6-Wochen-Krise: Wie angeschlagen ist Apple?

Es waren die schwersten sechs Wochen als Apple-CEO für Tim Cook. Nachdem es für ein Jahr so aussah, als könne der neue Chef des Kultkonzerns aus Cupertino fast mühelos das Erbe seines visionären Vorgängers Steve Jobs fortschreiben, schoß Tim Cook in den vergangenen sechs Wochen kräftiger Gegenwind entgegen. Fast jede Schlagzeile war zuletzt negativ. Vor allem die überraschenden Rauswürfe von Managern der höchsten Führungsebene haben Anleger schwer verunsichert. Die Aktie befindet sich im freien Fall.

Werbeanzeige

Es waren die schwersten sechs Wochen als Apple-CEO für Tim Cook. Nachdem es für ein Jahr so aussah, als könne der neue Chef des Kultkonzerns aus Cupertino fast mühelos das Erbe seines visionären Vorgängers Steve Jobs fortschreiben, schoß Tim Cook in den vergangenen sechs Wochen kräftiger Gegenwind entgegen. Fast jede Schlagzeile war zuletzt negativ. Vor allem die überraschenden Rauswürfe von Managern der höchsten Führungsebene haben Anleger schwer verunsichert. Die Aktie befindet sich im freien Fall.

Was für einen Unterschied sechs Wochen machen können. Rückblende Freitag, 21. September, iPhone 5-Launch: Apple-CEO Tim Cook ist seinem Ruf als Magier der Exekutive einmal mehr gerecht geworden. Das neue iPhone, das längst mehr als die Hälfte der Umsätze und sogar 60 Prozent der Gewinne generiert, erscheint gerade noch so zum Ende des Quartals.

Erst vier Wochen später werden Anleger in der Quartalsbilanz nachlesen, dass Apple ohne die letzte Verkaufswoche im Septemberquartal selbst krachend die eigenen Schätzungen unterboten hätte. Meldungen über Aufstände, Massenschlägereien und –streiks in den Foxconn-Werken scheinen nur Nebengeräusche zu sein. Die Apple-Aktie notiert zu diesem Zeitpunkt bei 705 Dollar auf einem neuen Allzeithoch. Tim Cook, der Macher, hat erneut geliefert. Wer oder was soll Apple auf dem Weg zum Billionen-Dollar-Konzern noch aufhalten?

Kursrutsch am Freitag: 20 Milliarden Dollar in sechseinhalb Stunden vernichtet

Sechs Wochen später: Freitag, der 2. November – der nächste iDay. Apple launcht schon wieder: diesmal das iPad mini. Nachrichtenagenturen berichteten zunächst von kleineren Verkaufsschlangen als gewohnt, Analysten geben ungewohnt konservative Verkaufsprognosen ab, während die kleinen iPad schneller als erwartet online verfügbar sind.

Die Apple-Aktie kollabierte am vergangenen Freitag völlig und verlor in der Spitze fast 4 Prozent oder 22 Dollar auf nur noch 575 Dollar, den tiefsten Stand seit Juli. 20 Milliarden Börsenwert lösten sich in sechseinhalb Stunden auf. In den vergangenen sechs Wochen hat Apple insgesamt 130 Dollar je Aktie oder 120 Milliarden Dollar an Börsenwert eingebüßt – das ist der Börsenwert von zwei Facebooks. Gleichzeitig ist es der tiefste Fall seit der Finanzkrise vor vier Jahren. Wie konnte das passieren?

Tim Cooks 6-Wochen-Alptraum

Apples Börsencrash, der sich prozentual mit einem Minus von 19 Prozent etwas relativiert, ist in Schlagzeilen schnell erklärt – jede Woche hagelte es mindestens eine neue schlechte Nachricht. Da war zunächst die Mapocalypse, das konkurrenzlos schlechte Kartenangebot des neuen mobilen Betriebssystems iOS 6, das Nutzer sofort nach dem Launch auffiel.

Es  dauerte eine weitere Woche, bis sich Tim Cook in einem Offenen Brief so demütig wie nie ein Apple-CEO in über 36 Jahren entschuldigte. Die Konkurrenz, allen voran Google, frohlockte – und trat nach. Gerüchte über zu leichte Kratzer im iPhone 5-Gehäuse und vereinzelt lilafarbene Spuren auf den Fotos mit der neuen Kamera waren auch nicht gerade hilfreich.

Selbst die Keynote wurde schlecht aufgenommen

Dann sprachen wieder die Zahlen, und sie enttäuschten die Wall Street auf ganzer Linie. Nur fünf Millionen iPhones am Start-Wochenende verkauft? Zu wenig. Die eigenen Erwartungen, aber nicht die Analystenschätzungen geschlagen? Das reicht nicht aus, die Verkäufer traten bei Bekanntgabe der Quartalszahlen erneut auf den Plan. Erst recht, nachdem sich Apple im Ausblick den Luxus erlaubte, sinkende Gewinne im Weihnachtsquartal anzudeuten.

Zwei Tage zuvor hatte Apple bereits die umfassendste Keynote seit Jahren auf den letzten Metern ruiniert. Neues MacBook, neuer Mac Mini, neuer iMac mit Wow-Faktor, ein iPad mini und sogar ein runderneuertes iPad der vierten Generation. Was einem dabei nicht gefallen kann? Der Preis des iPad minis. Wieder ging es an der Börse abwärts.

"Was zum Teufel passiert da gerade bei Apple?"

Den vorerst letzten und bei weitem lautesten Paukenschlag setzte Tim Cook dann vor einer Woche in die Handelspause bedingt durch den Tropensturm Sandy. Gleich zwei Topmanager, den Apple Store-Chef John Browett, vor allem aber Hoffnungsträger Scott Forstall schasste der neue Apple-Chef, der damit sein Profil als knallharter Macher schärfte.

An der Wall Street kam die Entlasssung des "Mini-Steves" indes gar nicht gut an – seit Forstalls Rauswurf hat die Apple-Aktie weitere 30 Dollar eingebüßt. "Apple verliert seinen besten Erfinder", erklärte der Business Insider. "Was zum Teufel passiert da gerade bei Apple?" fragt sich auch das renommierte Finanzportal TheStreet.com.

"Apple sieht nicht mehr so souverän aus wie in früheren Tagen"

Diese Frage dürften sich auch Aktionäre stellen. Gemessen an der akribischen und nahezu unfehlbaren Performance bei Produktauslieferungen und Quartalsbilanzen in den vergangenen Jahren waren die vergangenen sechs Wochen nicht weniger als krisenhaft.

Während die Verkaufszahlen des ersten iPhone 5-Launch-Wochenende ebenso noch mit übertriebenen Erwartungen entschuldigt werden können wie die jüngsten Quartalszahlen, so ist der extrem verhaltene Ausblick und vor allem die erstaunliche Personalrochade Öl im Feuer der Skeptiker.

Binnen eineinhalb Monaten ist Apple vom unangefochtenen Börsenstar zum angeschlagenen Champion abgestiegen, der sich nun beweisen muss. Das zumindest ist das Signal der Anleger. "Apple sieht nicht mehr so souverän aus wie in früheren Tagen, sondern mehr wie unterlegene Konkurrenz", findet TheStreet.com.

Scott Forstall verkaufte bereits im Frühjahr 95 % seiner Apple-Aktien

Der scheidende iOS-Chef Scott Forstall soll nach übereinstimmenden Meldungen von US-Medien selbst beklagt haben, bei Apple gäbe es keinen "Entscheider" mehr. War das der Grund, der Forstall bereits im Mai veranlasste, sich von 95 Prozent seiner Apple-Optionen für nur knapp 40 Millionen Dollar zu trennen und damit potenziell eine dreistellige Millionensumme auf dem Tisch liegen zu lassen?

Nur die Zukunft wird das zeigen. Die glattpolierte Erfolgsstory von Apple hat in den vergangenen sechs Wochen indes einige tiefe Kratzer bekommen. Wie stark der Gegenwind inzwischen geworden ist, war zu Wochenbeginn bei Bekanntgabe der Absätze der neuen iPads am ersten Verkaufswochenende zu boebachten. Mit drei Millionen Stück setzte Apple doppelt soviele wie im März ab, doch die Techpresse reagierte gereizt auf die gebündelte Ausweisung von iPad und iPad mini-Verkäufen.

Die angeschlagene Aktie reagierte nur mit moderaten Kursaufschlägen von gerade mal einem Prozent auf den neuen Rekordzahlen. Um das aufkommende Krisengerede im Keim zu ersticken, kann Apple-CEO Tim Cook wohl nur eines helfen: ein herausragendes Weihnachtsquartal ohne Wenn und Aber.

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige