„Tatort“: Mörder-Quote, enttäuschte Fans

Fernsehen Der Münsteraner "Tatort" mit den Comedy-Ermittlern Boerne & Thiel schwang sich mit der Folge zum zehnjährigen Jubiläum, "Das Wunder von Wolbeck", zu einem neuen Quoten-Höhepunkt auf. Mit über 12 Mio. Zuschauern wurde die beste "Tatort"-Quote seit fast 20 Jahren erreicht. Aber waren die vielen Zuschauer auch alle zufrieden mit dem teilweise platten Fäkal-Humor? Bei Twitter beklagten sich viele Fans der Reihe über ein schlechtes Drehbuch, zu viel Klamauk und fehlende Authentizität.

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Die beinharte Fan-Gemeinde des “Tatort” aus Münster scheint zu bröckeln. Bei der Jubiläums-Folge am vergangenen Sonntag waren die nimmermüden Fans des Duos Thiele/Boerne bei Twitter eher in der Unterzahl. Diejenigen, die sich über Langeweile und überbordenden Klamauk im Münster-”Tatort” beklagten, war dagegen deutlich angewachsen.

Twitterer Markus Huendgen alias @videopunk schrieb: “Beim #Tatort eingenickt, mit dem Kopf auf die Tastatur geschlagen und jetzt läuft seit 10 Minuten Gangnam Style.” Der Tweet war symptomatisch für die Stimmung im Social Web. “Tatort, schade so eine doofe Geschichte passte mal wieder gar nicht zum Münster Tatort.” (@zeitdieb24), “Der #tatort mit der besten Quote seit 1993? Und meine Frau und ich waren uns mal einig das es einer der schwächsten aus Münster war.” (@Cosmopottler), “Meine #Begeisterung für den #Tatort gestern hielt sich in Grenzen,zu schräg, zu langweilig. Schade,ich mag eigentlich die Jungs aus #Münster.” (@gerd_armbruster) sind weitere Beispiele von vielen, die ihrer Enttäuschung bei Twitter Luft machten. Kritisiert wurde von vielen Fans außerdem, dass der “Tatort” über weite Teile gar nicht in der Umgebung von Münster gedreht wurde.

Professionelle TV-Kritiker fremdeln schon länger mit den Klamauk-Krimis aus Münster. Christian Buß schrieb bei Spiegel Online zur aktuellen Folge: “Sagen wir mal so: Den Verantwortlichen des Münsteraner ‘Tatort’ fehlt das Fingerspitzengefühl. Wem die Quote recht gibt, der muss in Geschmacksfrage wohl nicht übertrieben zimperlich sein.” Gemeint war die zentrale Szene, in der Professor Boerne von einem Rindvieh Exkremente ins Gesicht gespritzt wurden. Buß erinnerte aber auch an die Episode “Spargelzeit”, in der das Comedy-untaugliche Thema sexueller Missbrauch mit den üblichen Boerne/Thiel-Mätzchen bearbeitet wurde. Hubert Spiegel meinte bei FAZ.net, die Einlage mit dem Gülle-Bombardement im aktuellen “Tatort” sei “zwar mehr altbacken als subtil, kommt aber offenbar besonders beim jungen Publikum gut an.” Man zieht im Feuilleton die Nase kraus, traut sich aber auch nicht recht, deutlicher gegen die Mörder-Quote von über zwölf Millionen Zuschauern anzuschreiben.
Holger Gertz attestierte dem Münster-”Tatort” bei Sueddeutsche.de, dass dieser von seinen Fans bedingungslos geliebt werde: “Münster ist den Leuten heilig, Münster ist wie Guttenberg vor der Affäre. In Münster können sie alles machen und darauf vertrauen, dass die Masse fordern wird: Gebt uns mehr davon.” Wer Am Sonntag-Abend zur “Tatort”-Zeit Twitter beobachtete konnte sich nicht mehr so sicher sein, ob die alte “Tatort”-Liebe zu Thiele und Boerne wirklich noch so bedingungslos ist. Sie fängt langsam anfängt an zu rosten. 

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