Nur Fußball-Fans schauen Harald Schmidt

Fernsehen Wegen der beiden regionalen Feiertage gibt's in der aktuellen Woche keine "Harald Schmidt Show" - ein guter Zeitpunkt für ein Zwischenfazit. Acht Wochen sendet Schmidt nun schon bei Sky - und die Zuschauerzahl auf seinem Stamm-Sendeplatz liegt weiterhin oft bei unter 5.000. Ein deutlich größeres Publikum erreicht die Show nur an Abenden, an denen er zusätzlich nach Champions-League-Spielen auf den Sportkanälen läuft. Mit anderen Worten: Außer Fußball-Fans erreicht Schmidt kaum jemanden.

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Es ist etwas ruhig geworden für "Die Harald Schmidt Show". Außer in den Branchenmedien wird kaum noch über die Sendung berichtet – und wenn, dann meist nur noch über die Quoten. Inhaltliche Kritik findet kaum noch statt, mangels Sky-Abo oder noch schlimmer: weil "Die Harald Schmidt Show" den Journalisten einfach egal geworden ist. Und das kann den Medien auch kaum verübelt werden, denn eine Show, die nur von einem so kleinen Nischen-Publikum gesehen wird, ist eben auch nicht sonderlich relevant.

Die Quoten-Debatte, die MEEDIA zu Beginn mit regelmäßigen Analysen geführt hat, wurde und wird bei Sky nicht gern gesehen. Man habe Schmidt nicht wegen der Quoten verpflichtet und man verdiene sein Geld auch nicht vornehmlich mit Werbung, sondern eben mit den Abo-Geldern. Und dennoch: Ein Programm, für das sich eben nur ein verschwindend geringer Teil der Kundschaft interessiert – und das dennoch eine Stange Geld kostet, wird es auf Dauer schwer haben.

Der einzige Hoffnungsschimmer, den Schmidt derzeit hat, ist der, dass die drei deutschen Champions-League-Vereine möglichst weit kommen mögen. Denn: Relevante Zuschauerzahlen erreicht seine Show nur auf den Sportsendern, wenn vorher Schalke, der FC Bayern oder Borussia Dortmund gekickt haben. Wie in der vergangenen Woche, als am Dienstag 110.000 Leute um Mitternacht Schmidt sahen, nachdem die Bayern zuvor exklusiv im Pay-TV in Lille gewannen. Mit einer solchen Zuschauerzahl erreicht Schmidt dann schon einmal einen Marktanteil von 1,2%, der durchaus als großer Erfolg verbucht werden kann – und mit dem sich dann auch Sky rühmt, obwohl die Quote doch eigentlich egal sei.

Auf seinen Stammsendeplatz auf Sky Hits hat der zeitweilige Erfolg bei den Sportkanälen allerdings keine Auswirkung. Von den bisherigen 24 Sendungen erreichten dort nur fünf die Premieren-Zahl von 20.000 Zuschauern, weitere sechs 10.000 Seher und heftige 13 lagen unter der 5.000er-Marke, werden bei der GfK also mit 0,00 Mio. ausgewiesen. Die Marktanteile kletterten bei Sky Hits nie über die ernüchternde 0,1%-Marke, bei den 14- bis 49-Jährigen ganze zweimal auf wenigstens 0,2%.

Besser sieht es nur auf den Sportsendern aus: Neben den 110.000 Zuschauern vom vergangenen Dienstag wurden dort auch schon 80.000 Seher gemessen, 50.000 und viermal 40.000. Die Marktanteile lagen immerhin schon achtmal bei 0,4% bis 1,2% – im auch für Sky werberelevanten Publikum der 14- bis 49-Jährigen sogar dreimal bei 1,0% bis 2,1%. Zahlen, bei denen die Werbevermarktung allmählich anlaufen könnte.

Doch die Abhängigkeit vom Champions-League-Fußball kann für die Late-Night-Show kein Zukunftsmodell sein. Nur von Fußballfans zu leben, die nach dem Spiel nicht umgeschaltet haben – oder womöglich vor dem Fernseher eingeschlafen sind – das ist zuwenig für jemanden wie Harald Schmidt. Zumal es eine Abhängigkeit ist, die ohne Zutun von Schmidt plötzlich beendet werden könnte: Wenn die drei deutschen Clubs ausscheiden, sendet Schmidt wieder nur noch für seine maximal 20.000 Sky-Hits-Fans.

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