Dapd-Pleite: „War alles Blendwerk?“

Publishing Die meisten Kommentatoren gehen hart mit der Agentur-Insolvenz ins Gericht. Für Torsten Landsberg von der taz, wie für die meisten anderen, gibt es zwei Schuldige für die Pleite: die Investoren Martin Vorderwülbecke und Peter Löw. „Dapd war aber für sie nie etwas anderes als manch europäischer Fußballklub für arabische Investoren: Ist der Spaß vorbei, landet das Spielzeug wieder in der Ecke.“ Auch für Claudia Tieschky ist die dapd-Story „eine Geschichte vom Finanzkapitalismus“.

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Torsten Landsberg, taz:
„Der Begriff Zahlungsunfähigkeit als Begründung für die Insolvenz der Nachrichtenagentur dapd ist irreführend. Es ist die Zahlungsunwilligkeit der Eigentümer, die nun rund 300 Arbeitsplätze gefährdet“. Weiter schreibt Landsberg, dass Vorderwülbecke und Löw Finanzinvestoren und Heuschrecken seien. „Sie kaufen marode Unternehmen billig auf, sparen sie gesund und stoßen sie gewinnbringend ab. Irgendwann sehnten sie sich nach Glanz und schufen dapd aus ihrem Privatvermögen. Fortan schüttelten sie Hände von Bundespräsidenten und Ministern. Das Spiel gefiel ihnen.“

Auch Michael Hanfeld befasst sich in der FAZ mit den Gesellschaftern der Agentur: „Der Ton war hart und aggressiv, wie man es von Finanzinvestoren gewohnt ist. Die dpa solle „verzichtbar“ werden, sagte Vorderwülbecke einst, sein Unternehmen verwandelte den Wettbewerb in ein juristisches Schlachtfeld, die langlaufenden Verträge der dpa missbehagten den dapd-Eignern ebenso wie die in der Tat üppigen Zuschüsse des französischen Staates für die AFP, das ging bis zur EU-Kommission“.

Claudia Tieschky, Süddeutsche Zeitung: „Die dapd-Eigner Peter Löw und Martin Vorderwülbecke sind knallharte Finanzinvestoren. Mit An- und Verkauf sind sie reich geworden, dapd betrieben sie, obwohl sie ein Zuschussgeschäft war. Stets blieb der Verdacht, dass beides nicht zusammenpasst. Aber die Branche sucht so dringend nach Helden, nach Geldgebern, die in Pressefreiheit investieren, also in das demokratische System. Die beiden bekennenden Katholiken sprachen so gern von gesellschaftlicher Verantwortung, mit der sie als Nachrichten-Mäzene auftraten. Es klang fast zu gut“.  Ihr Fazit: „Der Zauber ist vorbei“.

Ulrike Simon fragt in der Frankfurter Rundschau, ob alles „nur Blendwerk“ gewesen sei? „Vorläufiger Höhepunkt war das Sommerfest vor drei Wochen. Es war mit einigem Aufwand ausgerichtet worden. Teilnehmer sagten hinterher, es sei schon doll, was dapd da auf die Beine gestellt habe. Die Reden, die dort zu hören waren, handelten von Umsatzsprüngen, schwarzen Zahlen, gelungener und weiterer Expansion. Man sprach darüber, welche namhaften Journalisten der dapd von anderen Medien, ja, selbst von der dpa, abgeworben hatte. Am Montag nahm eine weitere Handvoll Redakteure ihre Arbeit in der Berliner Reinhardtstraße auf. Am Dienstagnachmittag, Punkt 17 Uhr, dann die Nachricht: dapd ist insolvent. Ein Schock. Damit hatte niemand gerechnet.“

In der FTD erklären Bernhard Hübner und Lukas Heiny den Hintergrund der beiden Agentur-Eigner. „Gemeinsam gründeten sie einst die Beteiligungsgesellschaft Arques, deren Geschäftsmodell es ist, sanierungsbedürftige Firmen billig zu kaufen, umzustrukturieren und teuer weiterzuverkaufen. Sie sind sehr reich geworden in dieser Zeit, stiegen aus und gründeten 2008 mit Blu-O in Luxemburg eine neue Beteiligungsfirma – mit dem gleichen Geschäftsmodell. Mit ihr kauften sie sich unter anderem bei der Werkstattgruppe Pit-Stop oder der Modekette Adler ein. Wieder verdienten sie gut.“

Im Tagesspiegel kommt Sidney Gennies zu dem Schluss, dass sich die dapd-Mitarbeiter betrogen fühlen  würden und die Führungsriege tief enttäuscht sei. Über Löw und Vorderwülbecke soll sie sagen, dass sie „einfach keinen Bock“ mehr gehabt hätten.

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