Stadtmagazin Tip prüft „Zukunftsmodelle“

Publishing Als das Londoner Stadtmagazin TimeOut diese Woche die Umstellung auf eine Kostenlosverteilung vollzog, lag die Frage nahe: Wäre das auch etwas für deutsche Kauf-Stadtmagazine? Antwort vom Berliner Tip: Vielleicht. "Wir prüfen ergebnisoffen auch die Variante eines kostenlosen Tip", teilt Michael Braun, Geschäftsführer beim Berliner Verlag, zu dem der Tip gehört, mit. Diese Alternative sei "sehr interessant", aber nur eine von mehreren möglichen "Zukunftsmodellen".

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Was laut Braun für die Kostenlosvariante spräche: "Über eine größere Reichweite können auch Anzeigenkunden erreicht werden, die außerhalb der klassischen Zielgruppe (Kino, Kultur, etc.) liegen." Ähnliche Beweggründe haben auch den TimeOut-Verlag dazu gebracht, das Stadtmagazin künftig in Auflagenhöhe von 300.000 gratis zu verteilen. Die verkaufte Auflage lag nach Verlagsangaben zuletzt bei 55.000 Exemplaren zum Preis von 3,25 Pfund. Die Entscheidung von TimeOut nennt Braun "sehr interessant", dennoch sei der Londoner Markt ein anderer, weil es dort mehr kostenlose Medien gebe, sowohl Stadtmagazine (u.a. Shortlist) wie Zeitungen (u.a. London Evening Standard).

Eine weitere Alternative sei der Aufbau zusätzlicher crossmedialer Angebote. Braun: "Wir arbeiten an einem Zukunftsmodell, das sich auch den neuen und jüngeren Zielgruppen in der Hauptstadt annimmt. Der Tip ist eine starke bekannte Marke." Für die Prüfung der verschiedenen Modelle hat man sich im Verlag drei Monate gegeben, also bis etwa Jahresende. Der Tip, der alle zwei Wochen erscheint, verkauft pro Ausgabe durchschnittlich 35.112 Exemplare (IVW II/2012). Vor zehn Jahren lag die verkaufte Auflage in etwa doppelt so hoch. Der Verkaufspreis am Kiosk liegt derzeit bei 3,50 Euro.

Mit dem Mitbewerber Zitty vom Tagesspiegel Verlag, der alternierend mit dem Tip erscheint, liefert sich der Tip seit Jahrzehnten einen Kampf um die Stadt. So richtig gut geht es aber beiden Titeln nicht, die Zeiten für gedruckte Stadtmagazine sind wegen zahlreicher Online-Services nicht einfach. Beide Magazine arbeiten seit 2007 auf einem Feld zusammen – damals übernahmen die Verlage gemeinsam die Cine Marketing GmbH. Seither werden die Veranstaltungstipps von dieser Tochterfirma erstellt, die auch andere Verlage mit Programmdaten beliefert. Eine weitergehende Kooperation gibt es bisher nicht, sie wäre vermutlich kartellrechtlich problematisch. Ob auch Zitty den Weg in die Kostenloskultur zumindest als Option sieht, beantwortete der Verlag auf Nachfrage nicht.   

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