Jäkel: „Verhalten wie ängstliche Manager“

Publishing Die Zeit hat diese Woche für ihre Titelgeschichte etwa 20 Chefredakteure und Medienmanager gefragt, wie guter Journalismus überleben kann. Geantwortet haben u.a. Mathias Döpfner, Georg Mascolo, Philipp Welte, Tobias Trevisan und Roland Tichy. Auf die Frage nach Fehlern in den vergangenen fünf Jahren antwortete G+J-Deutschlandchefin Julia Jäkel durchaus selbstkritisch. Zu zaghaft sei man am Baumwall an Veränderungen herangegangen: "Manchmal haben wir uns verhalten wie ängstliche Manager."

Werbeanzeige

Jäkel, die vor kurzer Zeit den Posten der Deutschlandchefin bei G+J übernahm, sagte der Wochenzeitung: "Wir sind zu zaghaft an die durch das Internet ausgelösten Veränderungen herangegangen, wir haben aber gleichzeitig durch die ewigen Diskussion über strukturelle Veränderungen unsere Hefte aus den Augen verloren. Manchmal haben wir uns verhalten wie ängstliche Manager. Kritische Medien oder gut gelaunte Magazine sind aber keine Produkte wie andere. Da geht es um einen gesellschaftlichen Auftrag, aber auch um Leidenschaft, mit der Medien gemacht werden."


Die Umfrage unter den Top-Medienschaffenden fällt zusammen mit der von Jäkel und dem G+J-Vorstand getragenen Beschluss, die Financial Times Deutschland nach zwölf defizitären Jahren einzustellen. Vergangene Woche stellte die Frankfurter Rundschau einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Und Anfang Oktober beantragte die Nachrichtenagentur dapd Insolvenz. Gleichzeitig laufen in vielen anderen Medienhäusern Sparrunden, u.a. bei der WAZ-Gruppe und dem Berliner Verlag.

Thomas Rabe, seit Jahresbeginn neuer CEO der Bertelsmann AG, der Mehrheitseigentümerin von Gruner + Jahr, antwortete ebenfalls auf die Fragen der Zeit. Die Wirtschaftsredakteure wollten wissen, wie sich Rabe dafür einsetzt, dass guter Journalismus überlebt. Antwort Rabe: "Indem wir als Gesellschafter unseren Redaktionen die nötigen Freiräume geben, Investitionsmittel bereitstellen und die konsequente digitale Transformation sowie die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle unterstützen. Und indem wir für den Schutz von Pressefreiheit und Urheberrechten eintreten, ohne die guter Journalismus nicht denkbar ist."

Das hat Rabe freilich reichlich allgemein formuliert, aber entscheidend dürfte der Verweis auf "Investitionsmittel" sein. Wie hoch die im Fall von G+J ausfallen werden – unklar. Zuletzt hatten G+J-Chefs eher mangelnde Investitionsbereitschaft der Gütersloher Mutter zur Kennntis nehmen müssen.

Die Zeit mit der Titelgeschichte über "guten Journalismus" erscheint am Donnerstag, den 22. November. 

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige