Berlin-„Tatort“: Mix aus Krimi und Melodram

Publishing Das Drama ist diesmal stärker als der Krimi: Es ist lange her, dass sich die „Tatort“-Kommissare ihren sonntäglichen 90 Minuten so entreißen ließen, wie in „Dinge, die noch zu tun sind“. Tatsächlich spielt Ina Weisse als Drogenfahnderin Melissa Mainhard das Berliner Team (Dominc Raacke, Boris Aljinovic) derart an die Wand, wie man es lange nicht mehr gesehen hat. Die Folge: der Krimi rückt diesmal in den Hintergrund. Getragen wird der Film vom Melodram um Mainhard.

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Der „Tatort“ ist diesmal, genauso wie die folgende „Günther Jauch“-Sendung Teil der ARD-Themenwoche „Leben mit dem Tod“. Ein ähnliches Experiment gab es schon einmal. Passend zum Themenschwerpunkt Ernährung wurde Sonntags ein passend abgestimmter „Tatort“ aus Kiel gezeigt. Das ging damals krachend daneben. Diesmal glückt der Versuch. Allerdings ist der Preis dafür, dass die Freunde von kniffeligen TV-Schnitzeljagden und spektakulären Verfolgungsjagden enttäuscht werden. Zuschauer, die jedoch bereit sind sich emotional mit den Thema Tod auseinander zu setzen, werden mit hochklassigem Fernsehen belohnt.
Die Story ist erst einmal schnell erzählt. Der Hersteller (Christoph Gerhard) der Party-Droge „Heaven“ wird tot in seiner Wohnung gefunden. Allerdings ist der Computer des Toten verschwunden. Auf ihm war die Rezeptur für die Designerdroge gespeichert. Schnell kristallisiert sich ein Kreis von Verdächtigen heraus: Gerhards Partner Dirk Regler (Barnaby Metschurat), der Kurier Ivo Kaminski (Gerdy Zint) und der jugendliche Tom Hartmann.
Obwohl die Kommissare Ritter und Stark schon seit 2001 in der Feier-Metropole Berlin ermitteln, ist es ihr erster Einsatz in Sachen Party-Drogen. Unterstützung erhalten sie diesmal von der Drogenfahnderin Melissa Mainhard, die schwer krank zu sein scheint. Nach rund einer Stunde ist klar: Sie ist todkrank und hilft der Mordkommission scheinbar von einer preußischen Disziplin getrieben, anstatt mit ihren beiden pubertierenden Töchtern noch einmal in den Sommerurlaub zu fahren. Tatsächlich arbeitet die sterbende Drogenfahnderin vor allem eine Liste mit „Dingen, die noch zu tun sind“ ab.
Weisse ist eine Wucht. Mal ist ihre Mainhard spröde, mal ehrlich emotional. Aber immer stolz und würdevoll.
Via Medien hatte sich Dominic Raacke zuletzt über die ganzen neuen Promi-Kommissare wie Til Schweiger, Nora Tschirner, Christian Ulmen und Ulrich Tukur beschwert. Seiner Meinung nach müsse die ARD aufpassen, „die Marke „Tatort“ nicht immer weiter aufzublasen“. „Am Ende platzt sie noch.“
Die Hauptstadt-Kommissare sind das beste Plädoyer für die Chancen einer langfristigen „Tatort“-Beziehung. Denn erst seit den letzten Fällen, hat man das Gefühl, dass Raacke und Aljinovic in der ARD-Krimi-Serie so richtig angekommen sind. Nach vielen schwachen und kruden Filmen, werden ihre Folgen immer besser.

Mit „Dinge, die noch zu tun sind“, steigern sie ihre Performance noch einmal. Wenn Sie den Film sehen wollen, müssen Sie unbedingt bis zur letzten Sekunde durchhalten. Denn die letzte Ton-Sequenz rundet den tollen Krimi ab – versprochen.

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