Solidaritätswelle für Frankfurter Rundschau

Publishing Wirtschaftlich haben es weder die Redaktion noch das Management der Frankfurter Rundschau geschafft, für die Tageszeitung ein tragfähiges Konzept zu entwickeln. Seit vielen Jahren arbeitet das Blatt tief in den roten Zahlen. Anderseits scheinen die Leser ihre Rundschau zu lieben. Zumindest schwimmt die Redaktion seit dem Insolvenzantrag des Verlages auf einer großen Welle der Unterstützung. So wurden bereits 1700 Solidaritäts-Abonnements für die Print-Ausgabe abgeschlossen.

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iPad-App-Werbung macht moralisch Druck

Die drohende Einstellung des Traditionsblattes scheint tatsächlich bislang verschüttete Konsumentenkräfte freizusetzen. So konnten nicht nur die Print-Abos gesteigert werden, sondern auch die der iPad-App. Allerdings baut die Applikation auch schon einen gewissen moralischen Druck bei potenziellen Abonnenten auf. So heißt es in der App-Werbung: „Zeigen Sie sich solidarisch und tragen Sie zum Erhalt der FR bei. Die FR dankt herzlich für Ihre Unterstützung!“ Anstatt "Bezahlen" oder "Bestellen" steht auf dem Order-Button mittlerweile „Hier Solidarität zeigen“.

Selbst der Einzelverkauf profitiert von der drohenden Schließung. So berichtet der Insolvenzverwalter Frank Schmitt im Interview mit der Rundschau, dass seit dem Gang zum Amtsgericht „die Verkaufszahlen kräftig gestiegen sind“.

Die Unterstützung der Leser ist für Schmitt natürlich ein gefundenes Argument für einen potenziellen Investor. So ist seine Reaktion auf die Solidaritätsabos auch wenig überraschend, wenn er sagt, dass er „beeindruckt“ sei, „wie stark die Zeitung in Hessen und in ihrer bundesweiten Leserschaft verwurzelt ist. Eine Zeitung, die eine so treue Klientel hat, lohnt jeden Kampf für ihren Erhalt“.

Für die Journalisten ist die Unterstützung der Leser der reinste Balsam auf den geschundenen Redakteurs-Seelen. So schreibt Claus-Jürgen Göpfert in einem FR-Text über die Solidaritätswelle recht pathetisch: „Eine ganze Stadt kämpft für das Weiterbestehen ihrer Zeitung“.

Der Samstagsausgabe lag diese Beilage der FR bei

Für den Samstag hatte die Redaktion eine 36-seitige Beilage „FRreunde“ produziert. In ihr sagte die Zeitung „Danke!“ für den Beistand der „Leser und Geschäftsfreunde“. Die Beilage ist bestückt mit Unterstützer-Anzeigen. Ob Autohaus oder Flughafen Frankfurt: Die regionale Wirtschaft macht sich – zumindest in der Sonderausgabe – für die Frankfurter Rundschau stark.

Während die Redaktion kämpft und hofft, dass es weitergeht, verhandelt der Insolvenzverwalter offenbar mit „interessierten Unternehmen“. Offiziell zeigt er sich „sehr zuversichtlich“, eine Lösung für die Zeitung zu finden. Wie diese allerdings aussehen könnte, ist noch unklar. Schon heute deutet Schmitt allerdings an, dass der Internet-Auftritt der FR schon bald mit einer Bezahlschranke gesichert sein könnte.

Im Vergleich zu anderen Online-Portalen, die bereits einen Paywall eingeführt haben, wie Abendblatt.de oder die die Einführung planen, wie Welt.de, hat FR-Online.de den Nachteil, dass die Gruppe der regelmäßigen Leser, gerade für eine immer überregionale Marke, noch immer recht klein ist.

In dem Interview, das die FR mit ihren eigenen Insolvenzverwalter führte, deutet Schmitt zudem an, dass es auch die Möglichkeit gäbe, die Tageszeitung als Online-Only-Angebot weiterzuführen. Gerade die Unterstützungswelle der Print-Leser zeigt jedoch, dass dieser Schritt bei der Kernzielgruppe wahrscheinlich auf wenig Gegenliebe stoßen würde. Schnell würde dann wohl aus dem Candy- ein echter Shitstorm.

Nachtrag:
Wie FR-Chefredakteur
Arnd Festerling gegenüber MEEDIA erzählt, erhöhte sich die Zahl der Solidaritätsabos auf bereits 1.900.

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