Das eigentliche Problem der Apple-Aktie

Tech Apple kommt an der Wall Street immer härter unter die Räder: Auch gestern ging der Ausverkauf ungebremst weiter. Der iPhone-Hersteller fiel dabei unter den Börsenwert von einer halben Billion Dollar zurück und notiert so schwach wie seit Februar nicht mehr. Obwohl die Analystenzunft geschlossen hinter Apple steht und Vermögensverwalter täglich mit neuen Zukäufen aufwarten, kennt das Papier kein Halten mehr. Ein Finanz-Professor erklärte bereits im Frühjahr die eigentliche Problematik der Akte – und verkaufte.

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Apple kommt an der Wall Street immer härter unter die Räder: Auch gestern ging der Ausverkauf ungebremst weiter. Der iPhone-Hersteller fiel dabei unter den Börsenwert von einer halben Billion Dollar zurück und notiert so schwach wie seit Februar nicht mehr. Obwohl die Analystenzunft geschlossen hinter Apple steht und Vermögensverwalter täglich mit neuen Zukäufen aufwarten, kennt das Papier kein Halten mehr. Ein Finanz-Professor erklärte bereits im Frühjahr die eigentliche Problematik der Akte – und verkaufte.

Tief, tiefer, Apple: Das ist die Logik, die seit nunmehr exakt zwei Monaten an der Wall Street wie eine ungeschriebene Börsenregel greift. Der noch immer wertvollste Konzern der Welt ist seit zwei Monaten der sicherste Weg, sein Geld zu vernichten. Bei 705 Dollar notierte Apple noch vor exakt acht Wochen, als das iPhone debütierte – heute waren es zweitweise nur noch 505 Dollar.

Der Kursrutsch von exakt 200 Dollar oder 29 Prozent rasierte Apple gleichfalls nun bereits um 190 Milliarden Dollar Börsenwert – das ist mehr als Amazon, Facebook und Yahoo zusammen wert sind. Fundamental ist die größte Wertvernichtung in der 32-jährigen Börsengeschichte von Apple längst nicht mehr zu erklären: Kratzer im iPhone, das Maps-Debakel, der Rücktritt von Scott Forstall – alles negative Impulse, doch selbst in der Gesamtheit kaum tragfähig für den epochalen Kurseinbruch.

"Einer der kontroversesten Phasen in der Geschichte der Aktie"

So fällt zumindest das Echo der Analystenzunft aus, die immer noch geschlossen hinter Apple steht und in den vergangenen Tagen immer wieder neue Kaufempfehlungen mit inzwischen fast absurd ambitionierten Kurszielen aussprach. RBC Capital: "Die Fundamentaldaten sind stark, und die Aktie sollte sich in den nächsten 6 bis 12 Monaten besser entwickeln als der Markt." Kursziel: 750 Dollar.

Barclays gibt zu bedenken: "Wir befinden uns in einer der kontroversesten Phasen der letzten zehn Jahre in der Geschichte der Aktie." Das Kursziel ist dennoch unverändert: 800 Dollar – das entspräche auf dem gegenwärtigen Niveau einem Plus von mehr als 50 Prozent. Gene Munster von Piper Jaffray sieht noch mehr Luft nach oben: Bei 900 Dollar liegt die 12 Monats-Zielmarke.

Andy Zaky und Cody Willard verbrennen sich die Finger mit zu frühen Käufen

Auch unabhängige Vermögensverwalter sind seit Wochen auf der Käuferseite. Andy Zaky, der einen Apple-eigenen Hedgefonds besitzt und den Börsenbrief BullishCross.com betreibt, lehnte sich bereits bei 630 Dollar aus dem Fenster und gab eine Kauf-Empfehlung ab. Unter 630 Dollar sei der Kaufzeitpunkt ungewöhnlich gut. Gedemütigt durch die weitere Marktentwicklung erklärte Zaky abermals bei 558 Dollar, Apple wäre "nie billiger" gewesen was angesichts eines erwarteten KGVs von unter 10 bzw. nach Abzug der Barmittel von sogar nur noch 7 stimmt – allein: den Kursverfall aufgehalten hat es trotzdem nicht.

Auch Hochkaräter der Investmentbranche, die ihre Käufe aus führenden Finanzwebseiten dokumentieren, haben sich mit ihren Apple-Transaktionen in den vergangenen Wochen die Finger verbrannt. Cody Willard, der Apple 2003 zu Kursen bei 7 Dollar einsammelt und das Papier noch Ende August bei Kursen zu über 650 Dollar empfahl, stockte nun zu Kursen von 570-580 Dollar weiter auf. Bei nicht mal mehr 540 Dollar musste er diese Woche eingestehen: "Apple hat die Grippe. Ich warte mit weiteren Zukäufen, bis das Ausgeblute aufgehört hat oder wir eine Kapitulation sehen." Danach sah es gestern aus – genau wie seit Wochen zuvor.

Selbst Doug Kass kauft

Und selbst Doug Kass, der neben James Cramer vielleicht renommierteste Kopf der Wall Street, ist mittlerweile auf die Käuferseite gewechselt. Allein das ist eine Überraschung: Der 63-jährige Vermögensverwalter, der ein tägliches Börsentagebuch beim Ableger der Finanzwebsite TheStreet.com, RealMoneyPro.com, führt, nahm Apple im September und Oktober noch ins Fadenkreuz und fragte sich, ob die beste Zeit bereits hinter dem Kultunternehmen liegt.

Diese Fragen stellt sich Kass offenbar zur Zeit nicht: "Die Aktie ist zu billig. Der jüngste Kursrutsch ist über die meisten (wenn nicht alle) meiner Bedenken hinausgeschossen", erklärt Kass, der binnen einer Woche gleich dreimal Apple-Aktien zu 536, 541 und 545 Dollar nachkaufte. Doch selbst der Wall Street-Veteran von Sea Breeze Capital liegt mit seinem Timing nicht immer richtig, wie der gestrige Ausverkauf bis auf 505 Dollar dokumentiert.

Dabei hat der Wall Street-Veteran das eigentliche Problem der Apple-Aktie selbst vor Wochen bereits identifiziert: "Ich frage mich, wer die Apple-Aktie in diesen Tagen eigentlich nicht besitzt und welcher Fondsmanager das Papier nicht übergewichtet hat?"

Jeder besitzt die Apple-Aktie

Exakt diese Problematik sprach der Finanzprofessor Aswath Damodaran bereits im April an, nachdem die Apple-Aktie nach einer furiosen Aufwärtsbewegung binnen eines Quartals von 420 Dollar auf 640 Dollar geschossen war: "Ich fühle mich sehr unwohl damit, welche Anleger heute Apple halten. Diese neuen Aktionäre ängstigen mich. Es sind Momentum-Investoren. Sie verändern die Spielregeln."

Genau nach diesen Spielregeln taumelt die Aktie nun nach erdrutschartigen Verlusten in Richtung der 500-Dollar-Marke. Am Ende, das weiß jeder Anleger, der lang genug an der Börse dabei ist, bestimmt das Verhältnis von Angebot und Nachfrage den Kurs. "Aus diesem Grund habe ich verkauft", erklärte der Finanzprofessor der NYU. Und das nach 15 Jahren als Apple-Aktionär.

Zu Kursen von nur 5 Dollar legte sich Damodaran die ersten Apple-Aktien seinerzeit ins Portfolio, bei 630 Dollar platzierte er seine Verkaufsorder. Angesichts der Verluste der vergangenen zwei Monate eine weise Entscheidung. Apple-Aktionäre dürften sehnsüchtig darauf warten, ob und wann Damodaran zurück ins Käuferlager wechselt.

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