iPhone 5: Tarnkappenbomber im Schafspelz

Tech Es ist schneller, größer, aber vor allem eines: sehr viel leichter. Eine Woche hat MEEDIA das neue iPhone 5 auf Herz und Nieren getestet. Die Erwartungen an die sechste Smartphone-Generation aus Cupertino waren hoch. Ebenso hoch ist der Frust bei vielen Kunden, die trotz Premieren-Tickets noch immer auf das Apple-Smartphone warten. Lohnt sich der Kauf des verteuerten Geräts überhaupt? Ist der Unterschied zum Vorgänger groß genug? Ja, auch wenn man es dem Gerät nicht auf den ersten Blick ansieht.

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Es ist schneller, größer, aber vor allem eines: sehr viel leichter. Eine Woche hat MEEDIA das neue iPhone 5 auf Herz und Nieren getestet. Die Erwartungen an die sechste Smartphone-Generation aus Cupertino waren hoch. Ebenso hoch ist der Frust bei vielen Kunden, die trotz Premieren-Tickets noch immer auf das Apple-Smartphone warten. Lohnt sich der Kauf des verteuerten Geräts überhaupt? Ist der Unterschied zum Vorgänger groß genug? Ja, auch wenn man es dem Gerät nicht auf den ersten Blick ansieht.

Erster Eindruck und
Verarbeitung
Bevor das iPhone 5 den deutschen Markt erreichte, konnte man auf CultofMac den Test eines US-Bloggers nachlesen. Dieser beschrieb, dass er beim Auspacken das Gewicht des iPhone 5 überschätzte, und es mit einem Satz aus dem Karton durchs Wohnzimmer schleuderte. Zum Glück hatte er einen Teppich ausgelegt, der den Sturz abfederte. Was sich reichlich übertrieben anhört, sollte sich aber als Realität herausstellen. Bei all den Designänderungen ist das Gerät im Vergleich zum Vorgänger einfach irre leicht. "Irre" heißt in diesem Fall: Selbst nach einer Woche ist schwer festzumachen, ob die ultraleichte Bauweise ein Meisterstück der Ingenieurskunst ist oder ob das Gerät doch nicht zu leicht ist. Die Fakten: 112 Gramm wiegt es im Vergleich zu 140 Gramm beim Vorgänger. Letzten Endes hat das iPhone 5 allerdings kein wirklich wahrnehmbares Gewicht mehr – in etwa vergleichbar mit einer zur Hälfte gefüllten Zigarettenschachtel.

Dennoch fühlt sich das Gehäuse wertig an. Die Rückseite aus Metall gibt dem leichten Korpus Stabilität und fühlt sich griffiger an als seine Vorgänger. Apple hat das Gerät mit dem Vier-Zoll-Display nicht nur in die Länge gezogen, sondern den Rahmen erstmalig nicht in Alu, sondern in Weiß bzw. Schwarz verbaut. Damit ähnelt das schwarze Modell ein wenig einem Tarnkappen-Bomber. Die diamantgeschliffenen Kanten verstärken diesen Eindruck. Dadurch sieht das iPhone 5 extrem maskulin aus, was nicht jedem gefallen dürfte.

Gepaart mit einer extrem dünnen Bauweise (in etwa iPhone 4S minus Glasfront) kommt das neue Smartphone von Apple schon recht gewöhnungsbedürftig daher: leicht wie eine Feder, metallisch wie ein Tarnkappenbomber und sehr dünn. Auch wenn das Redesign nicht jedem gefällt, ist das iPhone 5 eine radikale Ausbesserung der bekannten Probleme beim iPhone 4S: die anfällige Glashülle, das Gewicht und das im Vergleich zur Konkurrenz kleine Display. Gut gemacht, Apple.

Usability
Der längliche Bildschirm im 16:9-Format sticht sofort ins Auge, erinnert ein wenig an einen Fernseher, der hochkant liegt. Beim Betrachten von Filmen und Serien, Kalendereinträgen und Webseiten ist das Mehr an Auflösung ein Plus. Bewegtbild wird ohne störende Balken wiedergegeben, auf Webseiten ist mehr zu sehen, im Kalender sind auf einen Schlag fünf Tage in der Übersicht. Apple legt großen Wert darauf, das Display aus Gründen zwar verlängert, aber nicht verbreitert zu haben. So soll das Smartphone über eine weitere Reihe Icons im Homescreen verfügen, die sich dann auch einfach erreichen lässt. In der Praxis bestätigte sich diese Annahme. Jede App auf dem Homescreen lässt sich anwählen, ohne dafür die Position in der Hand zu verändern.

Der neue Dock-Connector “Lightning” ist zwar mit Blick auf die nötigen Adapter, um die Anlage auch weiterhin zusammen mit dem iPhone zu betreiben, ein Ärgernis. Allerdings ist das Redesign durchdacht: Vorbei sind die Zeiten, an denen man trotz Beschriftung das Ladekabel falsch herum aufstecken will. Der “Lightning”-Connector ist so groß wie ein kleiner Fingernagel und extrem robust. Wirklich praktisch ist die Tatsache, dass es egal ist, wie herum man ihn ins iPhone steckt.

Sound
Bislang war die Rubrik Sound nicht Bestandteil von MEEDIA-Reviews. Aber das iPhone 5 ist laut, richtig laut. Bei voller Lautstärke tönen die Lautsprecher dermaßen, dass man im Freibad schnell böse Blicke ernten dürfte. Wirklich beeindruckend sind allerdings die neuen EarPods. Die sehen zwar aus wie Pferdeköpfe, aber haben es in sich.

Die Basswiedergabe ist enorm, und die Höhen extrem gut hörbar. CultofMac attestierte den EarPods mehr Bass als dem Vergleichsmodell “Beats by Dr. Dre". In meinem Fall war der Gesamteindruck besser als der von vergleichbaren Modellen der Marken Senneheiser und AKG, über die ich sonst Musik höre. Einzig der Sitz im Ohr will nicht vollends überzeugen. Hier wäre eine rutschfeste Gummibeschichtung wünschenswert.

Software
Eines der meistgenutzten Features im neuen iOS 6 nach einer Woche ist die Panoramafoto-Funktion. Wer weiß, wie aufwändig das Zusammenfügen von Einzelaufnahmen ist und bislang vergeblich meherere Panorama-Apps ausprobiert hat, wird dankbar sein. Es ist ein kleines Feature, das dafür umso mehr Spaß macht.

Wenn man den Dreh im wahrsten Sinne des Wortes raus hat, streicht man einmal das gewünschte Panorama ab und hat die Aufnahmen umgehend im Kasten.
Die 3D-Maps sind eine Katastrophe, das hat Apple bereits zugegeben. Darüber hinaus ist die Benutzung noch direkter. Alles funktioniert schneller und unmittelbarer als beim Vorgänger iPhone 4S.

Akkuleistung
Apple hat seinen Akku nicht vergrößert, dafür allerdings das Power-Management überarbeitet. Im Ruhemodus werkelt der verbaute Prozessor mit 800 Mhz, unter Volllast greift er auf 1,2 Ghz zurück. Das spart Strom. Im 3G-Modus im E-Plus-Netz ließ sich im Vergleich zum Vorgänger iPhone 4S ein enormer Unterschied in Sachen Stromverbrauch festmachen. Bei normaler Nutzung (Telefonie, Browsing, Fotografie, Spielen) hielt das iPhone 5 sogar knapp über zwei Tage mit einer Akkuladung durch. Anders sieht es bei LTE aus. Wer schnell surft, der hat auch schnell einen leeren Akku. In diesem Fall bleibt es bei dem obligatorischen einen Tag ohne Aufladen.

Grafik
Ein Unterschied in Sachen Auflösung zum Vorgänger iPhone 4S fällt nicht auf. Das Display ist länger und genauso brillant wie alle Retina-Displays. Noch fehlt es an Apps, die die versprochene doppelte Grafikleistung auch zu nutzen wissen. Allerdings belegen die Benchmarks, dass es sich nicht um eine Werbelüge handelt. Das iPhone 5 weist den Konkurrenten Galaxy S3 von Samsung in Sachen Geschwindigkeit und Grafik in allen Kategorien in die Schranken und duelliert sich an der Spitze nur noch mit dem neuen iPad. Einbußen bei der Fotoaufnahme sind trotz schmalerer Bauweise nicht wahrnehmbar, bei schlechten Belichtungsverhältnissen wirkt das Bild sogar weniger körnig.

Gesamteindruck
Fassen wir noch einmal zusammen: Das iPhone 5 ist extrem dünn und leicht. Eigenschaften, die ein gutes Smartphone ausmachen. Auch wenn das längliche Display und die Tarnkappen-Optik gewöhnungsbedürftig sind, fühlt sich das Gerät wertig an. Den Vorsprung in Sachen Power-Management im UMTS-Modus gibt das Apple-Smartphone allerdings im LTE-Modus wieder ab. Soll man also die mindestens 679 Euro investieren?

Wer ein iPhone vor dem 4S besitzt, dürfte eine enorme Verbesserung spüren. Beim iPhone 4S gerät der Wechsel allerdings zur Luxusfrage. Hier ist der Mobilfunktvertrag gerade einmal ein Jahr alt, der volle Preis würde fällig. Zwar ist das iPhone 5 leichter, schneller und dünner. Ob diese Eigenschaften aber auch das Geld wert sind, muss jeder für sich entscheiden.

Bei dieser Review handelt es sich um die Eindrücke, die nach einer Woche in Benutzung gesammelt wurden. Andere Testresultate können abweichen. Wir werden das Gerät weiterhin auf Herz und Nieren testen.

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