Piratinnen narren Medien mit Busen-Protest

Publishing Die Ankündigung einiger Piraten-Politikerinnen, ihren Oberkörper zu entblößen, lockte am Montag Journalisten verschiedener Medien (u. a. Bild, B.Z.) an das Brandenburger Tor. Hintergrund der Aktion: Die Frauen wollten mit diesem Protest Aufmerksamkeit für an gleicher Steller im Hungerstreik befindliche Flüchtlinge gewinnen. Das gelang ihnen auch, jedoch blieben ihre Brüste dafür bedeckt. Stattdessen kritisieren die Aktivistinnen, dass auch in der Berichterstattung wichtiger Themen gelte: Sex sells.

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Maßgeblich für die Aktion verantwortlich war die Piratenpartei-Politikerin Laura Dornheim. In einem Blogpost zur Aktion schreibt sie: "Wir wollen auch zeigen, wie Massenmedien in diesem Land funktionieren. Es gilt immer noch: Sex sells. Es reicht nicht, dass Menschen bereit sind, in den Hungerstreik zu treten – nein, es braucht ‚Titten‘, damit darüber berichtet wird."
Tatsächlich blank zu ziehen sei für die Frauen nie in Frage gekommen. Wichtig sei es ihnen jedoch gewesen, dass die campierenden Flüchtlinge dennoch Aufmerksamkeit erhalten. Im Vorfeld sei die Aktion daher mit ihnen abgesprochen worden. Gegenüber der taz wertete Anke Domscheidt-Berg, die ebenfalls beteiligt war, die Aktion als Erfolg: "Die Journalisten haben zuerst mit den Flüchtlingen gesprochen und dann mit uns." 
Laut Dornheim war ein Schriftwechsel mit einem Journalisten der Bild Ideengeber für den ungewöhnlichen Protest. Sie habe über ihren Twitter-Account einige Journalisten gebeten, über das Camp mit den protestierenden Flüchtlingen zu berichten, woraufhin besagter Bild-Reporter gefragt habe, ob der umstrittene Piraten-Geschäftsführer Johannes Ponader vor Ort sei.
Dornheim sei daraufhin "wütend ob dieser Ignoranz und Köpfe-Geilheit" gewesen und habe geanwortet: "Ich weiß es nicht. Aber Menschen, die hungern, verdammt. Und ja, auch genügend Piraten-Mandatsträger. Und wenn es Dir hilft stell ich mich da oben ohne hin!"
Die Antwort sei prompt gekommen: "Wenn Du das wirklich machst, schnapp ich mir jetzt nen Fotografen und komme sofort. Deal?" Zum Schein sei daraus eine Aktion geworden mit dem Titel "tits4humanrights". Man habe sich dazu entschlossen, weil man einerseits Aufmerksamkeit generieren konnte, aber auch, "um Journalist*innen der Bild – aber eben auch allen anderen, die bisher kaum oder gar nicht über das Refugeecamp berichteten, zu so einer Aktion dann aber kommen – einen Spiegel vorzuhalten", schreibt Dornheim.
Letzteres ist den Aktivistinnen gelungen, wenngleich sie kaum eine Veränderung hervorgerufen haben werden. Ob die protestierenden Flüchtlinge nun größere Aufmerksamkeit erfahren, ist jedoch fraglich, ebenso wie ob deren Forderungen nach Abschaffung des Abschiebegesetzes, Abschaffung der Residenzpflicht und Anerkennung aller Asylsuchenden als Politische Flüchtlinge Gehör finden.

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