Steinbrück: „Ich werde nicht twittern“

Publishing SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück wirbt seit dem Wochenende in der ganzen Republik um Wähler. In der ganzen Republik? Nein, ein kleines Dorf namens "Internet" meidet der Politiker. In einer Podiumsdiskussion mit dem Titel "Social Media & Politik: Mehr Kommunikationskanäle- weniger Dialog?" äußert sich Steinbrück zum Web 2.0 und schwärmt von der "guten, alten Zeit des Postwegs". Auf Twitter wolle er keinen Wahlkampf machen- und das obwohl er hier Nachholbedarf seiner Partei sieht.

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Es mag ein Zufall sein, dass Peer Steinbrück ausgerechnet vergangene Woche, kurz vor der öffentlichen Bestätigung seiner Kanzlerkandidatur beim "UdL Digital Talk" ausführlich über Social Media im Wahlkampf sprach. Doch ob Zufall oder nicht, bietet der heute ins Netz gestellte Mitschnitt der Veranstaltung einen guten Einblick in die Ansichten des SPD-Manns in Sachen Social Web.
Bislang fällt der Kanzlerkandidat nicht durch ausgiebige Online-Aktivitäten auf. Es gibt eine eigene Website mit begrenztem Inhalt. Und es gibt eine eigene Facebook-Seite, die der 65-Jährige jedoch nicht selbst bestückt, sondern von seinen Mitarbeitern pflegen lässt. Soweit so gut. Das alles spricht zwar nicht von sonderlicher Netz-Aktivität, allerdings war Steinbrück bis vergangenen Freitag streng genommen auch nur ein einfacher Bundestags-Abgeordneter.
Legt der Ex-Finanzminister also jetzt erst richtig los? Wohl nicht. Er werde nicht twittern. Er mache keinen Sinn, in eine Welt zu treten, in der er nicht authentisch sein könne, so Steinbrück auf dem Podium. Doch warum würde man ihn den twitternden Politiker nicht abnehmen, wird gefragt. Steinbrücks Antwort: "Weil die meisten Leute sagen würden, das tut er jetzt nur, weil da ein magisches Datum im September nächsten Jahres ist."
Ganz Unrecht hat der Politiker mit seiner Befürchtung nicht. Seine Parteikollegin Hannelore Kraft hat es vorgemacht: Nach ihrer Wiederwahl stellte sie ihre Twitter-Aktivitäten weitestgehend ein, was ihr in der Netzszene Kritik einbrachte. Andererseits: Sie hat ihre Wahl gewonnen, was Steinbrück erst noch schaffen will.
Und dafür soll auch das Social Web Bedeutung gewinnen. Denn auch, wenn er selbst mit den Kommunikationswegen nicht viel anzufangen weiß, betont der Politiker: Gerade die Parteien hätten Nachholbedarf im Web. Sie müssten sich auf die neuen Kanäle einlassen. Seine kritische Grundeinstellung gegenüber dem Internet trübt diese Aussage jedoch nicht.
Steinbrück betont: "Die Internet-Giganten manipulieren." Durch leichte Veränderungen von Algorithmen würde die Wahrnehmung für viele verändert. Kritisch sieht er auch, dass viele junge Leute Unmengen an persönliche Daten ins Netz stellen. Steinbrück nennt das "erstaunlich" und macht klar, dass er Angst habe, dass diese Daten zum Beispiel von Regierungen genutzt würden.
Ein weiterer Kritikpunkt am Social Web sind für den Kanzlerkandidaten die Umgangsformen. Dies sei freilich nicht allein auf das Internet zurückzuführen, dennoch verstärke es unsachliche Kommunikation: "Das Medium ist daran nicht schuld, aber die Potentiale sind ganz anders, als zur guten, alten Zeit des Postwegs."
Ob Steinbrück mit diese Ansichten und seinem Fernbleiben im Web 2.0 im Wahlkampf punkten kann? Spiegel Online zitiert Martin Reyher von Abgeordnetenwatch, der das Ganze kritisch sieht. Er sagt: "Heutzutage ist es etwas wenig, nur zu senden und nicht zu empfangen." Das Konzept rieche danach, dass der Politiker sich nicht angreifbar machen wolle. Unter den Zuhörern hingegen bekam Steinbrück Zuspruch für seine Ansichten, wenn auch zugegebener Weise von älteren Mitmenschen.
Ob der SPD-Kanzlerkandidat bei seinem Kurs bleiben wird, wenn es darum geht der Kanzlerin Wählerstimmen abzujagen, wird man beobachten müssen. Die ist zuletzt mit verschiedenen Online-Formaten in Aktion getreten – und ihr wurde dafür zum Teil viel Spott entgegen gebracht, wie jüngst im Fall der "Tele Townhall". Auch Steinbrück sagt zu den Web-Aktionen seiner Konkurrentin: "Ob das immer so erfolgreich war, das lass ich mal dahin gestellt." Und schießt angesichts der verschiedenen Aktivitäten Merkels gleich hinterher: "Ich würde mich fragen, wann denkt sie nach?"
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