Dapd-Investoren drehen den Hahn zu

Publishing Die dapd Nachrichten GmbH und sieben weitere dapd-Töchter haben am Dienstag einen Insolvenzantrag gestellt. Für den Abend ist in der Berliner Zentrale eine Betriebsversammlung angesetzt. Was der vollkommen unerwartete Schritt für die Mitarbeiter und die Arbeit der Nachrichtenagentur bedeutet, ist noch unklar. Eigentümer Martin Vorderwülbecke hatte wiederholt darauf hingewiesen, wie gut sich das Unternehmen entwickele. Nun heißt es, die Eigentümer wollten das Unternehmen nicht mehr finanzieren.

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Am Dienstag wurde für insgesamt acht Unternehmen der dapd Holding ein Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung beim Amtsgericht in Berlin-Charlottenburg gestellt. Eine Abwicklung soll es demnach nicht geben. Auf Vorschlag des Gesellschafters wurde Dr. Wolf von der Fecht, Partner der Düsseldorfer Sozietät Metzeler von der Fecht, zum alleinigen Geschäftsführer der insolventen bzw. von Insolvenz bedrohten Gesellschaften bestellt. Der Rechtsanwalt wird bis Ende November prüfen, in welcher Form für die Gesellschaften eine Fortführungsperspektive besteht. Von der Insolvenz ausgenommen sollen ddp images und ddp direct sein. Geschäftsführer Cord Dreyer hat sein Amt niedergelegt und soll weiter als Berater wirken. "Das neue Insolvenzrecht bietet Chancen, die wir gemeinsam nutzen werden, um für die Unternehmen und ihre Mitarbeiter zukunftsfähige Lösungen zu finden", kommentiert Miteigentümer Vorderwülbecke.

Dapd teilt mit: "Während des vorläufigen Insolvenzverfahrens sollen die dapd-Gesellschaften die Nachrichtenproduktion wie bisher fortsetzen."

Konkrete Unternehmenszahlen hatte die Gruppe seit 2009 nicht vorgelegt. Die dapd-Holding, zu der zahlreiche weitere Unternehmungen gehören, sollte in diesem Jahr 50 Millionen Euro Umsatz erreichen, kündigte Mitgesellschafter Martin Vorderwülbecke Anfang des Jahres in einem Interview mit MEEDIA an. Möglich wurde die Verzehnfachung des Umsatzes seit 2004, weil Vorderwülbecke und sein Kompagnon Peter Löw massiv eigene Mittel in die Agentur-Holding investierten. Die wichtigsten Etappen: Kauf von AP Deutschland und Fusion mit ddp zur neuen Agentur dapd. Aufbau eines neuen Sportdienstes in Deutschland. Eine Reihe von Zukäufen in Frankreich, zuletzt AP France, und Aufbau einer Vollagentur mit Sitz in Paris. Kauf der Picture Press von Gruner+Jahr. Gründung einer Tochteragentur für Prominews. Das ist eine Menge Holz, die Geschwindigkeit ist hoch, es stellte sich nur stets die Frage: Wohin wollen die Eigentümer?

Vorderwülbecke und Löw sind im Hauptberuf Finanzinvestoren. Warum sie sich seit Jahren intensiv um die Nachrichtenagentur kümmern, obwohl im klassischen Agenturgeschäft keine großen Renditen möglich sind, ist unklar. Bei der Eröffnung des Berliner Büros in repräsentativer Lage begründete Löw das Engagement 2010 mit dem Einsatz für die Demokratie. Die Holding müsse nicht zwingend Geld verdienen. Andere mögliche Motive, die von Beobachtern immer wieder im Hintergrund genannt wurden: Der Wunsch nach Nähe zu politischen Akteuren, das Schmücken mit einem Medienunternehmen. Auch: Die Chance, anderen Firmen, die mittel- oder unmittelbar in einem Verhältnis zu Löw und Vorderwülbecke stehen, mediale Präsenz zu ermöglichen.  

Löw und Vorderwülbecke waren Eigentümer der Finanzfirma Arques, zogen sich dann zurück und machten mit der Firma BluO weiter. "International Restructuring", steht auf der Webseite der Investmentfirma. Ab 50 Millionen Euro Umsatz aufwärts seien Firmen für BluO interessant. Bedingung: Sie müssen Verluste schreiben oder deutlich unter ihren Möglichkeiten bleiben. Das Magazin Euro schätzt allein das Vermögen von Peter Löw auf 250 Millionen Euro. Auch dapd passte ins Beuteschema der Investoren, aber die Eigentümer zeigten eine für andere Investments untypische Anhänglichkeit. Nach einem Kauf von ddp via Arques 2004 und Rückzug des Duos aus der Firma folgte der zweite Kauf im Jahr 2009. Nicht via BluO, sondern mit Löw und Vorderwülbecke als den handelnden Personen im Vordergrund. Beim dapd-Sommerfest, das jüngst in Berlin ausgerichtet wurde, ließen sich die Eigentümer mit hochkarätigen Gästen aus Politik und Gesellschaft ablichten.

In dem Euro-Interview hatte Löw gesagt: "Wenn wir eine Firma erfolgreich restrukturiert haben, verkaufen wir sie wieder. Das gewöhnliche Tagesgeschäft ist langweilig." Für dapd scheint es nun in die andere Richtung zu gehen. Warum der überraschende Schritt nach so vielen Jubelmeldungen? Unklar. Klar ist, dass der Expansionskurs von dapd am Dienstag ein vorläufiges Ende gefunden hat.

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