G+J: Rätselraten um Schicksal der FTD

Publishing Vor der richtungsweisenden Aufsichtsratssitzung bei G+J gären die Gerüchte um die Zukunft der hochdefizitären Wirtschaftsmedien. Der Focus berichtet in seiner Montags-Ausgabe, dass das Verlagshaus die Einstellung sämtlicher Wirtschaftstitel mit Ausnahme von Capital und die Streichung von 330 der 350 Stellen plane. Das Hamburger Abendblatt hingegen beschreibt einen Rettungsplan, bei dem die Financial Times Deutschland über drei bis fünf Jahre schrittweise in eine reine Digitalausgabe überführt werden solle.

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Wie das Abendblatt weiter berichtet, sei die Beschlusslage jedoch völlig unklar, da den Aufsichtsräten bislang keinerlei schriftlich abgefasste Szenarien zugegangen seien. Dies hätte eigentlich vor dem Wochenende erfolgen sollen. Bereits in der abgelaufenen Woche hätten Wirtschaftsmedien-Geschäftsführerin Ingrid Haas und der Gesamtchefredakteur Steffen Klusmann dem Vorstand ihre Strategie erläutert, wonach die FTD künftig unter der Woche in geringerem Umfang (20 statt 24 Seiten) erscheinen und im Gegenzug die Wochenendausgabe mit dann 40 Seiten aufgewertet werden soll. Zudem solle der Digitalvertrieb profitabel gemacht werden. Allerdings ist diese Variante mit zahlreichen Ungewissheiten und finanziellen Risiken verbunden – die meisten Branchenexperten bewerten dieses in Grundzügen schon länger diskutierte Szenario extrem zurückhaltend. Unklar ist auch, wie die Magazintitel Impulse, Börse Online und Capital in diese Strategie einbezogen werden sollen.

Nach MEEDIA-Informationen gibt es mehrere alternative Konzepte. Klar scheint, dass sich der Aufsichtsrat in jedem Fall auch mit Stellenstreichungen befassen wird – die Frage ist nur, wie drastisch die Maßnahmen am Ende ausfallen werden. Auch hier könnten auf den Verlag immense Kosten zukommen. So beziffert das Hamburger Abendblatt im Falle einer Schließung des Bereichs die Kosten eines Sozialplans auf bis zu 40 Millionen Euro. In diese Richtung gehen die Spekulationen des Focus, der sich dabei auf "Informationen aus dem engeren Unternehmenskreis" beruft.

Im Jahr 2012 soll die Financial Times Deutschland nach Informationen der Wochenzeitung die Zeit ein Minus von rund 15 Millionen Euro schreiben. Im vergangen Jahr bewegte sich der Fehlbetrag bei rund fünf Millionen Euro. Die Auflage der lachsrosa Zeitung lag im dritten Quartal bei 102.101 Exemplaren. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies ein Plus von 1,2 Prozent. Allerdings ist die lediglich ein kosmetischer Zugewinn. Denn tatsächlich verlor der Einzelverkauf im selben Zeitraum 15,75 Prozent. Auch beim Abo liegt das Minus bei 8,36 Prozent. Dagegen stiegen alleine die Bordexemplare um 11,32 Prozent.

Der Gruner + Jahr Aufsichtsrat tritt am kommenden Mittwoch zusammen. Dann wird sich höchstwahrscheinlich das Schicksal der Pool-Redaktion Wirtschaftsmedien entscheiden. Bei einschneidenden Maßnahmen könnten diese jedoch erst mit Zustimmung des Hauptgesellschafters wirksam werden. Dessen Aufsichtsrat tagt erst Ende des Monats – erst danach wird wohl Gewissheit über das Schicksal von FTD & Co. herrschen.
Nachtrag: Am Samstagnachmittag erklärte G+J-Unternehmenssprecher Claus-Peter Schrack gegenüber der dpa: "Fakt ist: Es gibt keine Entscheidung in diesem gesamten Prozess." Spekulationen werde Gruner + Jahr nicht kommentieren.

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