Neustart: Grip gibt auch gedruckt Gummi

Publishing Grip ist anders als altbekannte Motormagazine und vielleicht deshalb als TV-Format die erfolgreichste Sendung im Segment. Mit diesem Rückenwind will Grip nun die Kioske erobern - seit heute liegt das 132 Seiten starke Heft zum Preis von 3,50 Euro im Regal. Bei Burda, wo TV-Marke und Zeitschrift produziert werden, scheint man mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Im Erfolgsfall soll Grip zweimonatlich erscheinen. MEEDIA hat das Heft geblättert und mit dem Blattmacher gesprochen.

Werbeanzeige

"Supercars + Youngtimer + Tuning + Fahrspaß + Motorsport + Legenden" sprudeln die Themen in der "Betreffzeile" über dem Logo auf dem Cover geradezu über. Und so wirkt auch das Magazin: Eine erstaunliche Vielfalt an Ideen und Elementen, die zeigen, dass die Redaktion um Chefredakteur Florian Boitin (im Hauptjob Playboy-Chef) für das Thema brennt. Das Ergebnis ist eine sowohl fundierte wie kurzweilige Lektüre abseits der faden Tabellenwerte der herkömmlichen Autozeitschriften, die sich in erster Linie der Kaufberatung verpflichtet sehen. Der Grip-Fan hat derlei wohl nicht nötig; für IHN (in seltenen Fällen vielleicht auch SIE) ist längst klar, was er will – bedauerlicher Weise allerdings auch, was er sich (nicht) leisten kann.
So kommt Grip mit einer Palette von alltagstauglichen Youngtimern bis hin zu unerschwinglichen Traummobilen, die auf Auktionen für horrende Summen von vermögenden Liebhabern ersteigert werden: Ente und Aston Martin – in der Heftphilosophie nur zwei Seiten einer Hobby-Medaille. Dabei gehört es zu den Vorzügen des gedruckten Grip, dass das Layout trotz des PS-Gedröhns und Kurvendrifts an keiner Stelle hektisch oder verspielt wirkt. Grip strahlt selbst auf kleinteiligen Seiten eine professionelle Ruhe aus – die Handschrift des zeitschriftenerfahrenen Hauses Burda wird hier sichtbar.
Bei den Käuferschicht, die die Münchner im Visier haben, dürfte es sich im Wesentlichen zunächst um Fans des seit 2007 bei RTL II ausgestrahlten Fernsehformats handeln. Durchschnittlich 800.000 autobegeisterte Seher versammelt die Sendung vor den TV-Geräten – für einen kleinen Sender ein beachtlicher Wert. Zum fünfjährigen Jubiläum des Motormagazins am kommenden Sonntag erscheint nun, als Pilot und Markttest, das gedruckte Grip. Für diesen Markenshift holte Playboy-Chefredakteur Florian Boitin mit Grip-Erfinder Thomas Pospiech (Focus TV) und dem erfahrenen Autojournalisten Günther Fischer kompetente Unterstützer ins Entwicklungsteam.
Das Ergebnis ist eine kompromisslose Positionierung. Auf manchen Betrachter mag der Habitus des Heftes bisweilen arg halbstark wirken, und das ist durchaus beabsichtigt. Während die Masse der Autofahrer womöglich zwischen Vernunft und Umweltbewusstsein einerseits und der Lust auf Fahrspaß andererseits hin und her gerissen ist, ist der typische Grip-Fan nur hingerissen von den Ikonen seiner Autowelt. Und weil er auch alte Stücke hegt und pflegt, mag man ihm dafür nicht wirklich böse sein. Sein Magazin richte sich, so Chefredakteur Boitin in der Verlagsmitteilung, an Leser, "die nicht nur informiert, sondern begeistert werden wollen", die den "grenzenlosen Fahrspaß suchen".
Boitin antwortete auch auf Fragen von MEEDIA.
Was unterscheidet Grip von anderen Auto-Zeitschriften?
Grip unterscheidet sich schon im Look & Feel klar von bisherigen Autozeitschriften. Grundsätzlich finden sich in Grip zwei große Themenwelten wieder: hier die opulente Vorstellung aktueller Traumautos und Supercars und zum anderen Wertungen plus Kaufempfehlungen zu Youngtimern und Klassikern. Darüber hinaus spielen die durch die erfolgreiche TV-Sendung bekannten Grip-Experten um Matthias Malmedie und Det Müller eine prominente Rolle im Printmagazin.




Wie wird die Popularität und Reichweite der TV-Marke für das Printprodukt genutzt?
Grip ist im TV seit fünf Jahren erfolgreich auf Sendung und erreicht wöchentlich im Schnitt 800.000 Zuschauer. Und bei Facebook verfolgen knapp 300.000 Fans engagiert die Aktivitäten der Marke. Natürlich nutzen wir diese enorme Begeisterung und Identifikation der Anhänger für das Printmagazin. Und die beliebten und kompetenten GRIP-Moderatoren spielen auch im Heft eine tragende Rolle. So werden einige Themen, die im TV unterhaltsam angerissen werden, im Printmagazin journalistisch vertieft.



Wie müssen wir uns den typischen Leser von Grip vorstellen?

Grip richtet sich an Leser, die von einem Motormagazin nicht nur informiert, sondern begeistert werden wollen. Die Fans sind überwiegend männlich, im Kern zwischen 20 und 49 Jahren und verfolgen regelmäßig die Sendungen bei RTL II. Aber natürlich haben wir auch Leser klassischer Autozeitschriften im Auge. 

Welche Erwartung / Hoffnung haben Sie bezüglich der Heftverkäufe?
Wir haben durchaus Ambitionen. So gehen wir bei der Testausgabe mit einer Druckauflage von 150.000 Exemplaren an den Start.
Wie war die Resonanz im Anzeigenmarkt auf das Konzept?

Die Resonanz war sehr positiv und ermutigend, trotz aller Unkenrufe über das angeblich nahende Ende des Printjournalismus. Neben vielen Premiumherstellern aus dem Automobilbereich, wie Mercedes Benz, Audi, BMW Mini, Renault und Co. haben auch Marken wie Nokia, Tabac Original oder Pioneer Anzeigen in der Zeitschrift gebucht. Das zeigt, dass das Lifestylekonzept von Grip verstanden und angenommen wird. 


Ist ein Ansatz wie der von Grip im Zeitalter von wachsendem Umweltbewusstsein und Interesse an alternativen Antriebsmethoden nicht überholt? Wie stehen Grip und dessen Fans zu solchen Themen?
Umweltbewusstsein und Motorbegeisterung müssen ja nicht zwangsläufig einen Widerspruch darstellen. Und Grip richtet sich mit seinem Konzept schließlich an beides: an Herz und Hirn. Die Redaktion macht da übrigens auch keinen Unterschied. Spannende Themen, etwa neue spektakuläre Modelle, mit alternativen Antriebsarten, werden selbstverständlich im Magazin vorgestellt. Doch Tatsache ist auch: Grip konstruiert keine Autos, sondern berichtet nur darüber. Aber dies dafür mit großer Leidenschaft
Eine Leseprobe von Grip zum virtuellen Blättern finden Sie hier.

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige