Thema Abfindung: Was wirklich übrigbleibt

320 Arbeitsplätze sind vom Aus der FTD betroffen. Laut FAZ plant Gruner + Jahr rund 40 Mio. Euro für Abfindungen ein. Abgesehen vom Jobverlust steht man als Arbeitnehmer vor dem Problem, wie den Einmalzahlungen steuertechnisch umzugehen ist. Mit Blick auf eine nahe Zukunft, in der man durchschnittlich eventuell weniger verdient, kommen Nachzahlung oder ein Wechsel der Lohnsteuerklasse extrem unpassend. Im Folgenden geben wir Tipps, wie sich die Steuerlast im Abfindungsfall minimieren lässt.

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Wenn Sie eine Abfindung bekommen, verdient vor allem einer mit: das Finanzamt. Hier greift ganz regulär das Einkommenssteuergesetz. Im schlimmsten Fall kann es sogar passieren, dass Sie so viel Steuern zahlen, wie Sie durch die Abfindung eingenommen hätten. Ein Rechenexempel: Ein Arbeitnehmer mit einem Jahreseinkommen von 80.000 Euro zahlt rund 19.000 Euro an den Fiskus. Liegt die Abfindung etwa bei 50.000 Euro, liegt das Jahreseinkommen, das der Arbeitgeber dem Finanzamt mitteilt, plötzlich bei 130.000 Euro. Die Steuerlast erhöht sich dann auf über 40.000 Euro. Kurzum: Von der eigentlich Abfindung kommt nach Steuern nur ein Bruchteil bei Ihnen an. Teilweise kommt außerdem noch die Kirchensteuer dazu. 

Stellen sich die kolportierten 40 Millionen Euro Abfindung also als realistisch heraus, dürften die betriebsbedingten Kündigungen vor allem die Finanzämter freuen. Um die Steuerlast zu mindern und letzten Endes mehr von der eigenen Abfindung auch tatsächlich behalten zu können, können Arbeitnehmer mehrere Wege einschlagen, die wir im Folgenden vorstellen:

Fünftelregelung
Das Finanzamt erlaubt es, sogenannte außerordentliche Einkünfte nach der “Fünftelregelung” gemäß Paragraf 34 EStG tarifermäßigt zu besteuern. Die steuerliche Entlastung fällt dabei umso höher aus, je geringer das Einkommen eines Arbeitnehmers oder von Ehepaaren im Jahr der Abfindungszahlung ist. Warum? Die Steuer wird zuerst auf das Gesamteinkommen ohne Abfindung berechnet. Dann wird ein Fünftel des Abfindungsbetrags zum Jahreseinkommen addiert. Von diesem erhöhten Jahreseinkommen wird wiederum die Steuer berechnet. Die Differenz zwischen diesen beiden Steuerbeträgen mit 5 multipliziert ergibt wiederum die eigentliche Höhe der gesamten Steuer auf die Abfindung.

Damit die Fünftelregelung aber überhaupt greifen kann, müssen einige Kriterien erfüllt sein. Unter anderem muss die gesamte Abfindung noch vor dem 31. Dezember eines Kalenderjahres überwiesen werden. Wird die Abfindung etwa staffelweise ausgezahlt und dabei ein Teil vor und der andere Teil nach dem Jahreswechsel, akzeptiert der Fiskus die Fünftelregelung nicht mehr. In diesem Fall müssten Sie den kompletten Abfindungsbetrag versteuern.

Das bedeutet auch: Steht es in Aussicht, dass Ihr Einkommen im Folgejahr nicht so hoch ausfallen wird, kommt durchaus eine Verschiebung der Abfindungszahlung ins neue Jahr in Frage. Denn dadurch würde wiederum die zu zahlende Steuer auf die Abfindung minimiert.

Altersvorsorge
Eine weitere Möglichkeit, die erhöhte Steuerlast durch die Einmalzahlung zu minimieren, sind Vorsorgeleistungen. So kann es sich durchaus lohnen, Teile der Abfindung in die Altersvorsorge zu stecken. Es ist möglich, dass der Arbeitgeber Versicherungsbeiträge für Sie übernimmt, Zahlungen in die Altersvorsorge unterstützt oder einen Zuschuss zum Arbeitslosengeld zahlt. Die Beiträge lassen sich teilweise als Vorsorgeaufwendungen von der Steuer absetzen. Bis zu 14.800 Euro bzw. 29.600 Euro bei Zusammenveranlagung von Ehegatten können Sie steuerbegünstigt in eine Basis-Rente einzahlen.

Anstehende Investitionen
Eine weitere, allgemeinere Gangart, die erhöhte Steuerlast zu minimieren, ist der Investitionsabzugsbetrag. Den gewährt das Finanzamt auf zukünftige betriebliche Anschaffung. Dadurch wird theoretisch Ihr Gewinn minimiert. Liegt der Investitionsabzugsbetrag beipielsweise bei 10.000 Euro und Sie zahlen den Spitzensteuersatz, läge die Steuerersparnis bei 4000 Euro.

Auch wenn der Gesetzgeber Möglichkeiten geschaffen hat, ist die Materie komplex. Im Fall der Financial Times Deutschland signalisierte der Arbeitgeber bereits, dass man sich großzügig zeigen wolle, wie ein Mitglied des Betriebsrats gegenüber MEEDIA erklärte. Derzeit finden offenbar erste Informationsrunden statt, in denen sich Mitarbeiter über grundsätzliche Fragen zu den Themen Sozialplan und Abfindung informieren können. Momentan kümmere man sich vor allem um Sonderfälle, wie etwa Angestellte im Sabbatical, Elternzeit oder Teilzeit. 
Für den Einzelnen gilt: Gerade während oder nach einer Kündigung ist meist mehr als nur die nächste Steuerzahlung zu regeln. Es lohnt sich also in jedem Fall, einen Fachmann zu konsultieren und die Optionen mit einem Steuerberater zu besprechen, der sich auf Abfindungen spezialisiert hat.

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