn. Dafür müsste Bloomberg aber für das Online-Business-Netzwerk einen exorbitanten Preis zahlen. 
Für die Wirtschaftspresse wäre es ein Coup auf dem Niveau der Wall Street Journal-Übernahme durch Rupert Murdoch: Fünf Jahre ist es her, als der Medienmogul zuschlug und sich die renommierteste Wirtschaftszeitung der Welt samt Dow Jones Verlag einverleibte. Fünf Milliarden Dollar überwies Murdoch für seinen Lebenstraum – ein extrem teures Investment, wie man nach einem halben Jahrzehnt der anhaltenden Medienkrise weiß.
Auf entsprechend ermäßigtem Niveau könnte nun für eine andere absolute Traditionsadresse des internationalen Wirtschaftsjournalismus geboten werden. Wenn man Berichten der New York Times glauben darf, erwägt Bloomberg nun die Übernahme.  "Ich kaufe die Zeitung jeden Tag", outete  sich New Yorks Bürgermeister Bloomberg, dem das von ihm gegründete Medienimperium immer noch gehört, als großer Fan des britischen Traditionsblattes.
Vorbild Business Week: Bloomberg hat kein Problem mit Holzmedien
Aber tritt er auch als Käufer auf? Leisten könnte sich Bloomberg, dessen Privatvermögen auf 25 Milliarden Dollar geschätzt wird, die Übernahme problemlos: Expertenschätzungen taxieren den Wert der FT, die zum britischen Pearson Verlag gehört, auf etwa eine Milliarde Dollar. Die FT weist keine Bilanz aus, verliert aber nach Angaben der New York Times Geld.
Entsprechend stellt sich die Frage, ob sich die nicht börsengelistete Bloomberg LP, deren Marktwert selbst auf 35 Milliarden Dollar taxiert wird und das damit als profitabelstes Medienunternehmen der Welt gilt, milliardenschwer mit einer verlustreichen Marke der alten Medienwelt belasten möchte? 
Immerhin hatte Bloomberg bereits 2009 mit dem Kauf der Business Week bewiesen, dass der Finanzinformationsdienstleister, der durch seine Bloomberg Terminals groß geworden ist, vor Übernahmen von Holzmedien nicht zurückschreckt. Der Kaufpreis der angeschlagenen Business Week aus dem McGraw-Hill Verlag lag seinerzeit allerdings bei überschaubaren zwei bis fünf Millionen Dollar.
LinkedIn-Übernahme kaum bezahlbar
In ganz andere Dimensionen müsste Bloomberg greifen, wenn der Finanzinformationsanbieter eine andere Akquisition in Erwägung ziehen würde. Die New York Times berichtet ebenfalls von Gruppierungen im Unternehmen, die stattdessen auf die neuen Medien abzielen:  Es sei smarter, ein  Digitalunternehmen wie LinkedIn zu übernehmen, ist zu lesen.
Die würde Bloomberg allerdings extrem teuer zu stehen kommen: Nach einem weiteren starken Jahr an der Börse, in dem LinkedIn enorme 77 Prozent an Wert zulegte, ist das Online-Business-Netzwerk bereits 12 Milliarden Dollar schwer. Für Übernahmen von Erfolgsunternehmen werden an den Kapitalmärkten indes oft genug mit Premium-Aufschläge fällig – der Kaufpreis dürfte daher deutlich über 15 Milliarden Dollar liegen. 
"Oh, bitte, Bloomberg, Ihr könnt Euch LinkedIn gar nicht leisten", erteilt Henry Blodget vom Business Insider der Übernahme eine klare Absage. "Wollt Ihr allen Ernstes die Hälfte des Unternehmens für etwas verwetten, was ein zweites AOL / Time Warner werden könnte?" Ein guter Einwand: zwei von drei Übernahmen scheitern bekanntlich.

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