MDR twittert den Mauerfall nach

Publishing Für den morgigen 23. Jahrestag des Mauerfalls hat sich der MDR Sachsen-Anhalt etwas Besonderes einfallen lassen: In Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Deutsche Teilung in Marienborn wird über den Twitter-Account @9Nov89live der Tag des Mauerfalls getwittert, als ob er gerade passiere. Sieben Protagonisten werden "re-live" berichten, was sie gerade erleben. Das Projekt wurde etwa eineinhalb Monate lang vorbereitet und soll einen neuen Zugang zur Geschichte ermöglichen.

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Viele jüngere Menschen, so wie auch er selbst, hätten keine oder kaum eigene Erinnerungen an den 9. November 1989, berichtet Martin Hoffmann. Er ist einer der MDR-Journalisten, die am Twitter-Projekt @9Nov89live mitarbeiten, und so jungen, aber auch älteren Personen, einen neuen Zugang zu den Geschehnissen rund um den Mauerfall ermöglichen wollen. Am morgigen, 23. Jahrestag wird er gemeinsam mit Kollegen aus der Gedenkstätte Deutsche Teilung in Marienborn twittern, jedoch nicht als er selbst, sondern als einer von sieben historischen Charakteren.
Die sind zum Teil reale Personen, zum Teil fiktive Protagonisten, die verschiedene Perspektiven auf den historischen Tag liefern sollen. Dabei sind zum Beispiel ein SED-Funktionär, ein Journalist und ein Grenz-Offizier. Sie alle twittern im Laufe des Tages, was sie erleben oder denken und fragen gelegentlich auch ganz im Sinne von Twitter ihre Follower, ob das mit der Grenzöffnung wirklich stimme.
"Twitter bietet die Möglichkeit, die Erinnerung an diesen historischen Tag auf ganz neue Weise anzugehen", betont auch Elke Lüdecke, Direktorin des MDR Landesfunkhauses Sachsen-Anhalt. Auch sie sagt: "Mit diesem spannenden Projekt wollen wir vor allem junge Twitter-Nutzer, die nur wenige oder gar keine Erinnerungen an dieses historische Ereignis mehr haben, erreichen und ihnen die Möglichkeit geben, den Mauerfall ‚live‘ nachvollziehen zu können." Der Leiter der Gedenkstätte in Marienborn, Sascha Möbius meint: "Hier treffen Geschichte und Gegenwart aufeinander und werden in einem ganz neuen Maß für junge Leute erlebbar. Ein wichtiger Schritt, damit die Ereignisse von damals heute nicht in Vergessenheit geraten." 
Ungefähr 300 Tweets werden über den Tag verteilt versendet werden, der Großteil natürlich am Abend, verrät Hoffmann: "Auf diese Weise kann man den Leuten auch sehr gut zeigen, dass es zu Beginn eigentlich ein ganz normaler Tag war, wie jeder andere auch." Durch kulturelle Bezüge und Anmerkungen soll zudem an das Erinnerungsgefühl der Menschen, die den Tag noch gut in eigener Erinnerung haben, angeknüpft werden. Die Handlung wird dabei sowohl Berlin als auch Sachsen-Anhalt umfassen.
Ungefähr eineinhalb Monate lang wurde die Aktion vorbereitet. Die Idee sei den Machern gekommen, als man sich überlegt habe, wie man die Social-Media-Aktivitäten des Landesfunkhauses Sachsen-Anhalt verbessern und ihnen mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen könnte. Schnell sei man dabei auf die Idee gekommen, ein spezielles Ereignis in den sozialen Medien zu begleiten. Auch wenn es in diesem Jahr kein besonderes Jubiläum gibt, bot sich dafür der Tag des Mauerfalls an.
Die Gedenkstätte Deutsche Teilung habe geholfen, Protagonisten für das Twitter-Event zu finden. Im Fall der fiktiven Charaktere konnten die Historiker den Kontakt zu anderen Personen herstellen, zum Beispiel zu Grenzbeamten, die den Journalisten Einblicke in das Leben solcher Menschen bieten konnten. Im Anschluss wurde der Tagesverlauf der einzelnen Charaktere geschrieben und danach zusammengefügt, um an der Dramaturgie zu arbeiten.
Alle Protagonisten werden über @9Nov89live twittern. Man habe zwar zunächst auch überlegt, für jeden einen eigenen Account zu erstellen, aber auf diese Weise wäre womöglich die Übersicht verloren gegangen. Um zudem nicht aus dem historischen Kontext zu springen, sollen mögliche Antworten auf Fragen nicht über den historischen Account laufen, sondern mit dem normalen Account @MDR_san des Landesfunkhauses beantwortet werden. Die meisten Tweets sollen am Freitag live verfasst werden und zwar direkt aus der Gedenkstätte in Marienborn. Besucher werden am Tag die Gelegenheit bekommen, das Projekt zu besuchen. Ihre individuellen Erinnerungen an den Tag des Mauerfalls sollen ebenfalls gesammelt werden.
Im Radio- und TV-Programm soll die Aktion ebenfalls behandelt werden, unter anderem mit Live-Schalten. "Das ist schon etwas Besonderes, denn es ist das erste Mal, dass die zentrale Säule eines so großen Projektes hier in Sachsen-Anhalt von Online ausgeht", verrät Hoffmann. Im Anschluss sollen die Tweets übrigens unter einer Creative Commons-Lizenz angeboten werden, sodass zum Beispiel Lehrer sie für den Unterricht verwenden können.

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