Deutsche Huffington Post nicht vor 2013

Publishing Vor knapp einem Jahr kündigte Jimmy Maymann, der bei AOL für die Internationalisierung der Huffington Post zuständig ist, bei MEEDIA den Start einer deutschen Ausgabe des in den USA erfolgreichen Newsportals an. Bis heute ist nichts passiert. Wie der Tagesspiegel heute berichtet, findet die HuffPost offenbar keinen deutschen Partnerverlag. Zum Start der italienischen Ausgabe in dieser Woche beharrte Arianna Huffington indes darauf, auch in Deutschland zu starten.

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Tatsache ist, dass eine Reihe von Verlagen nach Gesprächen mit Maymann abgewunken hat. Der Tagesspiegel nennt in seinem Artikel Spiegel, Gruner+Jahr, Burda, Süddeutscher Verlag und Verlagsgruppe Handelsblatt. Besonders weitgehende Verhandlungen hat aber nach MEEDIA-Infos keiner der genannten Verlage mit der Huffington Post geführt. Die Fragen, die bei allen Gesprächspartnern im Vordergrund standen: Was bringt eine neue Marke Huffington Post im Markt, die erst noch aufgebaut werden muss? Was könnt ihr, was wir nicht können? Gibt es überhaupt eine Marktlücke auf dem dicht besetzten deutschen Online-News-Markt? Warum sollten wir die Hälfte der Erlöse mit euch teilen, wenn wir die ganze Anschubfinanzierung beibringen sollen? Usw.

In der Tat sind die Rahmenbedingungen im deutschen Markt, der ein großes Spektrum von Newsportalen auch unterschiedlicher politischer Coleur aufweist, eher ungünstig. Fraglos wäre es wünschenswert, wenn ein neues Portal den etablierten Seiten etwas mehr Dampf machte, was neue Darstellungsformen und die Einbeziehung der Nutzer angeht. Doch ob die Huffington Post das leisten könnte, und mit welchem Partner, ist fraglich. Zum jetzigen Zeitpunkt würden sich die führenden Portale eigentlich nur selber Konkurrenz machen und müssten die Werbeerlöse sogar teilen. Indes ist es das Prinzip von Huffington, in allen Ländern außerhalb der USA mit einem Partner zu starten – vorzugsweise einem Partner aus der klassischen Verlagswelt.

Sinnvoll wäre eine Ergänzung eines bestehenden Online-Portfolios erst, wenn die Mehrheit der deutschen Newsportale Bezahlinhalte einführte – und diese damit eine Lücke für ein großes populäres kostenloses Portal aufmachten. Die Axel Springer AG, die noch in diesem Jahr Bezahlinhalte für Welt Online einführen will, hat übrigens bereits im Vorfeld abgewunken, was Huffington angeht – offenbar sehen die Springer-Manager das Gratismodell inkompatibel zu ihrer eigenen Strategie. Zudem profiliert sich die HuffPost auch als Aggregator von Inhalten im Netz – und solchen Praktiken will Springer ja mit dem Leistungsschutzrecht einen Riegel vorschieben.

Arianna Huffington zählte in einem Interview anlässlich des Italien-Starts auf, welche Länder als nächstes dran seien. Dabei nannte sie Deutschland an erster Stelle. Auf Nachfrage sagt Jimmy Maymann, er könne dazu noch nichts Offizielles sagen. Ob das eine Verzögerungstaktik ist? Oder ob sich doch ein deutscher Investor in den Ring wagt? Vermutlich ist das eine Frage der Konditionen. In diesem Jahr wird es mit großer Wahrscheinlichkeit jedenfalls nichts mehr mit einer deutschen HuffPost.  

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