Jussi Adler-Olsen und die E-Book-Angst

Publishing Der dänische Bestseller-Autor Jussi Adler-Olsen ("Erbarmen") wollte seinen vierten Krimi mit dem beliebten Ermittler Carl Mørck erst mit einem halben Jahr Verzögerung als E-Book herausbringen. Druck von Lesern und die Angst vor Raubkopien brachten ihn dazu, den E-Book-Boykott vorzeitig abzubrechen. Ein Freund des E-Books ist Adler-Olsen darum aber noch lange nicht. Im Buchreport schimpft er jetzt, das E-Book werde “die Buchbranche” töten. Er irrt sich.

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Der dänische Bestseller-Autor Jussi Adler-Olsen ("Erbarmen") wollte seinen vierten Krimi mit dem beliebten Ermittler Carl Mørck erst mit einem halben Jahr Verzögerung als E-Book herausbringen. Druck von Lesern und die Angst vor Raubkopien brachten ihn dazu, den E-Book-Boykott vorzeitig abzubrechen. Ein Freund des E-Books ist Adler-Olsen darum aber noch lange nicht. Im Buchreport schimpft er jetzt, das E-Book werde “die Buchbranche” töten. Er irrt sich.

Das Interview, das Jussi Adler-Olsen Buchreport.de gegeben hat, ist an Pessimismus kaum zu übertreffen. Das ist umso erstaunlicher, als Adler-Olsen mit seinen bisherigen Carl Mørck-Krimis “Erbarmen”, “Schändung” und “Erlösung” lange Zeit ganz weit oben in den E-Book-Bestsellerlisten stand. Er ist selbst also ein Profiteur des Booms. Auch “Verachtung” verkauft sich wieder sehr gut und steht in der Kindle-Bestsellerliste bei Amazon aktuell auf Verkaufsrang 4.

Adler-Olsen wollte vor der Veröffentlichung von “Verachtung” durchsetzen, dass das E-Book erst ein halbes Jahr nach Erscheinen der Print-Ausgabe erhältlich ist. Laut Adler-Olsen wollte er damit den Buchhändlern “einen Vorsprung verschaffen”. Er sagte dem Buchreport: “Sie waren mir gegenüber loyal, lange bevor ich ein Bestsellerautor wurde. Jetzt hat sich die Situation gedreht: Die Buchhändler haben Schwierigkeiten – ich kann helfen. Ich wusste, dass das Widerstand hervorrufen würde, musste es aber ausprobieren, weil ich die Zukunft kontrollieren will, statt von ihr kontrolliert zu werden.”

Das war nett aber naiv gedacht. Bereits kurz nachdem der E-Book-Veröffentlichungstermin März 2013 für „Verachtung“ publik wurde, schmissen Raukopierer den Scanner an. Wenige Tage nach Erscheinen der Print-Ausgabe stand bei Tauschbörsen dann eine illegale, gescannte Version von “Verachtung” für null Euro als E-Book bereit. Gleichzeitig hagelte es Proteste von Lesern. Der Verlag dtv und Adler-Olsen selbst erhielten nach eigenen Angaben eine Flut an wütenden Briefen von E-Book-Nutzern, die kein Verständnis für eine verzögerte Veröffentlichung hatten.

Schließlich knickte Adler-Olsen ein und erlaubte doch noch die Veröffentlichung von “Verachtung” als E-Book. Interessant dabei ist, dass ein Bestseller-Autor wie Adler-Olsen, den E-Book-Trend am eigenen Leibe spürt. Er sagt in dem Interview: “Die Leser – die zunehmend auf das E-Book umsteigen, wie meine Statistiken zeigen – fühlten sich von mir diskriminiert. Ich bin traurig, dass sie so harsch reagiert haben. Aber es war naiv, zu glauben, dass sie sich damit abfinden würden.” Nun sieht er für seine Branche reichlich schwarz. Verlage würden bald nicht mehr genug verdienen und verschwinden. Nur einige Großverlage würden immer größer werden. Arbeitsplätze würden verloren gehen, E-Books würden Buchhandlungen töten und letztlich würde es auch weniger Autoren geben, so Adler-Olsens Prognose.

Warum ausgerechnet er so schwarzmalt, ist nicht verständlich. Zum einen hat die Buchbranche gegenüber anderen Medienzweigen, wie Zeitschriften oder Zeitungen oder TV, den Vorteil, dass sie so gut wie gar nicht von Werbung abhängig ist. Die Umsätze mit Büchern sind in ihrer Gesamtheit ziemlich stabil und steigen sogar leicht. Und die Umsätze mit E-Books steigen sogar besonders stark. Anlässlich der Frankfurter Buchmesse hat das Meinungsforschungsunternehmen GfK gerade neue Zahlen veröffentlicht, laut denen E-Books mittlerweile elf Prozent des gesamten Download-Umsatzes im Entertainment-Sektor in Deutschland ausmachen – Tendenz stark steigend. Das heißt, mit E-Books wurden laut GfK im ersten Halbjahr 2012 44 Mio. Euro umgesetzt. Betrachtet man den gesamten Entertainment-Markt, also nicht nur die Downloads, dann macht die Buchbranche sogar 39 Prozent aller Umsätze aus und dominiert die Entertaiment-Sparte – vor Musik, Video, und Spielen.

Hinzu kommt noch, dass E-Books für Independent-Autoren und Newcomer ein unschätzbares Feld zum Publizieren und Experimentieren bieten. Die Buchbranche wird sich durch E-Books ganz sicher verändern. Vernichtet wird sie dadurch aber gewiss nicht – im Gegenteil.

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