Der Medien-Rommel zum ‚Wüstenfuchs‘-Film

Fernsehen Erwin Rommel ist das Thema der Stunde. Der Spiegel hob den Generalfeldmarschall aus dem Zweiten Weltkrieg diese Woche auf sein Cover. Untertitel: Hitlers Helfer, Hitlers Opfer. Und in die ARD zeigt heute den bereits im Vorfeld heiß diskutierten, von Nico Hofmann produzierten Film "Rommel". Auch hier wirbt man damit, sich einer "widersprüchlichen Figur" nähern zu wollen. Dafür flankiert die ARD das Programm mit einer Second Screen-Anwendung, um über das Gezeigte hinaus zu informieren.

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Auch 68 Jahre nach dem Tod des "Wüstenfuchs" Erwin Rommel gehen die Meinungen über den Militär noch auseinander: War er ein Nazi? Ein Kriegsverbrecher? Ein Held? Und wie stark waren seine Verbindungen zum Widerstand um Graf von Stauffenberg? Dass das Interesse an der, wie der SWR zu seinem Film schreibt, "widersprüchlichen Figur" ungebremst ist, zeigt das hohe Medieninteresse an der Person.
Bereits am Montag widmete der Spiegel dem Wehrmachts-Offizier seine Titelgeschichte. Heute Abend zeigt das Erste ab 20:15 Uhr seinen bereits im Vorfeld diskutierten Film "Rommel". Verkörpern wird den Generalfeldmarschall darin Ulrich Tukur. Der sagt über die Rolle: "Mein Zugang zur Figur Rommel lief überraschenderweise zunächst über seinen Dialekt, so wie er im Bereich der nördlichen schwäbischen Alb bis hinauf nach Heidenheim gesprochen wird." Der Schauspieler betont, dass in seiner Darstellung jedoch stet auch ein Stück des Schauspielers bleibe. "Sie werden immer lügen, verändern, übertreiben und untertreiben, und eine Figur so verfremden, dass sie schärfere Umrisse bekommt und dadurch deutlicher wird", so Tukur.
Zur historischen Einordnung meint der Schauspieler: "Ich weiß nicht, ob der Film heute noch wichtig ist. Wirklich wichtig wäre er vielleicht vor vierzig, fünfzig Jahren gewesen." Dennoch glaube er, der Film sei "interessant und berührend", da er einen Menschen zeige, der über die Grenzen seiner Moralvorstellungen und seines Berufs nicht hinauskäme und so "nicht das zu sein vermochte, was er hätte werden müssen, um in der entscheidenden Sekunde ins Weltgeschehen einzugreifen."
Drehbuchautor Niki Stein hat sich für den Film mit den unterschiedlichen Biographien zu Rommel beschäftigt. Er sagt, Rommel bleibe "auch in der biografischen Aufarbeitung immer ein Spielball der Interessen. Eine wirklich bemerkenswerte Konstante seines Lebens und Nachlebens." Deswegen habe Stein vor allem in den Lücken und Widersprüchen nach der Wahrheit gesucht. Die ausgiebige Recherche des Autors und die Zusammenarbeit mit Historikern betont auch Produzent Nico Hofmann, der gerade deshalb Vorwürfe, der Film sei rechtsreaktionär nicht nachvollziehen kann und als "absurd" bezeichnet.
Um die Zuschauer über den Film hinaus über die historische Figur und ihr Umfeld zu informieren, setzt die ARD nicht nur auf eine anschließende Dokumentation zum Thema. Schon während des Spielfilms will man ganz zeitgemäß per "Second Screen" ergänzende Informationen liefern. Dafür hat der SWR eigens eine Seite eingerichtet. Die interaktive Anwendung soll ohne Anmeldung von Smartphone, Desktop- oder Tablet-PC aus verfügbar sein. 
Kurz vor Beginn des Films soll der Einstiegs-Bildschirm erscheinen. Die Informationen sollen dann während des Films passend zu den jeweiligen im TV und im Livestream übertragenden Szenen eingeblendet werden, ohne das manuelles Aktualisieren notwendig ist. Die Nutzer werden zudem aufgerufen via Twitter und dem Hashtag #rommel mitzudiskutieren. Eine Twitterwall werde dafür ebenfalls in das Angebot integriert. 
Auf diese Weise verknüpft die ARD am Abend Internet und Fernsehen, Unterhaltung und Bildungsauftrag. Man darf gespannt sein, wie dies gelingt und ob die Meinungen darüber im Nachhinein genauso auseinander gehen, wie die zur historischen Figur Erwin Rommel. 

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