Tim Cook: „Vermisse Steve Jobs jeden Tag“

Apples PR in eigener Sache geht weiter – diesmal auf der CEO-Ebene. Vorstandschef Tim Cook lancierte gestern gleich eine zweifache Charme-Offensive. Zunächst ließ sich der 52-Jährige in fast epischer Breite in einer Interview-Strecke mit der Business Week über seinen Arbeitsalltag aus. Entlocken ließ sich Cook wenig, die stärkste Passage ist die Schilderung der Stabübergabe durch Steve Jobs. In der Nacht strahlte NBC zudem das erste TV-Interview mit Cook aus, in dem er iTV andeutet.

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Apples PR in eigener Sache geht weiter – diesmal auf der CEO-Ebene.  Vorstandschef Tim Cook lancierte gestern gleich eine zweifache Charme-Offensive. Zunächst ließ sich der 52-Jährige in fast epischer Breite in einer Interview-Strecke mit der Business Week über seinen Arbeitsalltag als CEO bei Apple aus. Entlocken ließ sich Cook wenig, die stärkste Passage ist die Schilderung der Stabübergabe durch Steve Jobs. In der Nacht strahlte NBC zudem das erste TV-Interview mit Cook aus, in dem der Apple-Chef iTV andeutet. 
Das Timing stimmt: Angeschlagen wie selten in den vergangenen Jahren, kann die Apple-Aktie in diesen Tagen jede Menge PR in eigener Sache gebrauchen. Wie am Schnürchen wurden in den vergangenen Tagen Pressemeldungen über den planmäßigen Rollout des iPhone 5 in 100 Ländern bis Ende Dezember und der Start von iTunes in 56 neuen Ländern bekannt gegeben – nun legte der wertvollste Konzern der Welt zum Jahresabschluss noch einmal auf persönlicher Ebene nach.
Tim Cook führt die Geschäfte bei Apple als Nachfolger des visionären Steve Jobs seit Ende August vergangenen Jahres. Zum ersten Jubiläum wurde ihm noch ein starker Amtsantritt bescheinigt, dann folgte die erste Krise: das Maps-Desaster und der überraschende Rausschmiss von zwei Top-Managern. Die Aktie ist seit Ende September stark unter Beschuss, Apple hat in zwei Monaten mehr als die Hälfte der Jahresgewinne wieder abgeben, erst zu Wochenbeginn brachen die Anteilsscheine in einem panikartigen Kurssturz so stark ein wie seit vier Jahren nicht mehr.
Tim Cook: „Ich führe ein denkbar einfaches Leben“
Doch der Eindruck täuscht: Die beiden Interviews, die Cook der Businessweek und NBC gewährte, waren seit Monaten in Planung. In fast epischer breite äußerte sich der 52-Jährige in seinem ersten exklusiven Print-Interview seit der Übernahme des CEO-Posten über sein Wirken beim wertvollsten Konzern der Welt. Er empfinde den CEO-Job als  „Privileg“, machte Cook mehrfach klar.
„Ich liebe Apple. Ich habe hier die Zeit meines Lebens. Apple ist ein Juwel. Ich finde, es ist das unglaublichste Unternehmen der Welt. Ich will alles, was ich habe, daran setzen, dass Apple das höchste Potenzial ausschöpfen kann“, zeigt sich Cook von seiner leidenschaftlichsten Seite. Ansonsten übt sich der passionierte Marathonläufer in Understatement. „Ich führe ein denkbar einfaches Leben.“ Und: „Ich mag es nicht, über mich zu reden. Ich vermeide es, so gut es geht“, gibt Cook zu.
„Leben ist zu kurz, um mit Leuten zusammenzuarbeiten, die man nicht mag“
Über die Entwicklung des vergangenen Jahres hat Cook ungleich mehr zu sagen: „Welches Unternehmen der Welt gibt es, dass 80 Prozent der Umsätze mit Produkten einfährt, die in den letzten 60 Tagen vorgestellt wurden?“ fragte Cook nicht ohne Stolz, um sich die Antwort zu geben. „Kein Konzern hätte das geschafft, was wir geschafft haben.“
Auf dem Weg dahin, lief bekanntermaßen nicht alles richtig: „Wir haben es versaut“, gibt Cook in Bezug auf das Maps-Debakel zu und betont gleichzeitig, man arbeite hart an Verbesserungen. Das allerdings ohne den verantwortlichen iOS-Chef Scott Forstall, den Cook Ende Oktober entließ.  Die Gründe dafür verpackt der Apple-CEO diplomatisch: „Wir brauchen eine 1A-Zusammenarbeit bei Apple.“ Entschlüsselt: Forstall war kein Teamplayer.
An anderer Stelle wird Cook noch deutlicher, ohne Forstall beim Namen zu nennen: „Wissen Sie was? Ich möchte nicht mit Leuten arbeiten, die ich nicht mag. Dafür ist das Leben zu kurz.“ Zack. In Präsidentschaftsdebatten nennt man das „Zinger“, eine Pointe, die hängen bleibt.
Vorstandswechsel im Sommer 2011 unter anderen Vorzeichen
Was indes vor allem inhaltlich vom großen Cook-Interview hängen bleibt, sind die Passagen, in denen der neue Apple-Chef über seinen langjährigen Mentor und den Moment spricht, in dem Jobs seine Nachfolge regelt. „Steve rief mich am Wochenende an und sagte: ‚Ich würde gerne mit Dir reden.'“ Das war im Sommer 2011. Es ging um die Nachfolge als CEO von Apple.
„Ich möchte dass es einen professionellen Managementwechsel gibt“, erklärte Jobs. „Das hatte es bei Apple noch nie gegeben, der letzte Vorstandschef wurde immer gefeuert, und dann kommt der Nachfolger von außen. Ich werde dem Vorstand vorschlagen, dass Du CEO wirst und ich Aufsichtsratschef“, erinnert sich Cook.
Jobs’ letzter Ratschlag: „Frag dich nie, was ich gemacht hätte. Tue einfach das Richtige“
„Wir hatten schon öfter darüber, es war nicht das erste Mal, dass ich von dieser Möglichkeit gehört hatte. Im Sommer sprachen wir wieder darüber, allerdings zu einem Zeitpunkt, als ich den Eindruck hatte, dass es  Steve besser ging, und ich denke, dass er auch diesen Eindruck hatte.“
In anderen Worten: Jobs trat Ende August in der Absicht ab, noch lange als Aufsichtsratschef zu wirken. „Ich denke, dass Steve davon überzeugt war, noch eine lange, lange Zeit so zu arbeiten.“ Sechs Wochen später verstarb der Apple-Gründer. Kurz vorher gab er Cook die inzwischen berühmte Weisung mit auf den Weg: „Frag dich nie, was ich gemacht hätte. Tue einfach das Richtige.“
„Jobs hat mir eine Bürde abgenommen“
Diese Eindrücke wiederholte Cook bei NBC („Rock Center„). „Er hat mir damit eine große Bürde abgenommen“, bestätigt Cook noch einmal im Interview mit Anchor Brian Williams, das im Apple Store im New Yorker Grand Central-Bahnhof entstanden ist. „Es war die traurigste Zeit meines Lebens.“
Gleichzeitig macht der neue Apple-CEO auch bei NBC klar, wie konzentriert er darauf ist, den wertvollsten Konzern der Welt auf Kurs zu halten. „Ich würde nicht gegen uns wetten“, erklärt Cook aufgeräumt und ziemlich selbstbewusst. „Wir sind laserscharf fokussiert“.
„Wir haben ein großes Interesse am Fernsehmarkt“
Dass dabei in Zukunft durchaus ein neues „One more Thing“ in den Fokus rücken könnte, deutet Cook erstaunlich bereitwillig an. „Wir haben ein großes Interesse am Fernsehmarkt“, macht Cook deutlich. „Wir finden, dieser Markt wurde lange im Stich gelassen.“ Ähnlich hatte sich Jobs auch über die Mobilfunkindustrie geäußert, bevor das iPhone auf dem Markt kam.
Zuguterletzt punktete Cook noch mit einer frohen Kunden für den hiesigen Arbeitsmarkt: 2013 soll ein Teil iMac-Produktion in die USA zurückverlagert werden. Man kann dem Vorstandschef des wertvollsten Konzerns der Welt am Ende seines ersten Kalenderjahres im Amt eines wirklich nicht vorhalten: an seinem und an dem Profil des Unternehmens gearbeitet zu haben.

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