BBC-Chef Entwistle zurückgetreten

Fernsehen Die BBC kommt nicht zur Ruhe: Am Samstag trat George Entwistle als BBC-Generaldirektors zurück, nun gingen auch noch Nachrichten-Direktorin Helena Boaden und ihr Stellvertreter Steve Mitchell von Bord. Entwistle zog die Konsequenzen aus einem Bericht der Nachrichtensendung Newsnight, in dem einem britischen Politiker fälschlicher Weise Kindesmissbrauch vorgeworfen wurde. In einer Erklärung schreibt der 50-Jährige, er habe entschieden, dass ein Rücktritt die ehrenhafte Entscheidung sei.

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Der umstrittene Bericht wurde am 2. November ausgestrahlt. Darin wurde einem Spitzenpolitiker von einem mutmaßliche Missbrauchsopfer Vergewaltigung vorgeworfen. Der Politiker wurde zwar nicht namentlich genannt, aber schnell konzentrierten sich Gerüchte auf eine bestimmte Person. Der Politiker wies die Vorwürfe entschieden zurück und drohte mit einer Klage. Die Person, die die Vorwürfe erhoben hat, gab wenig später bekannt, sich in der Identität geirrt zu haben. Sowohl er als auch die BBC entschuldigten ich beim Politiker.
"Die vollkommen ungewöhnlichen Ereignisse der letzten paar Wochen, haben mich zum Entschluss kommen lassen, dass die BBC einen neuen Leiter bestimmen sollte", erklärt Entwistle nun in seiner Stellungnahme. Dem Newsnight-Beitrag schreibt er "inakzeptable journalistische Standards" zu. Als Generaldirektor sei er letztlich für alle Inhalte, somit auch dem umstrittenen Beitrag, verantwortlich. Bis ein Nachfolger für Entwistle gefunden ist, übernimmt Tim Davie, der Chef des BBC-Weltdienstes, die Aufgaben des Generaldirektors. Entwistle war somit nicht einmal zwei Monate im Amt.
Der Rücktritt samt seines Auslösers kommt für die BBC zur Unzeit. Die britische Traditionsanstalt ist seit geraumer Zeit im Zentrum von Kritik. Hintergrund sind eine ganze Reihe von Missbrauchsvorwürfen gegen den verstorbenen langjährigen BBC-Entertainer Jimmy Savile. Der BBC wird vor allem zu Lasten gelegt, sie habe von den Vorfällen gewusst, bewusst weggeschaut und kritische Berichterstattungen verhindert.
In der Folge brach in den britischen Medien eine regelrechte Hysterie aus. Unter diesen Gesichtspunkt muss auch der fehlerhafte Newsnight-Bericht gesehen werden.
Ebenfalls zurückgetreten sind mittlerweile Helena Boaden, die Nachrichten-Direktorin des BBC sowie ihr Stellvertreter Steve Mitchell. Beide hatten zum Zeitpunkt, zu dem ein kritischer Bericht über Savile – ebenfalls in der Sendung Newsnight – ausgestrahlt werden sollte, der jedoch zurückgezogen wurde, die Verantwortung für die Sendung.
Die BBC kommt nicht zur Ruhe. Derzeit beschäftigt sie sich intensiv mit sich selbst, überträgt live zu den aktuellen Entwicklungen und hat einen Liveblog eingerichtet. Trotz all der verständlichen öffentlichen Sorgen sollte nicht aus den Augen geraten, dass "die BBC voll von Leuten ist, die größtes Talent und höchste Integrität besitzen", betont daher Entwistle. Und weiter: "Das wird weiterhin dafür sorgen, dass die BBC der beste Sender in der Welt ist."

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