Wie Apple seine iPad mini-Keynote ruinierte

Was war das? Apple brannte gestern in San Francisco ein wahres Produktfeuerwerk ab, das man in der dieser Bandbreite seit Jahren nicht gesehen hatte. Auf den letzten Metern brachte sich der Techpionier jedoch um die Früchte seiner 70-minütigen Powerpräsentation: Das Pricing für das iPad mini gefiel der Wall Street überhaupt nicht. Wie ein Stein fiel die Apple-Aktie binnen Minuten um 15 Dollar. 329 Dollar erscheinen im kleinpreisigen Tablet-Segment zu ambitioniert. Auch die iPad-Verkäufe enttäuschten.

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Was war das? Apple brannte gestern in San Francisco ein wahres  Produktfeuerwerk ab, das man in der dieser Bandbreite seit Jahren nicht gesehen hatte. Auf den letzten Metern brachte sich der Techpionier jedoch um die Früchte seiner 70-minütigen Powerpräsentation: Das Pricing für das iPad mini gefiel der Wall Street überhaupt nicht. Wie ein Stein fiel die Apple-Aktie binnen Minuten um 15 Dollar. 329 Dollar erscheinen im kleinpreisigen Tablet-Segment zu ambitioniert. Auch die iPad-Verkäufe enttäuschten. 

Apple und Produktvorstellungen – das führt an der Wall Street so gut wie nie zu einem glücklichen Ende. Ganz gleich, was der Techpionier aus Cupertino vorstellt,  die Aktie fällt fast immer. Für Anleger erscheint das zwar frustrierend, wenn auch vorhersehbar.

Besonders ärgerlich wird es aber, wenn die umfangreichste Keynote der Post-Steve Jobs-Ära abgehalten wird – das Beste, was auf einer Apple-Bühne seit Jahren zu besichtigen war –, und die Reaktion doch dieselbe ist. Daumen senken, verkaufen, Aktie abstrafen: raus, raus, raus.

Nach sieben Monaten bereits die nächste iPad-Generation

Wenn man eine Anleihe zur Welt des Sports sucht, dann muss man nicht lange suchen – die deutsche Nationalelf hat in der vergangenen Woche eindrucksvoll vorgemacht, wie man fast alles richtig machen und doch in letzter Sekunde bestraft werden kann. Nicht anders sah es gestern in San José aus. Über eine Stunde brannte Apple ein Produktfeuerwerk ab, wie man es in der Fülle seit 2005 nicht mehr gesehen hatte.

Ein MacBook Pro mit Retina Display wurde nun auch im 13-Zoll-Format vorgestellt. Ein neuer Mac mini ebenfalls. Ebenso ein neuer, ultadünner iMac, der die größte Generalüberholung des Ein-Geräte-Macintosh seit fast einer Dekade darstellt. Dann sogar sieben Monate nach der dritten nun schon die vierte iPad-Generation, die mit dem sehnlichst erwarteten iPad mini endlich ihre kleinere Alternative fand.

Psychologisch wichtige 300-Dollar-Grenze nicht unterboten

Zusammen mit dem erst vor einem Monat gelaunchten iPhone 5 ist das nicht weniger als eine Generalüberholung der kompletten Produktlinie des wertvollsten Konzerns der Welt.

Trotzdem stürzte die Apple-Aktie wenige Minuten vor dem Ende der Keynote wie ein Stein in die Tiefe. Eben noch bei 630 gesichtet, notierte das Papier gegen 20.30 Uhr plötzlich nur noch bei 615 Dollar, um am Ende gar bei nur noch 613 Dollar zu schließen, happige 21 Dollar tiefer.   

Was hatte Apple um alles in der Welt falsch gemacht? Die Antwort ist schnell gefunden: Nichts – bis auf eine Ziffer. Zu 329 Dollar werde das iPad mini in der günstigsten Version in den Handel kommen, erklärte Marketingchef Phil Schiller. 329 Dollar? Das waren mindestens 30 Dollar, eigentlich aber 80 Dollar mehr, als im Vorfeld der Keynote gemutmaßt worden war.

iPad mini ist 40 Prozent teurer als die Konkurrenz

329 Dollar waren der Wall Street eindeutig zu teuer. Warum, ist mit einem Blick auf die Konkurrenz schnell geklärt: Googles Nexus 7 wie auch Amazons Kindle Fire kommen bereits zu 199 Dollar auf den Markt – Apple liegt im Segment der kleineren Tablets also happige 40 Prozent über der Konkurrenz. Und das mit einem iPad, das ohne Retina Display und den schnelleren A6-Chip daherkommt. Das ist zuviel verlangt, fanden Anleger – und drückten reflexartig den Verkaufsknopf.

Dabei besaß eine andere Information, die Tim Cook eher beiläufig erwähnte, weitaus mehr Abwärtspotenzial. Vor zwei Wochen habe Apple die Marke von 100 Millionen verkauften iPads durchbrochen, erklärte der Apple-CEO stolz. In anderen Worten: Anfang Oktober. Das wiederum lässt klare Rückschlüsse auf das abgelaufene September-Quartal zu.  

iPad-Verkäufe enttäuschen die Wall Street

Bis Ende Juni hatte Apple nach Angaben des Apple-Staranalysten Gene Munster 84,1 Millionen iPad verkauft. Blieben maximal 15,9 Millionen Einheiten – abzüglich der ersten Oktobertage. Das heißt nichts anderes, als dass Apple kaum mehr als 15 Millionen iPads im September-Quartal abgesetzt hat.

Die nächste Enttäuschung ist damit perfekt: Sowohl der Vorquartalswert von 17 Millionen Einheiten als auch die Durschnittserwartungen der Wall Street von rund 18 Millionen iPads wurden damit deutlich unterboten. Die Erwartungen an das kommende Apple-Quartal haben damit einen weiteren Dämpfer erhalten. Wie der Dreimonatszeitraum zwischen Juli und September tatsächlich ausgefallen ist, werden Anleger bereits in weniger als 48 Stunden besichtigen können.

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