Online-IVW-Transparenz: Die Welt zieht nach

Die Zahl der großen Nachrichten-Websites, die freiwillig die Page Impressions der bei der IVW mitgezählten Fremd-Websites veröffentlichen, wird erfreulicherweise größer. Legte Focus Online Anfang September erstmals seine Zahlen offen, tat das nun nicht nur Zeit Online, sondern auch Die Welt. Ergebnis: Größter Angebotsbestandteil neben Welt.de ist immonet.de, dahinter folgt der Metal Hammer mit immerhin 2,7 Mio. PIs. MEEDIA zieht eine Zwischenbilanz in Sachen IVW-Transparenz.

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Die Zahl der großen Nachrichten-Websites, die freiwillig die Page Impressions der bei der IVW mitgezählten Fremd-Websites veröffentlichen, wird erfreulicherweise größer. Legte Focus Online Anfang September erstmals seine Zahlen offen, tat das nun nicht nur Zeit Online, sondern auch Die Welt. Ergebnis: Größter Angebotsbestandteil neben Welt.de ist immonet.de, dahinter folgt der Metal Hammer mit immerhin 2,7 Mio. PIs. MEEDIA zieht eine Zwischenbilanz in Sachen IVW-Transparenz.

Seit Anfang August veröffentlicht die IVW bekanntermaßen die Zahlen von Fremd-Websites, die zu Dachangeboten dazu gezählt werden. So wurde durch diesen kleinen, aber wichtigen Transparenz-Schritt zum Beispiel deutlich, dass es zahlreiche heimliche IVW-Giganten gibt, deren Zahlen seit jeher gemessen, aber nie unter eigenem Namen veröffentlicht wurden.

Bei den Nachrichten-Websites wurden diese Zahlen – auch wenn es sich nur um Page Impressions und nicht die härtere Währung Visit handelt – mit besonderer Spannung erwartet, wird hier doch mehr als in anderen Branchen mit Beibooten gearbeitet, um die IVW-Zahlen der eigentlichen Nachrichten-Website nach oben zu pushen. Seit der Veröffentlichung ist nun z.B. klar, dass wer-weiss-was.de für fast 39% der N24-PIs verantwortlich ist – und das Karriere-Ressort von Spiegel Online sogar für 52% der manager-magazin-PIs. In Wirklichkeit erreicht das manager magazin mit der eigenen Website also keine 28,7 Mio. Seitenabrufe, sondern lediglich 13,3 Mio.

Eine Einschränkung der neuen Transparenz ist die 80%-Marke. Werden 80% der PIs durch das Haupt-Angebot oder weitere Bestandteile erreicht, so müssen die restlichen Page Impressions nicht mehr veröffentlicht werden. Es sei denn, der Anbieter tut dies freiwillig. Und genau das kommt allmählich in Mode. Vorreiter war hier vor vier Wochen Focus Online, seit den September-Zahlen weisen nun auch Zeit Online und Die Welt ihre Zahlen komplett aus – mit spannenden Ergebnissen. So ist nun klar, dass das populäre von der Zeit vermarktete Blog netzpolitik.org im September auf rund 400.000 Page Impressions kam, die Autoren-Plattform Carta erreichte nur 120.000.

Bei der Welt sorgt immonet.de mit mehr als 10 Mio. PIs für den neben welt.de größten Anteil, metal-hammer.de erreichte im September immerhin 2,7 Mio. PIs, rollingstone.de 2,3 Mio. und musikexpress.de 1,9 Mio. Dass all diese Websites zur Welt hinzu gerechnet werden, war lang klar, wie erfolgreich sie sind, hingegen nicht. Durch den Schritt von Focus, Zeit und Welt wird der Druck auf die Konkurrenz, ihre Zahlen ebenfalls offen zu legen, nun größer. MEEDIA zieht eine Zwischenbilanz der Transparenz bei den Top-15-Angeboten und sagt, wo die Offenlegung ebenfalls dringend vollzogen werden sollte:

– Bild.de
Der Marktführer der Nachrichtenbranche lässt bei der IVW keine relevanten Fremd-Websites mitzählen. Die Domain Bild.de kommt auf 99,29% der Angebots-PIs. Zwar zählt auch die Website der Sport Bild zu Bild.de, allerdings firmiert sie auch unter sportbild.bild.de also einer Bild.de-Subdomain. Eine Offenlegung der restlichen 0,7% wäre hier nicht sonderlich spannend.

– Spiegel Online
Ähnliche Situation wie bei Bild.de: 98,69% der Spiegel-Online-PIs stammen von der Domain spiegel.de, zu der offenbar aber auch spiegel.tv gezählt wird. Fremde Websites werden kaum mitgezählt, eine Offenlegung wird also keine spannenden Erkenntnisse bringen.

– Focus Online
Die Münchner legen ihre Zahlen seit dem August offen. Im September erreichte focus.de 82,17% der 220,8 Mio. Focus-Online-PIs, finanzen100.de kam auf 11,01% (24,3 Mio.), amica.de auf 1,88% (4,2 Mio.), wissen.de auf 1,23% (2,7 Mio.) und nachrichten.de auf 0,36% (0,8 Mio.)

– Die Welt
Neuzugang bei den Voll-Ausweisern. Wie oben beschrieben sind die größten Fremd-Bestandteile immonet.de, metal-hammer.de, rollingstone.de und musikexpress.de.

– Süddeutsche.de
Die Süddeutsche lässt mit ihrer Offenlegung weiter auf sich warten. Zwar tritt Chefredakteur Stefan Plöchinger in seinem Blog immer wieder für Transparenz und bessere Zahlen ein, bei der IVW hat die Süddeutsche aber noch keinen eigenen Schritt dahin vollzogen. Dabei wäre es durchaus interessant, wie viele der Page Impressions beispielsweise die Münchner Abendzeitung zum Süddeutsche.de-Ergebnis beiträgt. Die Domain sueddeutsche.de selbst nämlich nur 89,10%.

– n-tv.de
Auch hier wäre eine Offenlegung wünschenswert, wenn auch wohl wenig überraschend. Die Domain n-tv.de trägt starke 92,42% zum Gesamt-Ergebnis bei, der Ableger Teleboerse.de dürfte für den Rest der PIs verantwortlich sein.

– Zeit Online
Die Hamburger weisen seit diesem Monat wie Die Welt ihre kompletten Zahlen aus. Die spannendsten Ergebnisse (netzpolitik,org, Carta) haben wir weiter oben schon genannt. zeit.de selbst ist für 93,48% der Zeit-Online-PIs verantwortlich.

– FAZ.net
Hier würde eine Offenlegung nur bedingt interessante Ergebnisse liefern: Die Domain faz.net trägt 97,09% zum Gesamt-Ergebnis bei, Beiboote sind lediglich fazfinance.net, fazjob.net und fazschule.net.

– stern.de
Bei stern.de ist eine Offenlegung gar nicht möglich, da keine einzige fremde Website zu den IVW-Zahlen des Angebotes hinzu gerechnet wird. Aus Transparenz-Sicht also ein vorbildliches Verhalten.

– Handelsblatt.com
Beim Handelsblatt könnte die Veröffentlichung der kompletten Zahlen lohnenswert sein, muss aber nicht. Die Domain handelsblatt.com trägt 88,66% der Gesamt-PIs zum Ergebnis bei, die meisten sonstigen Seitenabrufe könnten auf Newsletter entfallen. Bedeutende Fremd-Websites gibt es nicht wirklich. Eine Veröffentlichung könnte hier aber Licht ins Dunkel bringen.

– Express Online
Hier gilt dasselbe wie bei Bild.de oder Spiegel Online: 98,73% der PIs stammen von express.de – eine Veröffentlichung des Restes wäre wohl unspektakulär.

– RP Online
Ein interessanter Fall, haben die Düsseldorfer doch den umgekehrten Schritt wie Focus, Zeit und Welt beschritten. Bei der ersten Ausweisung der neuen Daten Anfang August setzte man noch auf Transparenz, veröffentlichte die Zahlen von Beibooten wie Tonight.de (5,2%) oder dem 95erforum.de (2,4%). Schon beim zweiten Mal war die Transparenz verschwunden, für die September-Zahlen ist nun nur noch bekannt, dass lediglich 81,54% der PIs von rp-online.de stammen. Sollte die Domain unter die 80%-Marke fallen, muss notgedrungen mindestens ein weiterer Angebotsbestandteil veröffentlicht werden.

– DerWesten
Auch hier verschweigt man die Zahlen der Fremd-Websites, obwohl die durchaus interessant wären. Im September ist derwesten.de sogar unter die 80%-Marke gerutscht, sodass veröffentlicht werden musste, dass 13,18% der DerWesten-PIs auf reviersport.de entfielen – eine Summe von immerhin rund 10 Mio. Seitenabrufen. Die restlichen 10% bleiben derzeit aber verhüllt.

– Financial Times Deutschland
Hier gilt dasselbe wie bei stern.de. Es werden keine Fremd-Websites mitgezählt – so wie es bei der Online-IVW im Optimalfall bei allen Angeboten aussehen sollte.

– Hamburger Abendblatt
Nur noch 62,55% der Page Impressions entfielen hier im September auf abendblatt.de. Der mitgezählte Hamburg-Teil von immonet.de kam auf 24,76%, die Zahlen der anderen Beiboote wie vesseltracker.com, die zusammen auf fast 13% kommen, würden aber auch hier für mehr Transparenz sorgen.

Der Überblick zeigt: Bei der Mehrheit der Angebote ist das laut IVW-Regularien höchstmögliche Maß an Transparenz schon erreicht, bzw. nicht nötig. Insbesondere Anbieter wie Süddeutsche.de, n-tv.de, Handelsblatt, RP Online, DerWesten und Hamburger Abendblatt könnten aber noch mehr Transparenz in die Branche bringen. Von Anbietern abseits der News-Branche wie T-Online ganz zu schweigen. Das Ziel muss unabhängig von dieser Mindest-Transparenz aber sein, dass auch Visits unterscheidbar werden oder im besten Fall überhaupt keine Fremd-Websites mehr ins eigene Angebot gerechnet werden dürfen.

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