Aufregung um Paywall bei Wikileaks

Publishing Das Enthüllungsportal Wikileaks sorgt einmal mehr für Diskussionen. Die von dem in der ecuadorianischen Botschaft in Großbritannien festsitzenden Julian Assange gegründete Seite hat mit der Veröffentlichung von Dokumenten zum US-Wahlkampf begonnen. Der eigentliche Aufreger ist aber nicht der Inhalt der Dokumente, sondern dass Wikileaks für deren Einsicht Geld verlangt. Für die Anonymous-Bewegung und weitere Unterstützer des Portals, das öffentlich für den freien Zugang zu Informationen eintritt, ein Skandal.

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Über 200.000 Mails will Wikileaks veröffentlichen, die mit US-Präsident Obama, seinem Vize Joe Biden oder den republikanischen Herausforderer Mitt Romney inhaltlich zusammenhängen. Damit will sich die Enthüllungsplattform in den US-Wahlkampf einmischen. Die seit Mittwoch schrittweise veröffentlichten Nachrichten gehören zu den von Wikileaks als "GI-Files" bezeichneten Dokumenten, welche die Seite schon seit Februar veröffentlicht. Es handelt sich dabei um E-Mails aus dem Schriftverkehr der US-Firma "Strafor", einer Art privatem Geheimdienst.
Wer die "GI-Files" jedoch derzeit lesen will, wird von einer Art Paywall überrascht. Versucht man von der offiziellen Wikileaks-Seite aus zu den "GI-Files" zu gelangen, erwartet den Nutzer ein roter Layer über der Seite. Mittig ist zudem ein Video mit Julian Assange und Ausschnitten einer Rede von Barak Obama zu sehen.
Im Video ruft Assange die Zuschauer auf, für Wikileaks zu spenden. Darunter befindet sich ein Spendenformular, außerdem der Aufruf, das Video via Twitter oder Facebook weiterzuverbreiten. Layer und Video lassen sich nicht einfach wegklicken. Wer sie umgehen will, muss in seinem Browser Javascript deaktivieren. Wenn man direkt auf Unterseiten der Veröffentlichung gelangt, bekommt man den Spendenaufruf nicht zu Gesicht.
Diese Art von Paywall stieß in den sozialen Netzwerken auf große Kritik. Der Vorwurf: Eine Plattform, die für Transparenz eintritt, dürfe für die Einsicht von Dokumenten kein Geld verlangen. Vor allem dann nicht, wenn die Dokumente wie in diesem Fall von anderen an Wikileaks übergeben worden waren. Auch der bekannte US-Journalistik-Professor Jeff Jarvis twitterte sein Erstaunen. Die Hacker-Bewegung Anonymous kündigte ihre Unterstützung für Wikileaks auf. In einem längeren Schreiben nannten die Aktivisten, die Ende 2010 unter anderen durch Attacken auf Amazon und Visa ausübten, um Wikilekas zu stärken, auch die Paywall als Grund.
Wikileaks selbst reagierte abweisend auf die Vorwürfe. Via Twitter gab die Enthüllungsplattform an: "Eine Tweet-, Teil-, Warte- oder Spenden-Kampangen ist keine Paywall". An anderer Stelle nannte Wikileaks die Aktion eine "Blockade". Eine ähnliche Aktion führte das Portal bereits von Ende 2009 bis Mitte 2010 durch. Damals nahm Wikileaks jedoch die ganze Seite vom Netz und trat in einen "Streik" um Spenden zu sammeln.

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