Massenhaft Magazingründungen: Print lebt!

Publishing Seit Jahren gehen die Auflagen zurück, die Werbeeinnahmen sahen auch schonmal besser aus, die Zeitschriftenverlage müssten also eigentlich depressiv ihrer Endzeit entgegen jammern. Doch weit gefehlt: Kaum ein Tag vergeht derzeit, an dem kein neues Magazin am Kiosk liegt. Das Interessante: nicht nur kleine Nischentitel und ohnehin ständig neue Kinderzeitschriften kommen dabei auf den Markt, sondern auch zahlreiche Hochglanz-Magazine. MEEDIA liefert den Überblick auf die aktuellen Zeitschriften-Gründungen.

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Vor allem bei Burda scheint im zweiten Halbjahr 2012 eine neue Gründerzeit ausgebrochen zu sein. Im August ging Cover nach zwei Tests im Vorjahr in Serie, im September erschien die erste Ausgabe vom Focus-Ableger Diabetes, zudem Treat, die Abschlussarbeit der Burda-Journalistenschüler, und das Hochglanz-Einrichtungs-Style-Magazin Places of Spirit. Angekündigt ist auch noch ein Print-Ableger des RTL-II-Automagazins Grip und bereits am Donnerstag erscheint der Playboy-Ableger Playboy Cars. Auch bei Bauer gibt es derzeit eine Neugründungs-Laune: Meins, das Magazin für Frauen ab 50, erscheint seit August, ebenso kam im August in Kooperation mit Sport1 erstmals ein Bundesliga-Sonderheft auf den Markt und am Freitag debüttiert der View-Konkurrent Picture am Kiosk. Die beiden anderen großen Zeitschriftenhäuser, Springer und G+J halten sich hingegen zurück. So ist die größte aktuelle Print-Innovation bei Springer wohl schon der Country-Music-Oneshot Rookie, G+J veröffentlichte am Donnerstag die zweite Ausgabe des Best-Ager-Titels viva, hat ansonsten derzeit aber wohl mehr mit sich selbst als mit neuen Produkten zu tun.

Doch auch abseits der vier traditionellen Großverlage tut sich derzeit einiges: Im Juli kam Galileo Genial als Wissensmagazin für Kinder auf den Markt, Panini startete LandKind, im August brachte Klambt die Erstausgabe von Flair, zudem erschien z.B. das Bayern Journal für Fans des Fußballclubs, die F.A.Z. zweitverwertet Geschichten in der neuen Zeitschrift F.A.Z. Thema. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Hinzu kommt die übliche Vielzahl von Kindermagazinen wie Angelina Ballerina oder Die Oktonauten, Nischen-Titel wie Camera und vieles mehr. Selbst eine Internetfirma wie Unister Media hat das Papier für sich entdeckt und startete dieser Tage nach dem Juli-Launch des ab-in-den-Urlaub-Magazins auch noch einen Print-Ableger für Auto.de.

Das Innovations-Tempo der Zeitschriftenverlage nimmt auch in den kommenden Wochen und Monaten nicht ab: Im Oktober kehrt Yps mit neuem Konzept zurück, Chip launcht einen Smartphone-Tablet-Ableger namens Chip Touch, mit Octane kommt ein Hochglanz-Automagazin aus England nach Deutschland und mit AFAR ein Reisemagazin aus den USA. Auch das Land-Segment bekommt weiteren Zuwachs: Landzauber. Der spektauklärste Neustart im November dürfte der wöchentliche New Scientist aus dem Spiegel-Verlag sein und für den Dezember sind bereits Wolfram Weimers neues pardon und eine deutsche Version des lonely planet travellers angekündigt.

Doch warum erscheinen weiterhin so viele neue Magazine, obwohl Auflagen- und Umsatzpfeile nach unten zeigen? Die Gründe dafür sind wohl sehr unterschiedlich. Manch ein Verlag hat zu spät auf das Internet gesetzt, hat dort keinerlei Einnahmequellen und setzt daher schon notgedrungen auf das Kerngeschäft Print. Unter dem Strich dürfte der Hauptgrund aber in fast allen Fällen klar sein: Mit Papiermedien lässt sich auch 2012 sehr gutes Geld verdienen. Allerdings – und darüber sollte die reine Zahl der Neugründungen nicht hinweg täuschen – das letzte bisschen Mut fehlt den Verlagen dann doch oftmals. Viele der neuen Titel sind erst einmal nur Tests, sie erscheinen einmalig und erst bei Erfolg öfter – manchmal selbst dann nur drei- oder viermal pro Jahr. Dennoch, der Herbst 2012 zeigt im Bezug auf die Magazinbranche eindeutig: Print lebt!

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