Wie sich Coca Cola zur Medienmarke mausert

Publishing Während klassische Medienunternehmen mit den Effekten des digitalen Wandels kämpfen, expandieren Konsumenten-Marken munter ins angestammte Medien-Terrain. Gerade hat der Multi-Milliarden-Konzern Coca Cola seine Firmen-Website grundlegend überarbeitet  und - Überraschung -  die Coca Cola Homepage sieht nun aus wie ein Entertainment- und Lifestyle-Magazin von einem Medienhaus. Parallel hat sich die braune Brause an dem Musik-Streaming-Dienst Spotify beteiligt.

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Die neue Coca-Cola-Website unter www.coca-colacompany.com hat mit einer herkömmlichen, statischen Unternehmens-Website rein gar nichts mehr gemein. In Ressorts wie “History”, “Environment”, “Health”, “Sports”, “Business”, „Innovation“ und “Community” gibt es lange Lesestücke und Porträts. Außerdem gibt es Videos und Blogs, eben ganz so wie bei einem x-beliebigen Online-Medium. Informationen zum Cola-Konzern findet man natürlich trotzdem immer noch.

“Journey” nennen die Coca-Cola-Bosse das neue Online-Magazin, benannt nach einer gleichnamigen Mitarbeiter-Zeitschrift, die von 1987 bis 1997 veröffentlicht wurde. Ashley Brown, Director Digital Communications and Social Media im Coca-Cola-Hauptquartier in Atlanta sagte der New York Times, dass der Konzern in das Projekt mehrere Millionen Dollar pro Jahr investieren will, und zwar für eine lange Zeit. Derzeit arbeiten vier Festangestellte bei Coca Cola ausschließlich für das neue Web-Magazin sowie rund 40 Freie Mitarbeiter und Fotografen. Inhalte werden außerdem von weiteren Mitarbeitern des Coke-Konzerns beigesteuert.

Man könne sich sogar vorstellen, Meinungs-Stücke zu veröffentlichen, die nicht den Ansichten von Coca Cola entsprechen, so Brown weiter zur NY Times. Der Konzern würde dann einen Vermerk dazu stellen, dass dieser Text nicht den Ansichten von Coca Cola entspricht und eventuell eine Gegenmeinung veröffentlichen. Für Medien ist das eine ebenso interessante wie gefährliche Entwicklung. Bezeichnenderweise verzichtet das Coca-Cola-Journal auf das Ressort Politik. Politische Berichterstattung durch die Konzernbrille, das wäre wohl doch etwas zu heikel. Aber in Zeiten, in denen es um die viel beschworene Unabhängigkeit bei klassischen Medien auch nicht immer zum besten bestellt ist, könnte ein solches Konzernportal zu einer echten Konkurrenz werden.

Und auch die Werbe-Industrie darf aufhorchen. Wenn Firmen wie Coca Cola ihre Medien einfach selbst machen und ihre Botschaften dort unter die Leute bringen – wozu brauchen diese Konzerne dann eigentlich noch klassische Werbung?

Coca Cola ist aber nicht nur ins Content-Geschäft eingestiegen. Der Brause-Konzern hat sich mit rund 10 Mio. Dollar auch am Musik-Streaming-Dienst Spotify beteiligt. Der Deal ist Bestandteil einer größeren 100-Mio-Dollar-Finanzierungsrunde von Spotify. Eine Limonadenfirma, die eigene Online-Medien herausbringt und an einem Online-Radio beteiligt ist – die fortschreitende Digitalisierung wird womöglich in Zukunft mehr solcher Nachrichten mit sich bringen.

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