Verleger werfen Apple „Preis-Überfall“ vor

Publishing Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) und dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) haben in einer gemeinsamen Erklärung Apple scharf kritisiert. Die nicht angekündigten deutlichen Preisveränderungen seien ein "inakzeptabler Eingriff in die Preishoheit der Verlage". Dieser schade dem "wachsenden Mobile-Geschäft" der Medienhäuser und setze sich über die Kundeninteressen hinweg. Die Aktion schade letztlich sowohl Kunden als auch Anbietern, so VDZ und BDZV.

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In der Erklärung heißt es weiter: "Die zum Teil erhebliche Erhöhung der Preise hat die Kunden bereits irritiert und bringt das auch gegenüber den entsprechenden Print-Produkten austarierte Preisniveau erheblich durcheinander." Einige Kunden hätten bereits jetzt ihre Abos beendet. Das Verhalten Apples sei "nicht erklärbar und absolut verantwortungslos", da vorab weder Verlage noch Nutzer informiert wurden. VDZ und BDZV nennen die Aktion Apples daher einen "Preis-Überfall".
"Diese Verletzung der Spielregeln wird Apple Sympathie kosten", zeigen sich VDZ und BDZV überzeugt. Das Vorgehen würden zudem dem aufgebauten Vertrauen der Verlage zu Apple als Marktpartner schaden und widerspreche Apples Rolle als Unterstützer von Paid-Content-Strategien. Als offene Drohung in diesem Zusammenhang kann der letzte Satz der Erklärung gewertet werden, in dem es heißt: "Zum Glück gebe es vor diesem Hintergrund weitere interessante Geschäftspartner im App-Markt."
In der Nacht hatte Apple die Preisstufen für Apps in Euro verändert. Dadurch wurden alle Angebote teurer. Eine iPad-Ausgabe von Spiegel oder Zeit kostet nun statt 3,99 Euro 4,49 Euro. Der Focus kostet statt 2,99 Euro 3,59 Euro. Die Verlage müssen nun entscheiden ob sie diese gestiegenen Preisen beibehalten wollen oder ihre Produkte eine Preisstufe niedriger anbieten wollen. Dann wären ihre Ausgaben jedoch 50 bzw. 40 Cent billiger als bislang. Von Apples Entscheidung wurden sie nur in einem Nebensatz in einer E-Mail zu einem anderen Thema informiert.
Im Laufe des Tages hatten sich bereits einzelne Verlage und Zeitungen zum Vorfall geäußert. Christian Röpke, Geschäftsführer von Zeit Online äußerte gegenüber MEEDIA: "Bedauerlicherweise hat uns Apple im Vorfeld nicht informiert. Für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit wäre das aber natürlich eine Grundvoraussetzung." Derzeit befinde man sich in Gesprächen mit Apple. Wie auf die Preiserhöhung reagiert werde, müsse noch entschieden werden. Röpke weiter: "Zunächst sehen wir aber keine Veranlassung auf den niedrigeren Preis zu gehen, der einen so deutlichen Abschlag gegenüber unserem Produkt am Kiosk bedeutet."
Weitere Zeitungen hatten in ihren Online-Angeboten von der Preispolitik von Apple berichtet und darunter kurz Stellung genommen. Rp-online schrieb zum Beispiel: "Ein Hinweis in eigener Sache: Auch die Apps unseres Verlages sind leider von den unangekündigten Preisänderungen durch Apple betroffen."

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