Spiegel-Umsatz sinkt auf Niveau von 2003

Publishing Wenig Euphorisches von der Ericusspitze: Spiegel-Geschäftsführer Ove Saffe hat der SZ und dem Mediendienst Horizont maue Zahlen des laufenden Geschäftsjahres verraten: Danach sinkt der Umsatz gegenüber Vorjahr um fast sechs Prozent auf 307 Mio. Euro, auch die Rendite habe deutlich nachgegeben - laut Horizont und von Saffe unwidersprochen beträgt diese 15 statt wie 2011 rund 20 Prozent. Top-Umsatzbringer ist der Spiegel mit zwei Dritteln, gefolgt von Spiegel TV, Spiegel Online und manager magazin.

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Konsequenz aus den mäßigen Zahlen: Der Spiegel-Chef drängt auf Kostensenkung und kündigt Sparmaßnahmen über die gesamte Gruppe an. Bereits am Dienstag war bekannt geworden, dass Spiegel TV 40 Planstellen einsparen muss – möglicherweise kommt es bei der Fernsehtochter auch zu betriebsbedingten Kündigungen.
Aber auch der Spiegel und Spiegel Online werden wohl Spar-Hausaufgaben für 2013 aufgetragen bekommen. In beiden Bereichen, so die Informationen von MEEDIA, sind die Budgetpläne im laufenden Jahr überschritten worden. "Die Kosten", so Saffe vieldeutig gegenüber Horizont, "entwickeln sich nicht parallel zu den Erlösen. Deshalb müssen wir gegensteuern und unsere Kostenstruktur so gestalten, dass wir weiterhin in der Lage sind, auch bei rückläufigen Umsätzen ein Ergebnis zu erzielen, das unsere Zukunftsfähigkeit, unsere wirtschaftliche Unabhängigkeit und somit unsere publizistische Unabhängigkeit sicherstellt." Dabei schließt Saffe, der seinen Vertrag nach MEEDIA-Informationen gerade um weitere fünf Jahre verlängert bekam, auch einen Stellenabbau nicht aus. Derzeit sind rund 1250 Mitarbeiter bei der Spiegel-Gruppe beschäftigt.
Auch die Süddeutsche Zeitung berichtet vom Umsatzrückgang. Allerdings sei dies für Saffe kein Grund, grundsätzliche Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Spiegel zu hegen. "Der Journalismus ist nicht in der Krise, sondern hat Chancen wie nie zuvor", zitiert ihn die SZ. Der Sparkurs dürfe dabei auch nicht auf Kosten der Qualität gehen soll. Aber: "Wir können aber an vielen Stellen sparen, ohne dass es an die Substanz unserer Publikationen geht. Die Mitarbeiter der Spiegel-Gruppe genießen außerordentlich gute Arbeitsbedingungen, mit Services, hohen Sozialleistungen und einer überdurchschnittlichen Vergütung."
Im Absinken des Umsatzes auf das Niveau von 2003 sieht Saffe ein Signal zum Handeln: "Die für das Printgeschäft entscheidenden Marktbereiche Anzeigen und Vertrieb sind rückläufig. Der Spiegel verliert netto rund zehn Prozent Anzeigenerlöse, selbst die Vertriebsumsätze könnten erstmals seit vielen Jahren rückläufig sein." Ein Trend, der sich auch 2013 fortsetzen werde. Ein entscheidende Maßnahme sei die stärkere Kooperation zwischen dem gedruckten Spiegel und Spiegel Online. "Der Spiegel und Spiegel Online werden ab sofort deutlich enger zusammenarbeiten. Über erste Schritte in diese Richtung haben die Chefredakteure Mascolo und Blumencron ihre Redaktionen zu Beginn dieser Woche gemeinsam informiert", so Saffe.
Eine Absage erteilte Saffe im Interview mit SZ-Redakteuren einer Bezahlschranke nach der Art, wie Springer-Chef Mathias Döpfner sie einführen will und verlagsübergreifend fordert. Zwar seien für ihn "Erfahrungen, die andere Medienhäuser im digitalen Bereich machen, selbstverständlich interessant". Aber: "Spiegel muss hier seinen eigenen Weg finden und beschreiten. Wir haben zwar eine Bezahlschranke vor dem Online-Auftritt abgelehnt, aber nicht Paid-Content generell. Wir denken über andere Modelle nach, zum Beispiel wie Spiegel-Inhalte gegen Bezahlung stärker im Internet stattfinden können, oder auch darüber, wie der Zutritt zu Spiegel Online frei bleiben kann und gleichzeitig besonders werthaltige Inhalte kostenpflichtig werden."

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