Ruhr Nachrichten: Giraffentod im Liveticker

Publishing Der Ruf des Rückständigen haftet dem Lokaljournalismus im Netz an. Doch bei den Ruhr-Nachrichten weiß man virtuos mit den neuen Spielarten des Web-Journalismus umzugehen. Hier wird nicht nur bei der Bundesliga live getickert. Auch wenn im Zoo eine Giraffe umkippt, berichtet das Blatt online live vom Gehege. Wenn seine Redakteure denn auch hineingelassen werden. Wie aus einem Live-Ticker eine Live-Posse wurde - und daraus schließlich ein Web-Hit.

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Was war passiert? Im Laufe des frühen Morgens war der Giraffenbulle Tamu im Dortmunder Zoo umgekippt. Ganz recht, die Pfleger fanden das bis zu einer Tonne schwere Tier der Länge nach auf dem Boden liegend. Weil der Körper des Tieres nicht dafür ausgerichet ist zu liegen, mussten die Retter sich beeilen. Die Rettungskräfte bemühten sich in einem Großeinsatz, das Tier wieder aufzurichten. Vergeblich, das Tier starb an den Folgen.

Apropos Großeinsatz: Die Story veranlasste die Ruhr Nachrichten, gleich drei Reporter auf die Story anzusetzen. Doch die scheiterten offenbar schon am Einlass, wie dem “Live-Ticker” zu entnehmen ist. Kurios: Das Lokalblatt hatte sich gegen einen einfachen Artikel entschieden, sondern für einen Live-Ticker aus dem Epizentrum des Geschehens. Hier wurde aber auch alles live getickert, wirklich alles. So hieß es um 10:06 Uhr: “Unsere Reporter stehen vor verschlossener Tür. Es dürfen keine Journalisten in den Zoo.” Doch davon ließen sich die Reporter offenbar nicht abhalten. Vor allem nicht vom Tickern.

So kam um 10.12 Uhr der Pressesprecher der Stadt Dortmund zu Wort: "Das Tier muss aufgerichtet werden, sonst besteht Lebensgefahr", zitierte das Blatt Michael Meinders, Pressesprecher der Stadt Dortmund. Die Spannung stieg ins Unermessliche, bis es dann rund eine Stunde später heißt: "Unsere Reporter können jetzt rein. Der Zoodirektor wird uns gleich mit Informationen versorgen."

Kannte man den Live-Ticker sonst eher von medialen Großereignissen oder während politisch wichtiger Entscheidungen, wurden hier Erinnerungen an den Blumenkübel wach. @Punktefrau schreibt auf Twitter: "Hier ist kein Sack Reis, sondern eine Giraffe umgefallen". @Jalenz kommentiert: "Große, absurde Poesie! Der Giraffen-Liveticker. Wer das vorliest, gewinnt jeden Poetry Slam." "Darf. Keinen. Blumenkübel. Witz. Machen", scherzt @tarzun. "Für mehr Liveticker aus Zoos, Kindergärten und dem Arbeitsamt", fordert @Deniskrick und setzt gleich ein Hashtag: #freetamu. @branleb setzt den Bezug zur aktuellen Mediendebatte: "Ticker über eine umgefallene Zoo-Giraffe. Was war jetzt nochmal die Begründug für das #LSR?"  

Auch RP-Online und DerWesten berichteten bereits über den umgefallenen Giraffenbullen. Denn in der Ruhr-Metropole ist Tamu schon jetzt ein Web-Liebling. Groß war das Mitleid der Web-Gemeinde, als der Zoo dann bekanntgeben musste, dass das Tier während des Rettungsversuchs gestorben war. 
Während sich viele Nutzer über den Live-Ticker der Ruhr Nachrichten lustig machen,  fieberten andere mit dem Schicksal des Tieres mit. Eines ist klar: Auch wenn sich über die Relevanz eines Live-Tickers für eine umgekippte Giraffe streiten lässt, so hat die Lokalzeitung online einen kleinen Hit gelandet. Weit über hundert Tweets finden sich zum Thema, und auch auf Facebook diskutierten Nutzer das Schicksal von Tamu.

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