ThyssenKrupp bezahlte Luxusreisen für Journalisten

Publishing Jürgen Claassen, Vorstandsmitglied bei ThyssenKrupp ging einem Bericht der Welt am Sonntag zufolge mehrfach auf Luxuriöse Geschäftsreisen mit Journalisten. Flüge in der First Class ebenso inbegriffen wie Nutzung des Firmenjets. Auch während des Trips habe es reichlich Luxus gegeben. Die Kosten dafür habe wohl jeweils ThyssenKrupp getragen. Die Medien der eingeladenen Journalisten sehen darin kein Problem.

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Die Vorwürfe der Welt am Sonntag sind für den ThyssenKrupp-Vorstand Claassen besonders pikant, da er als so genannter Compliance-Vorstand tätig ist. Als solcher ist er dafür verantwortlich, die Einhaltung der firmeninternen Richtlinien zu überwachen. Zu seinen Aufgaben gehört aber auch die Pressearbeit. Und was die angeht, war Claassen offenbar bereit die internen Regeln massiv auszuweiten. Laut denen wären Reisen wie die vom Manager unternommenen in ein Fünf-Sterne-Hotel oder auf mehrtägige Safari mit Geschäftspartnern nämlich untersagt gewesen, wenn sie "professionelle Unabhängigkeit des Geschäftspartners" gefährden können.
Die Medien, deren Journalisten mit auf die Luxusreisen gefahren sind, geben sich gegenüber der Welt am Sonntag zurückhaltend. Die FAZ gab demnach an, dass die Unabhängigkeit der Zeitung gewahrt sei, egal ob egal ob die Redakteure Einladungen annähmen oder nicht. Gleichwohl teilte ein Sprecher mit "Die Reisen mit Thyssen-Krupp in der 1. Klasse sind nicht üblich und nicht in Ordnung." Ein Journalist der FAZ war mit Claassen diesen Sommer nach China geflogen. Kostenpunkt der fünftägigen Reise: Etwa 15.000 Euro.
An einer Safari in Südafrika im März 2011 waren Journalisten der Süddeutschen Zeitung, des Tagesspiegel, der NRZ und der Rheinischen Post. "Die Reise hat die erwarteten Hintergrundinformationen über das Unternehmen erbracht", bilanziert Tagesspiegel-Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff gegenüber der Welt am Sonntag. Auch die anderen Zeitungen argumentieren ähnlich. Die SZ verweist darauf, dass der entsprechende Reporter freier Angestellter sei. Die NRZ drohte der WamS sogar indirekt: "Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir jegliche andere Berichterstattung über unser Haus einer juristischen Überprüfung unterziehen werden", zitieren die Berliner die Zeitung aus dem Westen. 
Welt-Chefedakteur Jan-Eric Peters kritisiert in seinem Kommentar zur Recherche auch die Journalisten: "Zum Verführen gehört immer auch jemand, der sich verführen lässt." Peters fragt: "Wie könnten Medien glaubwürdig einen Bundespräsidenten für ein kostenloses Upgrade im Flugzeug kritisieren, wenn sie sich von einem Unternehmen Flüge für Tausende von Euro für die Berichterstattung schenken lassen und dies für den Leser nicht einmal transparent machen?"

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