Berliner Verlag streicht bis zu 86 Stellen

Publishing Die Chefs des Berliner Verlags stellten am Donnerstagvormittag der Belegschaft ein Sparprogramm vor. In diesem Jahr wird der Verlag, in dem u.a. die Berliner Zeitung erscheint, rote Zahlen schreiben. Allein die Anzeigenerlöse sanken in den vergangenen zwei Jahren um jeweils 5 Millionen Euro. In der Verwaltung werden 27 Stellen abgebaut, in der Redaktion der Boulevardzeitung Berliner Kurier 13 Stellen. Die Zahl der Stellen, die bei der Berliner Zeitung wegfallen muss, hängt von der Zukunft der Frankfurter Rundschau ab.

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Der Verlag der Frankfurter Rundschau hatte vor zwei Wochen Insolvenz angemeldet. Er gehört wie der Berliner Verlag mehrheitlich zum Kölner Medienunternehmen M. DuMont Schauberg. Vor allem um die seit Jahren hochdefizitäre FR zu erhalten, arbeiten seit einiger Zeit die Redaktionen der Berliner Zeitung und der FR eng zusammen. So wird beispielsweise der Mantel für beide Blätter in Berlin produziert. Dieser Schritt spart dem Verlag rund vier Millionen Euro im Jahr. Gereicht hat es für den Erhalt der FR im Hause DuMont trotzdem nicht.
Derzeit wird für die FR ein Käufer gesucht. Die Chancen stehen angeblich nicht schlecht, dass die Zeitung mit einem neuen Konzept weiter besteht. Doch gesichert ist das nicht. Falls also die FR keinen Käufer findet und eingestellt werden muss, oder ein Käufer zwar gefunden wird, der aber das Mantelbuch mit überregionaler Berichterstattung nicht beibehalten will, müssen in der Redaktion der Berliner Zeitung bis zu 48 Stellen wegfallen. Das entspricht etwa 30 Prozent der Mitarbeiter in der Redaktion. Die Zeit der Sanierungen in kleinen Schritten sei im Tageszeitungsmarkt vorbei, sagte Geschäftsführer Michael Braun.
In der sogenannten Redaktionsgemeinschaft 1, einem vor einigen Jahren gebildeten Autorenpool, würden im schlimmsten Fall 14 von derzeit 27 Stellen wegfallen. Die Autoren berichten für die DuMont-Zeitungen Kölner Stadt-Anzeiger, Mitteldeutsche Zeitung, FR und Berliner Zeitung vor allem über Politik und Wirtschaft. Die "Rege 1" wird von Brigitte Fehrle geleitet, die auch Chefredakteurin der Berliner Zeitung ist. In der "Rege 2", die für die Mantelproduktion der beiden Blätter verantwortlich ist, würden alle 20 Stellen wegfallen. Da die Berliner Zeitung auch unabhängig von der Zukunft der FR sparen muss, stehen in der Redaktion rund 12 weitere Stellen zur Disposition. Falls der Mantel für die FR wegfällt, soll allerdings die Digitalredaktion der beiden Zeitungen, die noch in Frankfurt sitzt, neu in Berlin aufgebaut werden.
Der Verlag hat den Redakteuren der Berliner-Zeitung unlängst sogenannte "Turbo-Abfindungen" angeboten. Die Redakteure haben bis zum 17. Dezember Zeit, das Angebot anzunehmen. Wie viele Stellen schlussendlich abgebaut werden, bleibt aber bis zur Entscheidung über die Zukunft der FR offen. Dennoch wird die Zahl von knapp 50 Stellen im Raum stehen, bis endgültig Tatsachen in Frankfurt geschaffen werden. Sicher ist indes, dass am Alexanderplatz beim Berliner Kurier 13 von derzeit ca. 80 Stellen gestrichen werden. Auf der Verlagsseite sind es 27 Stellen. Das komplette Finanzen- und Rechnungswesen von DuMont wird künftig in Köln besorgt. Auch die Produktionsplanung wird in der Domstadt zentralisiert. Die Planung des Anzeigengeschäfts wird in Halle beim Mitteldeutschen Verlag gebündelt. In Berlin werden weiter die Callcenter der Gruppe sein.
Die beiden Geschäftsführer des Berliner Verlags, Michael Braun und Stefan Hilscher, stellten den Mitarbeitern am Vormittag die Ausgangslage und die Sparpläne vor. Ziel sei, für 2013 wieder ein positives Ergebnis zu erzielen. Berlin ei nicht Frankfurt, sagte Hilscher, die beiden Zeitungen des Verlags seien erfolgreich im Berliner Markt verankert. In die roten Zahlen ist der Berliner Verlag vor allem wegen der drastischen Rückgänge der Anzeigenerlöse gerutscht. In diesem Jahr kostete vor allem der komplette Rückzug von Aldi Millionen Euro. Die Entscheidung des Discounters traf alle Abo-Zeitungen in Berlin, dafür bucht der Konzern nun u.a. in Anzeigenblättern.
Die Verlagschefs haben für 2013 eine Marketingkampagne für die Berliner Zeitung beschlossen. Der Wochenendteil wurde bereits redaktionell erweitert. Auch die App der Hauptstadtzeitung soll mit einer eigenen Kampagne beworben werden. Eine weitere App ist für den Berliner Kurier geplant. In der ersten Hälfte des Jahres will der Verlag ein Online-Bezahlmodell einführen. Neben Braun und Hilscher sprach am Donnerstag auch DuMont-Vorstand Christian DuMont Schütte zu den Mitarbeitern des Verlags. DuMont Schauberg halte am Berliner Verlag fest und wolle ihn für die Zukunft aufstellen. DuMont handele" aus der tiefen Überzeugung, dass der Qualitätsjournalismus eine Zukunft hat". 

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