„Totschweigen ist der falsche Weg“

Fernsehen Im zweiten Teil des Interviews mit Christopher Lesko spricht Micky Beisenherz über Aspekte seiner Rollen vor und hinter der Kamera, über verkratzte Böden des Goldenen Handwerks und das Riesenherz seiner Frau. Beisenherz erzählt von Dirk Bach und dem möglichen Umgang mit dem großen Verlust in der neuen Staffel des “Dschungelcamps“. “Unausgesprochenes, dass auf der Hängebrücke steht“, könne verbalisiert werden. “Pathos“, so Beisenherz, “können die sich gerne für “Bauer sucht Frau“ aufheben“.

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Du hast  ja für ZDFneo die Reihe “German Angst“ gestaltet. Kennst Du selbst Angst? Wovor?
Selbstverständlich. Die typischen Ängste als Freiberufler etwa. Na ja, vielleicht ist dies eher eine gewisse Grundskepsis: Wenn ich wie 2012 ein gutes Jahr hatte, bin ich doch sehr skeptisch, ob es im nächsten Jahr genauso wird. Als es in diesem Sommer diesen Hauch von “jetzt geht es aber mal richtig ab“ hatte, war ich grundsätzlich schon sehr skeptisch, ob es so bleibt. Ich lasse mich von solchen sich andeutenden Entwicklungen nicht so blenden, dass ich denke, alles ginge jetzt durch die Decke. Ich habe schon eine gewisse Grund-Skepsis.
Skepsis ist vielleicht aus Erfahrungen geborene Haltung. Oder auch eine mögliche Konsequenz von Angst. Aber sie ist keine Angst. Heißt also Deine Antwort auf meine Frage nach Angst: nein?
Ja: Angst im engeren Sinn kenne ich weniger. Auch nicht vor Tod, Krankheit oder dem Weltuntergang. Wenn ich weiß, was meine Frau alles an Möbelkäufen fürs nächste Jahr plant, wäre es am 21.12. sogar ganz gut, wenn der Untergang käme. Da wäre mir zumindest die Angst genommen, das alles bezahlen zu müssen. Also, es gibt sehr wohl den Wunsch, dass das Gute in meinem Leben bitte so bleiben möge. Angst im Sinne Deiner Frage gibt es nicht.
Wie gehst Du denn mit Kritik von Journalisten um? Hoff etwa hat Dich ja einerseits in einem koketten Hormonschub als “umschwärmtesten Witzeschreiber“ und einen “höchst ansehnlichen 35-Jährigen“ bezeichnet, andererseits jedoch direkt und auch ein wenig halbgar kritisiert.
Ja, Quintessenz: Toller Autor, beschissener Moderator. Ich finde, er hat Unrecht: Ich bin als Autor nicht so gut und als Moderator nicht so schlecht. Wohlwollend wie ich bin, unterstelle ich ihm, dass er mich für einen Knaller-Typen hält und sich einfach wünscht, ich könne mich als Moderator viel mehr austoben, weil ich als Autor ja zu Höchstleistungen im Stande bin. Also: Ich lese das, und die meisten Kritiken bekomme ich natürlich mit. Selbst meine Mutter, die kürzlich das Internet für sich entdeckt hat, konfrontiert mich plötzlich mit allen möglichen Kritiken. Für mich sind Kritiken immer auch Fremdwahrnehmungen, die weiterhelfen können. Lanz wird sicher auch im Strahl gekotzt haben, als er begriff, dass seine wahre Herausforderung erst mit den Kritiken am Sonntag nach der Sendung begann. Und: Auch Kritiker haben ein Geltungsbedürfnis und hauen einen raus. Und manche versuchen eben auch, schneller zu ziehen und kunstfertiger zu schießen als andere, und das respektiere ich ja auch. Und, wenn ein Trottel von der lokalen Zeitung Dich verreißt und Du merkst, der findet Dich einfach Scheiße, ist das auch legitim: Wenn ich mich nicht kennen würde, würde ich mich vielleicht auch einfach Scheiße finden. Hundertprozentig zu Herzen nehmen muss man sich das nicht. Und glauben muss man auch nicht alles.

Du hast ja den Komfort Deiner Autoren-Rolle der zweiten Reihe an einigen Stellen um die Moderatoren-Rolle vor die Kamera erweitert: Diese zweite Rolle fordert andere Fähigkeiten, bietet gleichzeitig Chancen und Spannungsfelder. Welche?
Der erste Unterschied besteht darin, dass Du vor der Kamera viel mehr aus der Reserve kommen musst. Du musst selbst die innere Hürde überwinden, Dich da hinzustellen und es zu machen. Du stehst viel mehr im Fokus. Da können wir ruhig ganz offen von Versagens-Ängsten sprechen, um das beim Namen zu nennen: Wenn Du da rausgehst, ist das letzte, was Du willst, herum zu stammeln, nervös oder aufgeregt zu sein. Das gelingt je nach Format und Situation mal besser und mal schlechter. Unterm Strich geht es zunächst darum, überhaupt erst mal ein Wort heraus zu bekommen. Du stehst da und denkst: Scheiße, jetzt geht gleich die Kamera an, und Du bekommst vielleicht kein Wort heraus. Das passiert dann zwar nicht – besonders dann, wenn im Laufe der Zeit Routine wächst, aber das hilft Dir vorher innerlich ja nicht.
Wenn Du etwa als Autor in Meetings sitzt, hast Du das auch: Du willst, dass Dir gute Sachen einfallen, und die Möglichkeit, da abzuscheißen, existiert dort genauso. Nur: Das bekommen dann vielleicht nicht so viele Leute mit. Letztendlich ist es immer die Schaffung von Lockerheit und kreativen Räumen in einer auch angespannten Situation. Das kennst Du doch selber auch in Deinem primären Feld: Es ist  ja letzte Endes egal, ob Du vor ein paar Vorständen redest oder in einem Fernsehstudio stehst. Das wäre mir genauso unangenehm, vielleicht sogar noch unangenehmer. Vielleicht ist es sogar leichter, wenn die Masse der Menschen, vor denen Du sprichst, amorpher ist. Bei mir ist es insgesamt so: Je freier ich agieren kann, desto mehr liegt mir das.
Kennst Du Krisen?
Große Krisen nicht. Als ich erkannte, dass es das Studium nicht ist und überlegte, was ich machen soll, gab es temporär Ratlosigkeit, eine Krise würde ich das nicht nennen.
Und, wenn Du Dir eine bauen könntest, was müsste drin sein?
Auf eins: Gesundheit. Platz zwei: Amouröse Elemente. Platz drei: berufliche Krisen-Zutaten.
Die ernste Krise, die ganze Kohle, die Du verdienst, auch ausgeben zu können, blieb unerwähnt.
Na, wer schon einmal versucht hat, in Hamburg eine bezahlbare Wohnung zu finden, wird diese Art von Krise nie kennen lernen. Da weiß man dann, wohin mit dem Geld.
Mit welchen Worten genau erklärst Du Deiner Omma denn, was Du beruflich tust? Etwa Sprüche zu schreiben für Moderatoren, die Kakerlaken-Mahlzeiten im Dschungel kommentieren?
Meine Omma ist mit 87 extrem fit. Der muss ich das gar nicht erklären, die weiß das. Die weiß auch, was ich in Moderationsrollen mache. Die versteht das alles, liest alle Zeitschriften und haut mir eine runter, wenn ich vergessen habe, ihr zusagen, wann ich wo zu sehen bin. Wenn ich mal länger nicht zu sehen bin, kommt eine Frage sicher: “Junge, hast Du denn überhaupt noch Arbeit?“ Das ist ihre größte Sorge.
Betrachtet man den Ruhrpott, etwa Bochum, hat die Region ja lange schon sehr mit dem Verlust wirtschaftlicher Attraktivität zu kämpfen…
Na, optische Attraktivität kann die Stadt auch nicht verlieren.
Wie kommentierst Du denn innerlich den Prozess dieser Veränderung Deiner Heimat?
Ich komme ja aus Castrop-Rauxel. Da haben die Zechen ja schon dicht gemacht, als ich gerade mal geboren wurde. Diesen wirtschaftlichen Abschwung bekomme ich selbst als Person natürlich nicht so extrem zu spüren. Ich sehe, dass immer mehr 1-Euro-Shops in die Läden kommen, da stellt man sich schon die Frage, wo de Reise hingeht. Sehe ich mir den Handwerksbetrieb meiner Eltern an, stelle ich fest, dass Du als Mittelständler buchstäblich von allen Seiten durchgevögelt wirst. Egal, ob große Bauträger Dir noch 80.000, 100.000 Euro schulden, mal eben in die Pleite kacheln und unter anderem Namen zwei Wochen später wieder aufmachen. Oder auch Zulieferer Dir noch Geld schulden und nicht bezahlen können. Du musst dann sehen, wo Du bleibst. Am ehesten also stelle ich das bei meinem Bruder und bei meinen Eltern fest: Der Boden des Handwerks ist schon lange nicht mehr golden, sondern eher verkratzt. Da merke ich dann immer wieder, wie angenehm das ist, was ich beruflich mache. Bei allen manchmal schwierigen, auch geschmäcklerischen Aspekten: Ist meine Arbeit gemacht, werde ich bezahlt, und der Auftraggeber schielt nicht darauf, im Nachhinein noch Prozente herunter zu handeln.
Du hast vor nicht langer Zeit geheiratet: Wozu?
(Lachend) Ich habe ja im letzten Jahr gefragt. Das muss wohl die romantische Stimmung in der Toskana gewesen sein. Im Ernst: Ich habe es für richtig gehalten, mit der Frau, die ich heiß und innig liebe, auch verheiratet zu sein. Ich kann es nur jedem empfehlen. Wat is?
Ich lächele, weil mir exakt denselben Satz Max Giermann mir letzte Woche gesagt hat: Ich kann es nur jedem empfehlen.
Das stimmt auch. Aber nur, wenn man mit Frauen verheiratet ist, wie Max Giermann oder ich es sind.
Aber: es ist schon nicht dieselbe Frau, mit der ihr verheiratet seid?
Ich glaube nicht.
Was liebst Du denn an Deiner Frau?
Abgesehen davon, dass sie hervorragend aussieht, ist sie ein Riesen-Typ: Sie ist sehr lustig, hat eine sehr gute Urteilsfähigkeit, was andere Menschen – auch mich – angeht, und sie hat ein Riesen-Herz. Sie hat eine große soziale Kompetenz, und ist neben meinem besten Freund die Person, mit der ich am meisten Spaß habe. Ein ziemlich cleverer Coup: ich habe meinen besten Freund durch jemanden ersetzt, der auch noch hervorragende primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale hat.
Glückwunsch. Klingt, als hättest Du es gut getroffen.
Sehr, sehr gut. Was natürlich nur fair ist, weil ich ja selbst ein Riesen-Typ bin.
Nun ist der Tod von Dirk Bach fast zwei Monate her, und vielleicht ist ein wenig Distanz möglich geworden. Ich will Dich fragen, was er Dir, Sonja Zietlow und Jens Oliver Haas bedeutet hat.
Mir hat er viel bedeutet. Dickie hat die Stimmung des Camps durch seine fröhlich, professionelle Art sehr geprägt. Wenn Du zwanzig Nachtschichten am Stück machst und 12,14 oder 18 Stunden funktionieren musst, dann profitierst Du natürlich wahnsinnig davon, dass da nachts um ein Uhr plötzlich ein warmherziger, herzlicher, extrem gut gelaunter Typ auftaucht, der sich auch noch darüber freut, was Du geschrieben hast und Dir einfach gute Laune macht. Es ist ja nicht nur Dirk allein gewesen, sein Mann Thomas oder sein Manager Holzi gehörten ja auch zu seiner Clique, die immer auftauchte. Das hat einfach einen Riesenspaß gemacht. Sonja ist natürlich auch gut gelaunt, aber Dickie hatte schon eine besondere Strahlkraft und ein besonderes Sendungsbewusstsein. Es ist ein Elend, dass er nicht mehr dabei ist. Zumal er dem Format ja nicht nur optisch, sondern auch durch seine Professionalität als Schauspieler besondere Würze gegeben hat. Niemand anders konnte das in seiner Art! Ihn 1:1 ersetzen zu wollen, wäre überhaupt nicht möglich.
Diese Idee wäre nicht nur außerordentlich dumm, sondern auch lebensfern.
Genau. Übrigens eine beispiellose Respektlosigkeit bestimmter Medienseiten, im Zuge des Bedauerns über seinen Tod schnell mal die ersten fünf, sechs Fummel-Trinen als Nachfolger zu nennen, die einem so einfallen. Als würde jemand, der sich mal eben schrill anzieht oder im Travestie-Bereich tätig ist, ihn ersetzen können.
Du bist ja auch genannt worden.
Das stimmt, wobei ich weder die Fummel-Trine noch der Transvestit bin.
Ich hielt das für unmöglich: Die Aufgabe selbst ist eine phantastische Chance, aber ich konnte nie glauben, dass RTL sich unter diesen hochsensiblen Bedingungen in einem eingeschwungenen Hochleistungs-Team selbst ein fettes Loch an der zentralen Autorenstelle reißt.
Ich habe das übrigens auch für unmöglich gehalten. Für jeden Moderator, der sich nicht nur dafür hält, sondern es auch ist, für jeden, der Spaß an Wortspielen und kleinen Boshaftigkeiten hat, ist der Dschungel ein sensationelles Format. Ob das allerdings auch jeder zu leisten im Stande ist in dieser besonderen Live-Situation, ist eine noch einmal ganz andere Frage.
Das  nächste Dschungelcamp ist sicher für alle keine leichte Staffel. Man kann sich gar nicht dagegen wehren, in vielen Details der Zusammenarbeit an Dirk Bach und den Verlust erinnert zu werden. Das ist ebenso richtig und gut wie schwierig, weil man es weder ignorieren, noch zum bestimmenden Grundgefühl machen kann. Hast Du einige Wochen vor dem Start eine Haltung dazu?
Im privaten Bereich und auch beruflich habe ich immer die Erfahrung gemacht, wenn Dinge so unausgesprochen im Raum stehen, muss man sie kommunizieren: In der letzten der vorletzten Staffel gab es ja diese Flut. Da haben sich manche die Frage gestellt, ob man da eine lustige Sendung machen könne, wenn ein paar Kilometer weiter Menschen um ihr Leben kämpfen und diese Situation vielen den Boden unter den Füßen wegzieht. Damals haben wir das in der Sendung zum Thema gemacht.
Von meinem aktuellen Grundgefühl könnte ich mir das diesmal auch vorstellen: Mein Empfinden wäre auch in der nächsten Staffel, dass Unausgesprochenes, das im Raum steht – oder besser: auf der Hängebrücke steht – auch thematisiert wird. Ich glaube, niemand von uns neigt zu übertriebenem Pathos. Insofern werden wir sicher keine Kerze anzünden, aber ich könnte mir schon gut vorstellen, dass wir Dickie und seinen Geist, der da irgendwo rumschwebt, auch verbalisieren werden. Je nach dem, wie die da im Camp so vor sich hin marodieren, sehe ich Sonja manchmal schon augenzwinkernd gen Himmel blicken und sagen: “Sei froh, dass Du das nicht mehr mitbekommen musst!“ Totschweigen ist auf jeden Fall der falsche Weg und Pathos können die sich gerne für “Bauer sucht Frau“ aufheben. Wie Du schon sagst: Man wird es nicht ignorieren können, und warum sollte man das auch? Also, ich fände es gut, und ich glaube, es wird so kommen. Oli, mit dem ich als Autor zusammen arbeite hat ja ein großes Talent, derartige Themen in Worte zu fassen, er ist dafür genau der Richtige. Da wird uns schon das Richtige einfallen.
Mir liegt sehr nahe, wie Du darüber sprichst. Ich werde vor dem Schirm sitzen und lächeln, wenn es soweit ist. Daniel Hartwich ist ein guter Typ. Ihr werdet es ihm leicht machen, oder? Es gibt ja durchaus leichtere Einstiegsszenarien als seines.
Weiß Gott! Das ist ein Format, welches sehr durch die Personen von Sonja und Dirk geprägt war, und Du bist nach diesem traurigen Umstand nun der, der die Lücke füllen muss.  Gefühlt sind da – überspitzt formuliert – sicher viele Artikel im Grunde schon geschrieben.
Ich hoffe nicht.
In der Regel gibt es zwei Grundvarianten: Entweder man findet, Daniel macht das doch sehr, sehr gut, oder die Tendenz geht in die Richtung: Oh, nun merken wir erst, wie sehr Dirk Bach uns fehlt – jetzt, wo der andere da steht. Ich würde mir von Journalisten, Kritikern und Beobachtern wünschen, dass sie objektiv betrachten und beurteilen. Daniel hat ja niemanden weggebissen, um an den Job zu kommen. Ich selbst traue ihm das zu: Er ist schnell, witzig, und ich finde ihn in den Formaten, die er bislang macht, tendenziell eher ein wenig unterfordert. Er ist ein guter Typ, und ich bin davon fest überzeugt, dass er das gut hinbekommt. Ich gehörte übrigens auch zu denen, die sofort gesagt haben, Mensch lass ihn das doch machen: Daniel war schon da unten, kennt die Gegebenheiten und weite Teile des Teams. Er hatte ja damals dieses Wochenend-Magazin moderiert. Du wirst im gesamten Team niemanden finden, der irgendwie schlecht über ihn spricht, die hatten eine super Zeit da zusammen. Er kommt ja auch vom Radio und hat gelernt, in kurzer Zeit sehr schnell auf alles Mögliche zu reagieren. Ich finde, er ist die beste Wahl dafür.
Wenn in Ehen einer von beiden stirbt, und der andere findet später irgendwann einen neuen Partner, wäre es außerordentlich dumm, beide permanent miteinander zu vergleichen. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass vernünftige Journalisten dies tun.
Ein guter Vergleich, absolut. Ich würde mir Fairness sehr wünschen.
Man kann ja kaum verhindern, in Situationen wie diesen über einige Fragen nachzudenken: Den eigenen Tod irgendwann, oder etwa, ob man das eigene Leben so gestaltet, dass die wirklich wichtigen Aspekte genügend Raum erhalten oder eher wie ein Hamster im Laufrad weiger Wichtigem folgt. Hattest Du solche Gedanken?
Für diese Gedanken muss niemand aus meinem näheren Umfeld sterben. Natürlich habe ich auch ein paar Themen, die ein wenig schlummern und bislang nicht verwirklicht sind: Das eine oder andere, was noch geschrieben werden müsste, durchaus auch im ernsteren Bereich. Da denke ich allerdings eher in Autoren- als in Moderatoren-Dimensionen. Wenn wir uns etwa eine Serie anschauen, wie “Extras“ von dem großartigen Ricky Gervais, den ich wirklich sehr, sehr liebe, und wenn ich dann sehe, dass ausgerechnet das ZDF eine Sitcom plant mit Sascha Hehn, der sich selber hochnimmt, dann denke ich: Scheiße, da hättest Du aber gerne mitgemacht! Wenn man mal die Idee hatte, so etwas zu machen und schon im Frühstadium derartige Themen auf dem Zettel hatte, hieß es oft: So etwas kannst Du in Deutschland nicht machen. Das ging anderen Autoren übrigens ähnlich. Monate später siehst Du, dass das ZDF so ein Thema angeht. Das sind schon Themen, die repräsentieren, warum ich überhaupt Autor geworden bin, und ich leide als Autor ja nicht gerade an Verstopfung.

Mit Jens Oliver Haas habe ich ja gesprochen. Sag‘ etwas zur Eurer Zusammenarbeit im Dschungel.
Oli  ist ja der der erste Autor, und wir beide sind  permanent im Dialog, auch über den Arbeitstag hinaus. Wir sind ein gutes Duo. Für einen Autor allein wäre der Dschungel über diese Strecke gar nicht zu leisten. Der Vorteil ist, dass da zwei Jungs sitzen, die den Input, der von unten aus dem Camp kommt, so nutzen, dass sie immer wieder die Flipper-Kugel da reinwerfen: Und am Ende kommt doch eine ganze Menge dabei raus. Das Camp beherrscht natürlich die Themen unserer Gespräche. Wir sind sehr dankbar, wenn wir einen guten Cast von Kandidaten da sitzen haben, die im besten Fall auch noch eine etwas längere Vita haben, als die von Rocco Stark und Kim Debkowski. Das liefert zusätzlichen Stoff. Insgesamt ist es so: Je mehr die da unten machen, desto mehr können wir darüber reden und schreiben.
Oli kenne ich nun auch schon länger, das mit uns beiden ist eine wunderbare Kombination. Das hat ein wenig von Felix Unger und Oscar Madison. Wobei er natürlich ganz klar Felix Unger ist. Oli ist ja nun richtig Klassenbester und tendenziell ein Streber. Ich bin da mehr der versoffene, beste Kumpel, der mal mit dem Sixpack vorbeikommt. Diese Kombination funktioniert gut: Oli ist derjenige, der das Heft in der Hand hält, und ich bin der, der dazwischen grätscht. Oli ist ein sehr guter Strukturdenker und hat einen sehr feinen Humor. Manchmal gelingen mir auch die etwas feineren Aspekte, aber ich habe auch kein Problem damit, für den Säbel zu stehen. Ich freue mich sehr, dass er mich damals gefragt hat, ob ich nicht dabei sein möchte, und ich glaube, er hat es nicht bereut.
Welche Träume hast Du für Dich und dein Leben?
Ach, es kann grundsätzlich bleiben, wie es ist. Ich würde gerne vor und hinter der Kamera weiter arbeiten: Wenn ich vor der Kamera die Möglichkeit fände, mehr meine Improvisationsgabe auszuleben, wäre ich der letzte, der sich dagegen wehrt. Und als Autor gibt es ein paar Themen, die im Oberstübchen herumschwirren: Das kann gerne auch mal eine Serie oder etwas Ernsthaftes sein. Privat: Eine glückliche Ehe und irgendwann Nachwuchs. Und, dass mir die Menschen, die mir wichtig sind, erhalten bleiben und wir genügend Zeit miteinander finden. Klingt beschieden, ist aber ein großes Ding.
Nachwuchs: Kümmerst Du Dich denn diesbezüglich verantwortlich um die erforderlichen, lästigen Produktionsprozesse? Ohne diesem Gespräch am Ende eine unangemessen erotische Note zu geben: Es gibt da ja, so hört man immer wieder, gewisse Steuerungselemente.
Sagen wir es so: Die Grundvoraussetzungen dafür sind geschaffen. Das Interesse ist da, und der Zeitpunkt ist kein schlechter. Nun muss man sehen, was passiert. Allerdings, wenn ich mich in meinem engeren Freundes- und Bekanntenkreis so umsehe, stelle ich schon fest, dass es gar nicht so eine Selbstverständlichkeit ist, sich zu multiplizieren. Wenn man das hört, wird man sehr schnell irgendwann auch demütig.
Micky, herzlichen Dank für das Gespräch!

Teil 1 des MEEDIA-Interviews mit Micky Beisenherz finden Sie hier.
Mehr über den Autor: www.leadership-academy.de

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