Spiegel TV muss erneut 40 Stellen einsparen

Same procedure as last year: Wie Ende 2011 steht bei Spiegel TV erneut ein Jobabbau an. Grund ist die anhaltende Flaute im Geschäft mit Neuprojekten und Auftragsproduktionen. Insgesamt 40 von derzeit 150 Vollzeitstellen sind betroffen. Ungewöhnlich ist der Weg, den die Geschäftsführung dabei geht - sie setzt auf Freiwilligkeit und Gehaltsverzicht der verbleibenden Mitarbeiter. Aber: Wenn dieser Appell nicht fruchtet, sollen Anfang 2013 betriebsbedingte Kündigungen erfolgen.

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Heute morgen stellte der Personalchef der Spiegel-Gruppe, Rolf-Dieter Schulz, die Planungen den Angestellten bei einer Betriebsversammlung vor. Dabei verwies er auf millionenschwere Umsatzeinbußen auch im laufenden Geschäftsjahr. Unter anderem ging der Dauerauftrag für das ZDF-Format "Lanz kocht" verloren, auch Vox fuhr das Sendevolumen von Spiegel TV empfindlich herunter.
Der Vorschlag, den die Geschäftsführung um Spiegel TV-Chef Matthias Schmolz nach Absegnung durch die Gesellschafterversammlung am gestrigen Montag der Belegschaft unterbreiteten, sieht in der "freundlichen" Variante so aus: Mindestens 27 Vollzeitstellen müssen durch freiwillige Annahme von Aufhebungsverträgen obsolet werden. Das kann – im Falle von Teilzeitverträgen – bedeuten, dass deutlich mehr als 27 Mitarbeiter auf ihren Job verzichten. Im Gegenzug wird denjenigen, die eine Aufhebungsvereinbarung akzeptieren, eine "Turboprämie" geboten: bei der Bemessung der Abfindungsformel (hier üblicherweise 1,3 Bruttomonatsgehälter pro Beschäftigungsjahr) sollen sie gegenüber einer möglichen Arbeitgeberkündigung einen Aufschlag von 30 Prozent erhalten.
Doch selbst die Einsparung von 27 Stellen auf freiwilliger Basis langt nicht, um das Budgetziel für die kommenden Jahre zu erreichen. Daher sieht das Modell der Geschäftsführung zugleich einen Einkommensverzicht der übrigen Mitarbeiter vor. Sie sollen auf 10 Prozent ihres Bruttolohns verzichten, befristet zunächst auf zwei Jahre. Machen 90 Prozent mit, geht die Rechnung des Managements auf. Als Anreiz gibt es 5 zusätzliche Urlaubstage sowie das Versprechen, dass bei verbesserter Geschäftslage eine Rückvergütung denkbar sei. Auch bei diesem Verzicht, gewissermaßen einem Solidaritäts-Abschlag auf die Gehälter, gilt das Freiwilligkeitsprinzip.
Falls Plan A nicht aufgeht, ist die Geschäftsführung zur "weniger freundlichen" Variante B entschlossen: betriebsbedingten Kündigungen, die dann bereits im Januar ausgesprochen werden sollen und sowohl die Verwaltung, Herstellung und Produktion wie auch – in erster Linie – die Redaktion betreffen werden. Bei dem Ziel der Streichung von 40 vollen Stellen ist dann zu erwarten, dass mehr als 50 Mitarbeiter ihren Job verlieren könnten. Laut Organigramm sind derzeit 187 Angestellte bei Spiegel TV beschäftigt, rechnerisch verteilt auf 150 volle Stellen.
Den Spiegel TV-Angestellten bleiben nur wenige Wochen, über die alternativen Modelle zu entscheiden. Dabei will die Geschäftsführung Mitarbeiter, deren Arbeitsbereich von der Auftragsflaute betroffen ist, auch gezielt ansprechen und für ein freiwilliges Ausscheiden werben. Vielen im Hause dürfte ein solches Szenario bekannt vorkommen: Bereits im November vergangenen Jahres war nach diesem Muster vorgegangen worden, um 26 Stellen frei zu machen, die zusätzlich zu den 30 Arbeitsplätzen in der Kerner-Redaktion Ende 2011 gestrichen worden waren. Und auch im Jahr 2010 hatte die damalige Geschäftsführung bereits um freiwillige Kündigungen geworben, allerdings mit wenig Erfolg. Die genaue Anzahl der damals gestrichenen Jobs ist nicht ganz klar, es waren wohl knapp 40 Vollzeitstellen. Damit wäre innerhalb von gut zwei Jahren jeder zweite Arbeitsplatz bei Spiegel TV verloren gegangen.

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