Dynamo-Fans sauer auf „Heimatsender“ MDR

Publishing Der MDR ist in die Kritik der Fans des Fußballvereins Dynamo Dresden geraten. Grund ist die Berichterstattung des Senders zu Fan-Ausschreitungen am Rand des DFB-Pokalspiels gegen Hannover 96. In sozialen Netzwerken warfen wütende Anhänger dem Sender tendenziöse Berichterstattung und Lügen vor. Der MDR gestand in einen inhaltlichen Fehler ein und entschuldigte sich. Eine verwendete Symbolgrafik, die den Hauptkritikpunkt der Fans darstellt, bezeichnet der MDR als "nicht optimal".

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Hintergrund: Im Rahmen der Sendung "Sachsenspiegel" am 1. November verwendete die Redaktion für die Anmoderation zu einem Beitrag über die Randalen ein Symbolbild mit aufgebrachten Fans. Eine darauf abgebildete Person wurde vom "Sachsenspiegel" zwar unkenntlich gemacht, das Problem ist jedoch das wie: Die Grafiker legten dem Mann nämlich nachträglich ein Bengalo in die Hand. (MDR-Mediathek, ab Minute 17:40)

Screenshot der entsprechenden Szene im MDR-"Sachsenspiegel"
Fans fanden das Originalbild und teilten es in einer Gegenüberstellung zur bearbeiteten Version aus dem Sachsenspiegel. Dynamo Dresden bezog dazu ebenfalls Stellung. Der Club beschwerte sich beim Sender und schrieb auf der eigenen Seite, man habe "mit Nachdruck auf das Unverständnis der SG Dynamo Dresden und vieler Anhänger über die als äußerst unsensibel, dramatisierend und journalistisch fragwürdig empfundene Bearbeitung eines fünf Jahre alten Fotos für die Anmoderation hingewiesen."
Der MDR antwortete in einer Stellungnahme: "Nach ausgiebiger Diskussion sind auch wir zu der Auffassung gelangt, dass diese Grafik nicht optimal ist und zu Missverständnissen führen kann. Wir bedauern das und werden daraus intern Konsequenzen ziehen." Weiter heißt es: "Den ebenfalls geäußerten Vorwurf, wir hätten in dem eigentlichen Sachsenspiegel-Beitrag einseitig berichtet, wollen wir so nicht stehen lassen." Man habe sehr wohl auch einen Dynamo-Fan kritisch zu Wort kommen lassen. Korrigiert habe man jedoch die Behauptung, es sei kein Vertreter von Dynamo Dresden beim Fan-Gipfel anwesend gewesen.
Glaubt man den Reaktionen auf Facebook geht die Distanzierung des MDR den Fans nicht weit genug. Ein Nutzer schreibt auf der Seite einer Dynamo-Fangruppe: "absolut lächerlich … völlig unglaubwürdig … die Lügen ja wie gedruckt", ein anderer nennt die Stellungnahme ein "absolut schwachsinniges Statement zur Sache." Von einem weiteren Fan wird "1 Jahr Ausschluss des MDR für wiederholtes Vergehen" gefordert. Auch auf der Facebook-Seite des MDR gibt es viele kritische Kommentare. Hier heißt es unter anderem: "man sollte euch wegen Hetzerei und Betrug an den Pranger stellen." 
Neben der teils sehr harschen Sprache ist vor allem ein mehrfach gemachter Vorwurf auffällig. Der MDR sollte als "Heimatsender" dem "eigenen Verein" nicht in den Rücken fallen. Lokalpatriotismus als Pflicht für die regionalen Sender? Nach Ansicht einiger Fans des Vereins, dessen radikaler Fansszene wiederholt Verbindungen in die rechte Szene nachgesagt werden, ist das offenbar so.
Der Vorfall offenbar einmal mehr das schwierige Verhältnis zwischen Fanszene und Medien. Bereits im September war das Thema auf der Medienagenda, nachdem ein Kölner Ultra im WDR-Telefontalk "Domian" angerufen hatte.

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