brand eins kündigt Klage gegen Presserat an

Publishing Diesmal gab der Presserat seine Beschlüsse tropfenweise bekannt. Erst sickerte durch, dass Franz-Josef Wager für seinen Text zur Home-Ehe keinen Ärger von den Medienwächtern bekommt, dann kassierte die Titanic eine Rüge wegen ihres Papst-Covers, und nun folgen weitere Rügen für Bild, Bild.de und brand eins. Erstere hatten das Foto eines falschen Mordopfers veröffentlicht. Das Wirtschaftsmagazin soll verdeckt geworben haben - brand eins widerspricht energisch und kündigt juristische Schritte an.

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Das Wirtschaftsmagazin hatte im Auftrag des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie eine Beilage produziert, die mit der regulären Ausgabe des Magazins verkauft wurde. Das Heft hatte die Überschrift "Hilfe! – Zwischen Krankheit, Versorgung und Geschäft" und bezeichnete sich als "Ein Magazin über die Pharmaindustrie".
In dieser Publikation sahen die Medienwächter die "gebotene klare Trennung" von Redaktion und Werbung verletzt. "Für den Leser erweckte sie den Eindruck einer Sonderausgabe von brand eins". Weiter heißt es in der Begründung: "Es handelte sich jedoch um eine Auftragsproduktion, die von einem Verband finanziert wurde. Das Gremium ging davon aus, dass dessen Interessen Einfluss auf die Grundrichtung des Heftes genommen haben. Durch diese Art von Publikation und das dahinter stehende Geschäftsmodell gerät die Glaubwürdigkeit der Presse in Gefahr."
Ganz anders die Darstellung von brand eins, wo man dem Presserat schwere Versäumnisse attestiert. Dieser habe nicht erkannt, dass der betreffende Text nicht dem Magazin, sondern der Corporate Publishing-Tochter zuzuschreiben sei. Wörtlich erklärte der Verlag:
"Der Presserat hat gestern eine Pressemitteilung verbreitet, in der er über eine gegen brand eins ausgesprochene Rüge berichtet. Über die Rüge – die brand eins bisher nicht vorliegt – heißt es in der Pressemitteilung: "Die Redaktion des Wirtschaftsmagazins hatte – im Auftrag des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie – eine Publikation geschrieben …". Dies entspricht nicht den Tatsachen. Nicht nur im Impressum der gerügten Publikation, sondern auch in der Stellungnahme, die die brand eins Redaktions GmbH & Co. KG im Rahmen des Beschwerdeverfahrens gegenüber dem Presserat abgegeben hat, wird ausdrücklich mitgeteilt, dass es sich um eine Publikation der Verlagstochter brand eins Wissen GmbH & Co. KG handelt. Dabei handelt es sich um die Corporate Publishing-Gesellschaft der brand eins Medien AG, mit eigener Geschäftsführung und eigener Redaktion, die seit 2001 Publikationen im Auftrag erstellt. Die Redaktion des Wirtschaftsmagazins brand eins war zukeinem Zeitpunkt in die Arbeit an dieser Fremdproduktion involviert.brand eins wird gegen die Falschmeldung des Presserats juristisch vorgehen."
Eine nicht-öffentliche Rüge erhielt Bild.de mit seiner Berichterstattung über einen Mann, der seine beiden Nichten umgebracht hat. Das Nachrichtenportal veröffentlichte Auszüge aus den Briefen des Täters aus dem Gefängnis. Des weiteren enthielt der Artikel ein Foto der beiden Mädchen. Darin sah der Presserat einen schweren Verstoß gegen den Opferschutz. Zusammen mit Bild kassierte Bild.de noch eine Rüge für die Veröffentlichung des Fotos eines falschen Mordopfers. Eine junge Frau war von ihrem Mitbewohner getötet worden. Darauf hin zeigten die Boulevard-Angebote ein Foto, das das vermeintliche Opfer zeigen sollte. Allerdings war eine andere Person auf dem Bild zu sehen. "Aus Sicht des Presserates gab es kein begründbares öffentliches Interesse an der Veröffentlichung eines solchen Fotos", heißt es in der Begründung. Die Zeitung verstieß daher in "schwerer Weise" gegen Ziffer 8 des Pressekodex. "Mit der Veröffentlichung des Fotos hatte die Zeitung zudem die Sorgfaltspflichten nach Ziffer 2 des Pressekodex erheblich verletzt: Das Foto zeigte nicht die Getötete, sondern eine Frau gleichen Namens". Für die Verwechslung hatte sich Bild öffentlich entschuldigt.
Auch der Redaktionsdatenschutz-Ausschuss tagte und sprach eine Missbilligung gegen eine nicht näher genannte Tageszeitung aus, weil diese bei ihrer Kriminalberichterstattung sensible Daten veröffentlicht hatte. In einem Beitrag über einen Mord nannte die Redaktion die genaue Adresse des Tatortes – mit Straße, Hausnummer und Stockwerk.
Die aktuelle Sitzung der Kammern kommentiert die Vorsitzende Katrin Saft: "Im Internetzeitalter ist die Sensibilität der Bevölkerung für den Schutz ihrer persönlichen Daten gestiegen. Das Thema redaktioneller Datenschutz ist in der Öffentlichkeit angekommen. Die zunehmende Anzahl von Beschwerdefällen zeigt die gewachsene Bedeutung des Ausschusses."
Bereits am Dienstag hatten sich die Medienwächter mit der heftig kritisierten Kolumne von Franz-Josef Wagner zur Homo-Ehe beschäftigt. Dieser Text vom 23. August wurde als legitime Meinungsäußerung gewertet. Dabei handle es sich laut Tagesspiegel "um eine kritische Positionierung, die man nicht teilen muss, die aber vom Recht auf freie Meinungsfreiheit gedeckt ist". Zu Wagners Beitrag waren 70 Beschwerden beim Presserat eingegangen. In den meisten der eingegangenen Beschwerden wurde Wagner eine Verletzung des Diskriminierungsverbots im Pressekodex vorgeworfen. Dem schloss sich der Presserat jedoch nicht an. Eine Diskriminierung sehe man als "nicht gegeben".
Im Fall der Beschwerden über das Titanic-Cover zur "Vatileaks"-Affäre gab der Presserat den Kritikern recht. Die Berliner beschäftigten sich mit dem Titelbild, und kamen zu dem Schluss, dass die Darstellung, "die Papst Benedikt XVI. als inkontinent und mit Fäkalien beschmiert" zeigt, "entwürdigend und ehrverletzend" sei. Deshalb sprach der Beschwerdeausschuss 1 des Deutschen Presserats eine Rüge gegen die Satirezeitschrift aus. Insgesamt 182 Beschwerden lagen den Medienwächtern hierzu vor. "Zwar hat Satire die Freiheit, Kritik an gesellschaftlichen Vorgängen mit den ihr eigenen Stilmitteln wie Übertreibung und Ironie darzustellen. Im vorliegenden Fall wurde die Grenze der Meinungsfreiheit jedoch überschritten", heißt es in der Erklärung der Berliner. Sie sahen keinen Sachbezug zur Rolle des Papstes in der "Vatileaks"-Affäre. "Die Person Joseph Ratzinger wird von Titanic als "undichte Stelle" tituliert und durch die befleckte Soutane der Lächerlichkeit preis gegeben. Dies ist nicht mehr von der Meinungsfreiheit gedeckt."

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