Ernst Elitz als umtriebiger Steinbrück-Fan

Publishing Peer Steinbrück und seine mannigfaltigen Nebeneinkünfte beschäftigen die Medien in dieser Woche. Glühende Fans hat der SPD-Kanzlerkandidat vor allem bei der Bild-Zeitung. Dort bescheinigt ihm der frühere Deutschlandradio-Intendant Ernst Elitz, ein “goldenes Mundwerk” zu haben. Das SZ Magazin punktet dagegen mit einem Steinbrück-Witz bei Facebook, die britische FT verkauft viele Digital-Abos und ein Ösi-Autor gründet eine Castingshow Gewerkschaft, die keine sein will.

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Die Peer-Steinbrück-Debatte kam in dieser Woche so richtig ins Rollen, als der SPD-Kanzlerkandidat seine zahlreichen Nebeneinkünfte detailliert veröffentlichte. Dabei tauchte so manches neue Fragezeichen auf. Steinbrück hat durchaus ein mächtiges Medium an seiner Seite. Die Bild-Zeitung begleitet die Diskussion mit deutlichen Pro-Steinbrück-Kommentaren. Zunächst durfte der Ex-Bild-Chef Hans-Hermann Tiedje ran, der Steinbrück attestierte, bei seinen Vortragshonoraren “offenkundig nichts falsch gemacht” zu haben. Klar, immerhin hatte Tiedjes Agentur WMP ja selbst einen der teuren Steinbrück-Vorträge vermittelt. Diese Woche wurde von der Bild Ernst Elitz losgelassen. Der schrieb: “Steinbrück ist kein Handaufhalter. Er hat gespendet und für Gotteslohn geredet, wenn es für den guten Zweck war. Doch wenn ein fürstliches Honorar geboten wurde, hat er nicht Nein gesagt. Warum auch?” OK, Herr Elitz hier wäre ein “Warum”: Weil es für einen Mann, der das Land als Kanzler führen und repräsentieren will, nicht ganz so toll ist, wenn man den Eindruck gewinnen kann, dass er mit wenig Skrupeln sehr viel Geld bei jeder sich bietenden Gelegenheit für wenig Gegenleistung einsteckt. Darum.

Steinbrücks Nehmer-Laune war auch Anlass für den einen oder anderen politischen Witz. U.a. veröffentlichte das sonst in Sachen Politsatire eher zurückhaltende Magazin der Süddeutschen Zeitung bei Facebook diesen Bilderwitz:

Bekommt die Titanic jetzt Konkurrenz aus München? Hintergrund der Spaß-Offensive aus München ist wohl eher, dass man mit solch lustigen Bildchen bei Facebook gut ins Gespräch kommt. Bei dem Steinbrück-Witz des SZ Magazins wurde über 3.300 mal “Gefällt mir” gedrückt und das Bild wurde über 2.000 mal geteilt. Ob das Sammeln von “Likes” und “Shares” auf Witz komm raus aber wirklich für jedes Qualitätsmedium langfristig so eine super Idee ist, sei mal dahingestellt.

Nochmal kurz zu Bild-Kommentator und Steinbrück-Fan Ernst Elitz: Der umtriebige Ex-Intendant des Deutschlandradios meldete sich diese Woche auch noch via Interview im Tagesspiegel zu Wort. Dort meinte Elitz, dass Politiker sehr wohl in die Aufsichtsgremien von öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern gehörten. Denn, so seine “erfrischende” Begründung: “Bei Politikern weiß ich wenigstens, woran ich bin.” Gleiches könnte man für die Kommentierungen des Ernst Elitz auch behaupten.

Die britische Financial Times verblüffte diese Woche mit der Nachricht, dass sie in den zurückliegenden neun Monaten durchschnittlich rund 313.000 digitale Ausgaben verkauft hat, mehr als die Print-Online-Kombi. Ist das jetzt ermutigend für die Pay-Pläne von deutschen Verlagen? Jein. Einerseits ist die Meldung der Briten eine beeindruckende Erfolgsstory (auch wenn das Anzeigengeschäft dort schwächelt). Andererseits gilt die FT, genau wie das Wall Street Journal, als internationales Leitmedium für Business-Fuzzis. Und die zahlen eher selten selbst für das Blatt oder den Digital-Zugang ihrer Wahl, sondern lassen das von ihrer Firma erledigen. FT und WSJ sind so gesehen Nischen-Titel, Special-Interest-Angebote im weiteren Sinne. Eine Zeitung wie die Welt wird sich mutmaßlich viel schwerer tun, mit ihrer angekündigten Pay-Offensive. Aber schaun wir mal, wie’s wird.

Da hat der Ösi-Schriftsteller Fabian Burstein doch tatsächlich eine “Castingshow Gewerkschaft” für die armen Opfer von “DSDS”, “Popstars” und Co. ins Leben gerufen. Und was schreibt der Mann ganz weit oben auf seiner Website: “Die Castingshow Gewerkschaft ist keine Gewerkschaft im eigentlichen Sinn.” Ja was denn dann? “Die Castingshow Gewerkschaft ist eine Non-Profit-Informationsplattform für jugendliche Opfer der Castingshowindustrie”, heißt es weiter. Wie es der Zufall will hat Burstein auch gerade einen Roman geschrieben, in dem es um was geht? Richtig: um eine “Abrechnung mit der Castingshow Kultur”. RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer sagte dazu bei Bild.de: „Diese Idee scheint eher der Versuch eines Autors zu sein, sein Buch besser zu vermarkten.“ Dazu fällt einem jetzt ganz spontan so gar kein Widerspruch ein …

Schönes Wochenende!

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