Analysten-Skepsis vorm Apple-Quartal

Heute Abend ist es wieder soweit: Apple muss Farbe bekennen. Die Erwartungen an den wertvollsten Konzern der Welt sind überraschend sparsam – zu sehr haben das vergangene schwache Quartal, die Lieferengpässe vom iPhone 5 und die bereits vorab bekannten schwächeren iPad-Absätze Analysten aufhorchen lassen. Bleibt die Frage: Wie viel iPhones müsste Apple verkauft haben, um für eine positive Überraschung zu sorgen? Analysten geben sich ungewohnt defensiv.

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Heute Abend ist es wieder soweit: Apple muss Farbe bekennen. Die Erwartungen an  den wertvollsten Konzern der Welt sind überraschend sparsam – zu sehr haben das vergangene schwache Quartal, die Lieferengpässe vom iPhone 5 und die bereits vorab bekannten schwächeren iPad-Absätze Analysten aufhorchen lassen. Bleibt die Frage: Wie viel iPhones müsste Apple verkauft haben, um für eine positive Überraschung zu sorgen? Analysten geben sich ungewohnt defensiv. 

Eine verkehrte Welt gehörte in Cupertino längst zur Normalität. "Think different" heißt es nicht umsonst bei Apple seit den späten 90er Jahren – an der Börse gilt das besonders. Eine phänomenale Keynote? Alles egal, die Aktie wird hart abverkauft, weil der Wall Street das Pricing nichte passte. Erfolgreichster iPhone-Start aller Zeiten? Es ist nie genug bei Apple, runter mit der Aktie.

Ist der nächste Ausverkauf im vermeintlich schwachen dritten Quartal, über das Apple heute nach Handelsschluss Rechenschaft abliefert, also eine ausgemachte Sache? So einfach ist es auch wieder nicht.

Apple-Ausblick: Zuwächse von gerade mal 8 Prozent vorhergesagt

Fest steht zumindest, dass die Erwartungen für Apple-Verhältnisse bemerkenswert eingetrübt sind. Durch die inzwischen enorme Fixierung auf das vierte Quartal befinden sich die Geschäftsergebnisse seit Januar im stetigen Abwärtstrend. Das März-Quartal fiel schwächer aus als das Dezember-Quartal letztes Jahr (was keine Überraschung war), das Juni-Quartal fiel aber ebenfalls schwächer aus als März-Quartal (was eine ziemlich Überraschung war).

Tatsächlich berechtigt der eigene Ausblick auch nicht unbedingt zu den hochfliegendsten Hoffnungen im abgelaufenen September-Quartal. Bei Umsätzen von 34 Milliarden Dollar erwartet Apple selbst einen Gewinn je Aktie in Höhe von 7,65 Dollar. Das wäre gerade mal ein Plus von kümmerlichen 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr – für eine Wachstumsmaschine wie Apple also eine mittlere Katastrophe.

Wall Street erwartet Gewinnzuwachs von 25 Prozent

Nun ist Apple seit Jahren für die Praxis des "uPodings" bekannt: "underpromise, overdeliver". In anderen Worten: Wenig versprechen, um dann tolle Ergegbnisse zu präsentieren. Unter Steve Jobs war diese Praxis ungeschriebenes Gesetz, unter Tim Cook indes mal mehr, mal weniger zu beobachten.

Trotzdem ist sich die Analystenzunft einig: Apple muss und wird mehr liefern als es selbst prognostiziert. Bei exakt 8,82 Dollar je Aktie bei Umsätzen von 36,02 Milliarden Dollar prognostizieren die Volkswirte im Schnitt Apples Quartalszahlen für das September-Quartal. Das wäre immerhin wieder ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Enttäuschung über iPad-Verkäufe im September-Quartal

Bleibt die Frage, wie realistisch ein solches Szenario ist. Apple würde damit erneut unter dem Vorquartal bleiben, in dem 9,32 Dollar je Aktie eingefahren wurden. Die ersten Indikationen deuten tatsächlich auf schwächeres Quartal hin: Die 17 Millionen verkauften iPads aus dem Juni-Quartal kann Apple im Geschäftszeitraum Juli bis September nicht mehr toppen.

CEO Tim Cook erklärte am Dienstag auf der iPad mini-Keynote, dass Apple das hundert millionste iPad Anfang Oktober verkaufte. Legte man die bis Ende Juni abgesetzten 84,1 Millionen iPads zugrunde, kann Apple nicht mehr als 15,9 Millionen, tatsächlich wohl aber "nur" 15 Millionen verkaufte Einheiten ausweisen.  Diese erste Enttäuschung war mitverantwortlich für den Kursrutsch nach der Keynote am Dienstag. Doch das dürfte Anleger dennoch nur am Rande interessieren.

Kompensieren die iPhone 5-Verkäufe die Käuferzurückhaltung vorher?

Mehr denn je ist Apple längst zur iPhone-Company geworden. 60 Prozent der Gewinne und Umsätze stammen aus dem Geschäft mit Kultsmartphone aus Cupertino. Am Ende läift also alles auf die Frage hinaus: Wie viele iPhone könnte Apple verkaufen? 26 Millionen Stück waren es im Juni-Quartal.

In etwa in dieser Größenordnungen liegen die Konsensschätzungen der Wall Street. Hat Apple aber tatsächlich in den Monaten vor der großen Produkterneuerung soviel iPhones abgesetzt wie im Vorquartal? Oder reißen die letzten Tage des September-Quartals mit seinen 5 Millionen verkauften Einheiten am ersten Wochenende die durch die Käuferzurückhaltung entgangenen Umsätze wieder heraus?

Das sind die Multi-Milliarden-Dollar-Fragen vor Apples Septemberquartal, dem letzten des Geschäftsjahres 2011/12. Wie Apples Geschäftsergebnisse tatsächlich ausfallen, können Anleger ab 22.30 Uhr deutscher Zeit heute verfolgen.

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