NYT beeindruckt mit Special zum TV-Duell

Publishing Die US-Zeitung New York Times zeigt mit einem Special zum zweiten TV Duell zwischen Barack Obama und Mitt Romney, wozu Online-Journalismus in der Lage ist. Während des Gesprächs lieferten die Redakteure live Faktenchecks zu den Aussagen der Kandidaten und ordneten Daten mit Grafiken genauer ein. Am Tag drauf stellt die NYT zudem das gesamte Video mit Transkription online. So intensiviert die Zeitung die Debatte und profitiert auch selbst ungemein.

Werbeanzeige

Multimedialität, Interaktion und Geschwindigkeit sind die großen Stärken des Online-Journalismus – wenn man sie den gewillt ist zu nutzen. Die New York Times zeigt in einem aktuellen Fall, wie das aussehen kann. Die Zeitung begleitete das viel beachtete zweite Rededuell zwischen US-Präsident Barack Obama und Herausforderer Mitt Romney in der Nacht mit einem Liveblog. Darin berichteten direkt eine ganze Reihe von NYT-Journalisten. Sie konzentrierten sich jedoch nicht auf die reine Zusammenfassung sondern boten den viel zitierten "Second Screen" mit ergänzenden, analysierenden Informationen.
Besonders zentral dabei: Faktenchecks. Stimmt es zum Beispiel, dass die Hälfte aller Universitäts-Absolventen keinen Job bekommen haben, der dem Niveau ihres Abschluss gerecht wird, wie Romney behauptet? Ja, weiß Reporterin Catherine Rampell zu berichten. Eine Studie mit entsprechendem Ergebnis gebe es. Nicht nur kurz und prägnant haben die Macher der NYT hier gearbeitet, sondern vor allem auch schnell. Während in Deutschland zum Beispiel bei der TV-Sendung "Hart aber Fair" im Laufe des Folgetags ein gesammelter Faktencheck mit einigen kontrovers diskutierten Details erscheint, hat man hier so viel wie möglich und so schnell wie möglich gegen recherchiert. Auch Leser-Feedback holte man sich, fragte, welche Statements man aus Sicht der Nutzer einem genaueren Blick unterziehen sollte.
Im Nachgang ging man sogar noch ein Stück weiter: Nun kann man auf der Seite der New York Times das komplette Streitgespräch on-demand noch einmal ansehen und direkt zu den besonders brisanten Stellen springen. Unterhalb des Videos befindet sich eine Transkription der Debatte. Die ermöglicht Bloggern und weiteren Journalisten das schnelle zitieren.
Auch ein Stück Barierrefreiheit ist so gegeben, da Gehörlose sich das Gespräch in Gänze, oder Teile daraus, durchlesen können. Die Niederschrift läuft dabei automatisch synchron zum Video, so dass man dennoch die Gestik und Mimik der Kontrahenten betrachten kann. Ebenfalls an den jeweils passenden Stellen parallel zum Video eingeblendet werden die Faktenchecks und einordnenden Grafiken.
Mit dieser aufwändigen und interaktiven Auseinandersetzung mit dem TV-Duell haben die Journalisten der New York Times ein Musterstück Online-Journalismus aufgeboten. Sie verknüpfen verschiedene Elemente sinnvoll, arbeiten schnell und schaffen so einen Mehrwert für die Rezipienten. Aber auch für die Zeitung selbst zahlen sich Anstrengungen aus: Das Spezial wird zur Anlaufstelle aller, die sich noch einmal das Duell in Gänze oder Ausschnitte daraus anschauen wollen. Und das weit über die Stammleserschaft hinaus.
Auch im deutschsprachigen Internet sind die Anwendungen der NYT heute vielfach via Twitter und Facebook verbreitet und gelobt worden. Viele, die genauer in die Materie eintauchen wollen, informierten sich hier. Eine Wirkung, die sonst nur mit flächendeckender Werbung zu erreichen wäre, die voraussichtlich teurer wäre. Viele Blogger und einige Nachrichtenseiten verlinkten das Special zudem. Die so gewonnenen Links helfen der New York Times auch, in Suchmaschinen besser gelistet zu werden.

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige